Darum gehts
- Über 500 Schweizer dienen in Israels Armee, viele als Doppelbürger
- Militärjustiz ermittelt gegen Schweizer wegen möglicher Kriegsverbrechen in Gaza
- Bis zu drei Jahre Haft für Schweizer in fremden Armeen, mit Ausnahmen
Mehr als 500 Schweizer dienen in der israelischen Armee. Das enthüllte ein israelisches Dokument. Die meisten sind Doppelbürger. Einige sollen auch im Gazastreifen eingesetzt worden sein. Gemäss dem Aussendepartement EDA sollen mindestens zwei Schweizer Staatsangehörige nach den Hamas-Anschlägen vom 7. Oktober 2023 bei Militäroperationen im Palästinensergebiet umgekommen sein.
Die Behörden wissen aber nicht, wie viele Schweizer Staatsbürger insgesamt im Gazakrieg gekämpft haben. Wie die Militärjustiz erklärt, sind Doppelbürger nicht gesetzlich verpflichtet, ihren Wehrdienst zu melden. Die Eidgenossenschaft habe daher keinen Überblick, welche und wie viele Schweizer Staatsangehörige in der israelischen Armee dienen – und allenfalls an Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren.
«Alles hinter sich gelassen»
Die Zeitung «Le Courrier» hat sich auf Spurensuche gemacht. Sie berichtet vom Genfer Theodore, der Name ist geändert. Dieser habe nach den Hamas-Angriffen beschlossen, «alles hinter sich zu lassen», um sich in Israel als Freiwilliger bei der Armee zu melden. Vorher habe er schon im Schweizer Militär gedient.
Vor seiner Abreise soll Theodore im Tourismussektor gearbeitet haben. Seine Frau und sein Sohn seien vorerst in der Schweiz geblieben. Theodore wird zitiert, er kämpfe indirekt auch für sie: «Die Terroristen, die diese Anschläge verübt haben, hätten überall hingehen können. Obwohl meine Familie in der Schweiz ist, beschütze ich sie, ebenso wie meine erweiterte Familie, das israelische Volk.» Recherchen würden darauf hindeuten, dass Theodore auch im Gazastreifen gekämpft habe.
Ein anderes Beispiel ist Joseph. Auch das ist nicht der richtige Name. Er sei in einem Video in den sozialen Medien aufgetaucht. Der mittlerweile gelöschte Beitrag habe ihn als Mitglied der Meitav-Einheit gezeigt, die in der israelischen Armee für die Auswahl und Zuweisung neuer Rekruten zuständig sei. Im Video habe er erklärt, dass er, obwohl Schweizer, nach dem 7. Oktober der israelischen Armee beigetreten sei: «Jetzt, wo Krieg herrscht, ist mir klar geworden, dass es nur ein Land gibt.» Die Zeitung nennt weitere Beispiele.
Militärjustiz hat Vorermittlungen eingeleitet
Mittlerweile habe die Schweizer Militärjustiz gegen fünf Personen Vorermittlungen eingeleitet – auch aufgrund der Medienrecherchen. Schweizer Staatsbürger dürfen normalerweise nicht in anderen Armeen dienen. Sie können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden. Ausnahmen gelten jedoch für solche, die sich in einem anderen Staat niederlassen, von dem sie ebenfalls die Staatsbürgerschaft besitzen und dort Wehrdienst leisten.
Schweizer Staatsbürger jüdischen Glaubens können ihren Wehrdienst daher in Israel ableisten, da ihnen der jüdische Staat im Rahmen des Rückkehrrechts die Staatsbürgerschaft gewährt. Sie sind vor Strafverfolgung geschützt, sofern das Militärgericht sie als Einwohner Israels anerkennt. Die Fälle würden einzeln geprüft.
Ein Schweizer Staatsbürger sei denn auch im vergangenen August freigesprochen worden, schreibt die Zeitung weiter. Es sei der einzige bisher abgeschlossene Fall. Der Mann habe während seines Militärdienstes die israelische Staatsbürgerschaft besessen und ausdrücklich seine Absicht geäussert, nach seinem Dienst in Israel zu studieren. In der Schweiz habe er daher als in Israel ansässig gegolten.