Die Kufija, das schwarz-weisse Palästinensertuch, hat Rima Hassan (34) fast immer um die Schultern gelegt. Die EU-Abgeordnete trägt es auf Demonstrationen, in Interviews, ja selbst dann, wenn sie im Europäischen Parlament redet. Kein Wunder: Ihre Politik gilt vor allem Palästina. Und dem Kampf gegen Israel.
Am 9. Juni reist Hassan nach Bern. Schweizer Parlamentarier haben sie zu einem «informellen Austausch» ins Bundeshaus eingeladen.
Terroristen-Zitat geteilt
In Frankreich ist die Tochter palästinensischer Flüchtlinge ein Star – die Ikone der französischen Linkspopulisten von La France insoumise. Kritiker werfen ihr Antisemitismus und die Verharmlosung von Terror vor. Hassan bezeichnet das als «Propagandakrieg» und «Desinformationskampagne».
Tatsächlich laufen in Frankreich mehrere Strafverfahren gegen die studierte Völkerrechtlerin. Im Juli muss sie sich wegen mutmasslicher Terrorverherrlichung vor Gericht verantworten. Dies, weil sie auf X ein Zitat des japanischen Terroristen Kozo Okamoto teilte, jenes Mannes, der 1972 mit Komplizen 26 Menschen am Flughafen von Tel Aviv ermordete: «Solange es Unterdrückung gibt, ist Widerstand nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht.» Nach Medienberichten löschte sie den Post.
Geht es gegen Israel, legt die Linksaussenpolitikerin jede Zurückhaltung ab. Das Land sei eine «Monstrosität» und habe kein Recht auf Selbstverteidigung. Der Hamas-Terror hingegen sei zwar ein Kriegsverbrechen, völkerrechtlich aber «legitim», wie sie in einem Interview ausführte.
Eingeladen von Genfer Ständerat
Und jetzt soll Hassan im Bundeshaus auftreten. Eingeladen wurde sie von der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Palästina, die nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 eigentlich mal kurz vor dem Aus stand.
In einem Rundmail, das Blick vorliegt, schreibt der Präsident der Gruppe, SP-Ständerat Carlo Sommaruga (66), das Treffen biete Gelegenheit zum Austausch über «die Kriminalisierung der internationalen Solidarität mit dem palästinensischen Volk» und über die Rolle der Gaza-Hilfsflotten. Rima Hassan segelte 2025 zusammen mit prominenten Aktivistinnen und Aktivisten Richtung Gaza. Die israelische Marine stoppte ihr Schiff und nahm Hassan fest.
Begleitet wird Hassan bei ihrem Besuch im Bundeshaus von Rémy Pagani, dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt Genf. Auch er nahm an der Gaza-Flotilla teil.
Sommaruga verteidigt Einladung
Laut einem aktuellen Verzeichnis des Parlaments besteht die parlamentarische Freundschaftsgruppe noch aus sieben Mitgliedern, darunter SP-Nationalrat Fabian Molina (35). Er sagt, die Einladungen für solche Anlässe seien Sache des Präsidenten. «Ich habe die Einladung auch erhalten, kann aber nicht teilnehmen.»
Es scheint ganz danach, als wäre die Gruppe mittlerweile eine One-Man-Show von Sommaruga. Der Genfer Ständerat verteidigt den Besuch von Rima Hassan: «Die Einladung ist völlig legitim. Sie ist Mitglied des Europäischen Parlaments und setzt sich für die palästinensische Sache ein.» Hassan sei zudem ein Symbol für die «politische Repression gegen Einzelpersonen und die Solidaritätsbewegung mit Palästina».
Der Bern-Besuch von «Lady Gaza», wie Kritiker Hassan nennen, dürfte in der Propalästinaszene für Aufsehen sorgen. Auf Instagram folgen der EU-Abgeordneten mehr als eine Million Menschen. Das Magazin «Politico» setzte sie in einer Rangliste der einflussreichsten Persönlichkeiten Europas kürzlich auf Platz 26. Neun Plätze hinter Macron, zwei vor Fifa-Präsident Gianni Infantino.
Einreisesperren gegen Hassan
Rund um Auftritte von Rima Hassan kam es in Frankreich wiederholt zu Gewalt. Im Februar starb in Lyon ein 23-jähriger Rechtsradikaler. Er wurde bei Auseinandersetzungen mit Linksextremisten am Rande einer Konferenz mit Hassan zu Tode geprügelt.
Israel und Kanada haben gegen Hassan Einreisesperren erlassen. Ob auch die Schweiz den Besuch der Palästina-Aktivistin verhindert?
Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch
Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch