20 Angreifer
Quentin (†23) stirbt in Lyon nach Attacke durch Vermummte

Ein Student ist nach einer brutalen Attacke in Lyon gestorben. Rund 20 Vermummte griffen ihn und zwei Begleiter an. Ermittlungen wegen Mordes laufen. Der Fall hat die französische Politik erreicht.
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Quentin D. und seine Begleiter wurden von 20 Vermummten brutal attackiert.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Ein Student starb nach Angriff bei rechter Kundgebung in Lyon
  • Vier Verdächtige wurden festgenommen
  • Polizei befragte über 15 Zeugen und analysiert Videoaufnahmen
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Nach dem gewaltsamen Tod eines Studenten am Rande eines Auftritts einer Europaabgeordneten der französischen Linkspartei in Lyon gibt es in dem Land massive politische Spannungen. Konservative und rechte Politiker in Paris mutmassen, dass ein linksradikaler Schlägertrupp den Studenten am Rande einer rechten Kundgebung gegen den Auftritt der Linkenpolitikerin Rima Hassan erschlagen hat und sprechen von einer Mitverantwortung der Linkspartei. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, sind Ermittlungen wegen vorsätzlichen Mordes eingeleitet worden.

Der 23 Jahre alte Student Quentin D.* habe sich am Donnerstag zum Schutz der rechten Gegenkundgebung von sieben Frauen bereitgehalten, ohne aber in Aktion zu treten. Er und zwei Begleiter seien von rund 20 Maskierten angegriffen worden, sagte Staatsanwalt Thierry Dran. Dem 23-Jährigen sei es nicht gelungen zu entkommen, woraufhin ihn sechs Angreifer massiv verprügelten. Der Student sei auf die Intensivstation einer Klinik gekommen, wo er am Samstag an schwersten Kopfverletzungen starb.

Hitzige Stimmung zwischen den Parteien

Videoaufnahmen, die den Angriff der schwarz gekleideten Vermummten zeigten, kursierten in den sozialen Medien. Wie die Staatsanwaltschaft Lyon mitteilte, wurden vier Personen wegen des Verdachts der Beteiligung an der Tat festgenommen. Unter den vier Festgenommenen befindet sich laut Ermittlungskreisen ein parlamentarischer Mitarbeiter von Raphaël Arnault (31), einem Mitglied der Partei France Insoumise (LFI).

Staatsanwalt Thierry Dran sagte, die Polizei habe bereits «mehr als fünfzehn Zeugen» befragt und analysiere Videos des Angriffs.

Lecornu: «Entsetzliche Tragödie»

Die Pariser Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet (55) untersagte dem parlamentarischen Mitarbeiter vorläufig den Zugang zur Nationalversammlung, weil er nach Zeugenaussagen an dem tödlichen Angriff beteiligt gewesen sein soll. Ob dies zutreffend ist, konnte der Staatsanwalt noch nicht sagen. Einen Monat vor Beginn der Kommunalwahlen in Frankreich heizt der Tod des Studenten die Spannungen zwischen den Parteien auf jeden Fall an.

«Dies ist eine absolute entsetzliche Tragödie», sagte der französische Premierminister Sébastien Lecornu (39) dem TV-Sender BFMTV. «Die juristische Wahrheit muss ohne Druck auf die Ermittler ans Licht kommen. Gerechtigkeit muss ohne Druck siegen.»

Quentin D. war seit zwei Jahren in der lokalen nationalistischen Bewegung aktiv. Sein Anwalt stellte klar, dass er keine Vorstrafen hatte. Er beschrieb ihn als jemanden, der sich im Gemeindeleben engagierte und es gewohnt war, seine Überzeugungen gewaltlos zu verteidigen. Frankreichs grösste Gewerkschaft CFDT verurteilte die «extreme Polarisierung politischer Positionen» und das «Kriegsklima» in der öffentlichen Debatte. 

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