Darum gehts
- Elon Musk plant grösste Starlink-Bodenstation Europas in Leuk, Wallis
- Proteste wegen Gesundheitsrisiken und geopolitischer Bedenken gegen 40 Antennen
- Signalhorn AG hat Baubewilligung; Gegner drohen mit Klage bis Bundesgericht
In Leuk, einer Walliser Gemeinde mit 4500 Einwohnern, rückt die Weltpolitik ganz nah. US-Techmilliardär Elon Musk (54) will dort die grösste Starlink-Bodenstation Europas bauen – doch das passt nicht allen.
Angeführt werden die Proteste von Hanna Schnyder-Etienne (69) und Roman Kuonen (70), zwei Hausärzten aus dem Ort. Von Musks Projekt erfahren haben sie erstmals im Juni 2025. Zufällig, aus der Zeitung. Einen Tag vor der Urversammlung – der Gemeindeversammlung in Leuk. Seither wehren sie sich. «Wir sind Ärzte. Das Strahlenrisiko dieser 40 Antennen ist zu gross und gefährdet die Gesundheit», sagt Schnyder-Etienne. Die EU wolle die elektromagnetischen Strahlen tief halten, «wir machen das Gegenteil». Mit – wie sie behaupten – unerforschten Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung sowie die Tier- und Pflanzenwelt.
In der gleissenden Walliser Sonne zeigen Schnyder-Etienne und Kuonen den Standort des Starlink-Projekts. In einem Rebhang, wenige Hundert Meter Luftlinie vom Ortskern entfernt. Dort stehen bereits seit den 1970er-Jahren riesige Satellitenschüsseln. Inzwischen sind sie technisch überholt. Musks Antennen sind viel weniger hoch, aber weit beweglicher; sie gehen mit den Satelliten mit und decken vielfache Frequenzbereiche ab.
Schnyder-Etienne und Kuonen sind immer noch empört, dass das Projekt an der Urversammlung im Juni 2025 nicht zur Sprache gekommen wäre, wenn sich Schnyder-Etienne nicht aufgrund des Zeitungsartikels danach erkundigt hätte.
Surfen auch in abgelegenen Orten
Die US-Firma Starlink ermöglicht mit einem grossen Satellitennetz, dass man sich auch an abgelegenen Orten ins Internet einloggen kann. So können auf einer abgelegenen Berghütte in Glarus trotzdem Touristen surfen. Doch auch im Krieg in der Ukraine ist Starlink wichtig, um Drohnen zu steuern, wie SRF berichtet. Starlink gehört zum Raumfahrtunternehmen SpaceX um CEO Musk.
Roman Kuonen warnt deshalb vor geopolitischen Risiken: «Die Schweiz könnte zu einem Angriffsziel werden.» Er verweist auf den Nahost-Konflikt. «Der Iran hat US-Militärstationen in Nachbarländern angegriffen. Flugplätze, Radarstationen – und auch Kommunikationsanlagen.» Die Schweiz sei gegen Drohnen- oder Raketenangriffe derzeit wehrlos.
Schnyder-Etienne ergänzt: «Das Schlimmste ist, dass dieses Satelliten-Internet nicht der Schweiz gehört. Musk kann es jederzeit abschalten. Wir wären völlig erpressbar.» Ihr sei klar, dass manche Junge überall einfach ein schnelles Internet wollten, egal welche Umstände damit verbunden seien. Deshalb sei ihr daran gelegen, zu informieren und den nächsten Generationen klarzumachen, dass dies verheerend sein könne.
Gemeinde sieht keine Gefahren
Die Starlink-Antennen betreiben soll die Signalhorn AG. Sie besitzt eine Versuchskonzession vom Bundesamt für Kommunikation. Die Gemeinde Leuk hat bereits eine Baubewilligung erteilt.
Die Gemeinde begründet die Bewilligung unter anderem mit einer Studie, die von SpaceX gemacht wurde. «Die Studie kam zum Schluss, dass die Antenne innerhalb der Sicherheitsspanne für elektromagnetische Strahlungen arbeitet und somit sicher ist.» Der Gemeinderat von Leuk gibt zum Thema keine Auskunft mehr. Starlink hat nicht auf Anfragen reagiert.
Im Januar zitierte der «Walliser Bote» den Gemeindepräsidenten Alain Bregy: «Als naturwissenschaftlich denkender Mensch kann ich die Bedenken rund um die gesundheitlichen Risiken der neuen Antennen kaum ernst nehmen.» Bregy, selbst Elektroingenieur, betont, dass sämtliche Dienststellen des Kantons sowie das Bundesamt für Kommunikation dem Baugesuch zugestimmt hätten.
Auf dem nationalen Parkett
Mittlerweile musste sich auch der Bundesrat zu den Netzwerkplänen in Leuk äussern. Man sei sich der strategischen Bedeutung moderner Satellitenkonstellationen wie Starlink bewusst, antwortete das Departement von Albert Rösti (58, SVP) auf einen Vorstoss des Walliser Nationalrats Christophe Clivaz (57, Grüne). «Das Neutralitätsrecht sieht keine Pflicht des neutralen Staates vor, die Übertragung von militärischen Daten über Netzwerkinfrastruktur auf seinem Gebiet zu unterbinden.»
Angesprochen auf mögliche Drohnen- oder Raketenangriffe auf Leuk sieht der Bundesrat «keine besondere strategische Verwundbarkeit» der Anlage, da die Kommunikation auch ohne einzelne Bodenstationen aufrechterhalten werden könne.
Schnyder-Etienne und Kuonen haben beim Kanton Einsprache gegen die Baubewilligung der Gemeinde erhoben. «Notfalls gehen wir bis vor Bundesgericht», betonen die beiden.
Was bringt das Projekt?
Was Musks Starlink über der Rhone in Leuk plant, treibt nicht nur Schnyder-Etienne und Kuonen um. Aus Leuk, der Region und der ganzen Schweiz hat der Verein, der sich gegen die Starlink-Antennen wehrt, Zuwachs erhalten. Neben der permanenten Strahlenbelastung befeuert vor allem die Person Musk den Widerstand. Dass der Ex-Berater von US-Präsident Donald Trump (79) nicht nur die Wirtschaftswelt, sondern auch den Mars erobern will, weckt Ängste.
Für Schnyder-Etienne und Kuonen bleibt rätselhaft, wie es zum Starlink-Vorhaben in Leuk gekommen ist. Hat Starlink das Projekt eingefädelt oder ist die Signalhorn AG als Betreiberin der bestehenden Antennen-Anlage auf Musks Unternehmen zugegangen? Und welche Rolle spielt die Gemeinde dabei? Antworten auf diese Fragen haben Schnyder-Etienne und Kuonen nicht. Ebenso schleierhaft ist ihnen, was die Anlage Leuk bringen soll. Arbeitsplätze sind nur eine Handvoll damit verknüpft, hohe Steuererträge würden laut den beiden nicht anfallen.
Dass ein Mächtiger über andere befiehlt, wollen sich Schnyder-Etienne und Kuonen nicht gefallen lassen. In Leuk soll nicht passieren, was anderswo in der Welt gang und gäbe ist.