Kuhhandel im Bundeshaus
Antibiotika-Streit im Mercosur-Deal

Irische Bauern warnen vor Antibiotika in brasilianischem Fleisch. In Bern bahnt sich ein politischer Kuhhandel zum Mercosur-Abkommen an.
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Bauernpräsident Markus Ritter will dem Mercosur-Deal nur zustimmen, wenn die Schweizer Bauern entschädigt werden.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mercosur-Deal ermöglicht zollfreie Fleischimporte, Bauern fürchten unfaire Konkurrenz
  • 16'000 Tonnen Geflügel kamen 2025 aus Mercosur-Staaten, überwiegend Brasilien
  • EU erwägt Importverbot für brasilianisches Fleisch ab September wegen Antibiotika
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Das geplante Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sorgt seit Jahren für Streit. Der Branchenverband Swissmem erhofft sich ein Eldorado in Lateinamerika, während die Bauern noch mehr Fleischimporte befürchten. Im Bundeshaus bahnt sich ein handfester Kuhhandel an: Mehr Subventionen für die Bauern sollen ihnen den Mercosur-Deal schmackhaft machen. Gleichzeitig schlagen Konsumentenschützer und Gesundheitsorganisationen Alarm.

Im Zentrum der Kritik stehen seit Neuestem Fleischimporte aus Brasilien. Eine Studie im Auftrag der irischen Bauern zweifelt an den Produktionsstandards: Es gebe gravierende Lücken bei der Rückverfolgbarkeit sowie beim Einsatz von Antibiotika, hält die Studie fest. Laut der EU hält Brasilien Vorschriften beim Antibiotikaeinsatz nicht ein. Ab September könnte brasilianisches Fleisch wegen genau dieser Bedenken aus der EU verbannt werden.

Die Schweiz importiert viel Geflügel aus Brasilien

Und die Schweiz? Sie verhandelt unbeirrt weiter. Das geplante Abkommen mit den Mercosur-Staaten würde zusätzliche Fleischimporte ermöglichen – und zwar zollfrei. Allein beim Rindfleisch sind 3000 Tonnen zusätzlich vorgesehen, beim Geflügel winken neue Kontingente. Schon heute stammt ein grosser Teil des importierten Pouletfleischs aus Brasilien.

2025 importierte die Schweiz knapp 64'000 Tonnen an Geflügel. Davon stammten knapp 16'000 Tonnen aus den Mercosur-Staaten – fast immer aus Brasilien (15'700 Tonnen). Künftig soll noch mehr Fleisch zollfrei importiert werden können. Der Import von brasilianischem Poulet wird im Vergleich zu anderen Ländern massiv verbilligt. Damit dürfte wesentlich mehr Latino-Poulet auf Schweizer Teller gelangen.

Gesundheitsrisiken und unfaire Konkurrenz

Kritiker warnen vor Gesundheitsrisiken und unfairer Konkurrenz. «Ungleich lange Spiesse verfälschen den Markt», sagt Bauernverbandsdirektor Martin Rufer (49). Schweizer Produzenten müssten strenge Vorschriften einhalten – während importiertes Fleisch oft unter deutlich tieferen Standards produziert werde.

Der Bund beschwichtigt. Die hohen Schweizer Standards blieben unangetastet, heisst es aus dem Bundesamt für Landwirtschaft unter Bundesrat Guy Parmelin (66, SVP). «Da die Schweiz mit der EU einen gemeinsamen Veterinärraum bildet, gilt ein allfälliges Importverbot auch für die Schweiz. Eine definitive Entscheidung wird aber erst nach weiteren Abklärungen getroffen werden.» Das Mercosur-Abkommen taste die Regulierungshoheit der Schweiz nicht an. «Ein allfälliges Importverbot würde auch unter dem Freihandelsabkommen Bestand haben.»

Ohne die Bauernlobby dürfte Mercosur scheitern

Das Bundesamt betont: Laut Abkommen soll auf den Verzicht von Antibiotika als Leistungsförderer hingearbeitet und nachhaltige Landwirtschaft gestärkt werden. Und: In der Schweiz muss deklariert werden, wenn die Tiere Antibiotika erhielten. 

Doch reicht ein Hinweis auf der Verpackung, wenn gleichzeitig die Importmengen steigen? So oder so: Der politische Druck wächst. Und die Bauern treiben den Preis hoch. Sie wissen: Ohne die Stimmen der mächtigen Bauernlobby ist der Mercosur-Deal im Parlament kaum mehrheitsfähig.

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