Darum gehts
- Greta Gysin (42) ist neue Präsidentin der Grünen-Fraktion im Bundeshaus gewählt
- Sie war seit 2019 Nationalrätin, erste Tessinerin und engagiert für Klima
- Sie übernimmt von Aline Trede, die ab 1. Juni Regierungsrätin wird
Greta Gysin (42) ist die neue Chefin der Grünen im Bundeshaus. «Ich wurde brillant gewählt!», scherzte die Tessinerin am Freitag vor den Medien. Gysin war die einzige Kandidatin – ihre Wahl war darum wenig überraschend.
Die Arbeit im Parlament bezeichnete Gysin als «äusserst intensiv». «Schwerpunkte setze ich im AKW-Dossier, beim Abkommen mit Mercosur sowie bei der Klimapolitik ab 2030», sagt sie. Weitere wichtige Anliegen sieht die Tessinerin in der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie der Gleichstellung.
Gysin warnte vor der «Trumpisierung der Politik». Sie spielt damit auf den Entscheid der Staatspolitischen Kommission des Nationalrats an. Diese befand am Freitag, dass die Bilateralen III dem Ständemehr unterstellt werden müssten. Die Nationalrätin betitelte den Entscheid als «verfassungswidrig», da das Geschäft der Aussenpolitischen Kommission zugewiesen worden sei.
Vor Ort war auch die Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone. Die Genferin zeigte sich erfreut über die Wahl ihrer Kollegin. Gysin bringe langjährige Erfahrung im Bundesparlament sowie als Vize-Fraktionspräsidentin mit, lobte sie. Zudem sei sie in der ganzen Schweiz verankert. «Ich bin sehr optimistisch, dass wir die grüne Politik zusammen weiter vorantreiben werden.»
Erste Grünen-Politikerin aus dem Tessin
Gysin wurde im Jahr 2019 als erste Vertreterin der Grünen aus dem Tessin in den Nationalrat gewählt. Der Wahlslogan «Greta? Gysin!», mit dem sie auf die Namensverwandtschaft mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg anspielte, dürfte ihr dabei geholfen haben. Mit ihrem Einzug in die grosse Kammer verdrängte sie damals die Lega-Nationalrätin Roberta Pantani. Für die Tessiner Linke war es ein historisches Ereignis. Gysin ist Mitglied der Staatspolitischen Kommission, die sie von 2023 bis 2025 präsidierte.
Ihre politische Laufbahn begann Gysin früh. Bereits im Alter von 21 Jahren wurde sie in den Gemeinderat von Rovio TI gewählt. Dort politisierte sie von 2004 bis 2012. Damals gründete sie die Jungen Grünen im Tessin. Schliesslich sass sie 2007 bis 2015 im Tessiner Kantonsparlament.
Die Tessinerin tritt den Posten von Aline Trede an. Trede wechselt per 1. Juni in den Berner Regierungsrat. Laut den Auswertungen ihres Abstimmungsverhaltens war sie die linkeste Politikerin unter der Bundeshauskuppel.