Darum gehts
- Die Schweiz schloss im November 2025 einen Zoll-Deal mit Trump ab
- Dieser muss jetzt fixiert werden
- Trump kritisiert und lobt Keller-Sutter
Es war ein Knorz. Erst Mitte November 2025 hatte die Schweiz einen Zoll-Deal mit US-Präsident Donald Trump (79) abgeschlossen. Verkündet vom Handelsbeauftragten Jamieson Greer (46) in einem Fernsehinterview. Die Schweiz, ein Thema neben vielen anderen. Doch statt 39 Prozent bezahlen wir nur noch 15 Prozent Zoll.
Nur: In Stein gemeisselt ist das alles noch nicht. Die Absichtserklärung muss nun in einen Vertrag übertragen werden. Die Zeit drängt. Bis am 31. März soll das Abkommen stehen, sonst drohen wieder höhere Zölle.
Gleichzeitig lässt Trump keine Gelegenheit aus, gegen die Schweiz und Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62, FDP) zu sticheln. Gehört unser Land zu Trumps Feinden? Oder ist das alles nur Taktik?
Trump lästert und schmeichelt
Im Sommer, kurz vor Ablauf der Zoll-Frist, kam es zu einem Telefongespräch, dass den US-Präsidenten nachhaltig verstimmt zu haben scheint. So zumindest stellt er es öffentlich immer wieder dar.
Am Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar lästerte er über die Bundesrätin. Sie habe ihn genervt und beim Telefonat um tiefere Zölle «gebettelt». Wörtlich zitierte er sie mit: «Nein, nein, das können Sie nicht tun – bitte tun Sie das nicht, wir sind ein kleines Land.»
Sein Besuch in Davos blieb Trump offensichtlich nicht in guter Erinnerung. In Washington sagte er, die Schweiz «zerstört ihr eigenes Land». Und am Mittwochmorgen Schweizer Zeit kritisierte er einmal mehr das angebliche Handelsdefizit und griff das Telefongespräch noch mal auf. Er glaube, es sei die «Premierministerin» gewesen, mit der er gesprochen habe. «Ich bekam sie nicht vom Telefon weg.»
Verhandlungen laufen
Was bedeutet das für die Schweizer Verhandlungen? In diesen Tagen laufen Gespräche mit der Schweiz. Doch die Stimmung unter den Unterhändlern kann noch so gut sein – am Ende dürfte der Präsident entscheiden.
Hinter den Kulissen bleibt man gelassen. Das Powerplay von Donald Trump gilt als bekanntes Muster – auch andere Staatschefs mussten es schon über sich ergehen lassen. Dass sich der US-Präsident öffentlich nicht an den Namen von Keller-Sutter erinnern will, sei ein «alter Psychotrick», sagt eine Quelle zu Blick. Trumps Sticheleien gegen die Schweiz gehörten gewissermassen zu seinem Verhandlungsstil, sagt eine weitere mit den Vorgängen vertraute Person. «Es wäre ein Fehler, darauf mit öffentlicher Empörung zu reagieren.»
Beim persönlichen Treffen am WEF hingegen lobte Trump Keller-Sutter: «Sie sind tough, tough, tough.»
Pharma wird zum Zankapfel
Die Absichtserklärung sieht vor, dass Zölle auf US-Produkte gleich reihenweise abgebaut werden sollen. Neben sämtlichen Industrieprodukten kommt die Schweiz den USA auch bei Fisch und Meeresfrüchten entgegen. Ein Import kommt der hiesigen Landwirtschaft – unter anderem aufgrund des fehlenden Meeranschlusses – kaum in die Quere. Zudem gewährt die Schweiz Zollkontingente auf Rind-, Bison- oder Geflügelfleisch.
Für US-Präsident Donald Trump aber fast wichtiger dürften die 200 Milliarden US-Dollar sein, die Schweizer Firmen in die USA investieren wollen. In den Wochen nach dem Deal wurde zudem die Frage von Medikamentenpreisen wichtiger. Trump will, dass diese in den USA sinken. Mit Roche und Novartis hat die Schweiz zwei grosse Pharmafirmen im Land.
Das Thema dürfte auch in den Verhandlungen zur Sprache kommen, dies berichtet der «Tages-Anzeiger» und deckt sich mit Blick-Informationen. Doch wenn die Preise in den USA steigen, drohen höhere Preise in der Schweiz. Der Bund hat eine Arbeitsgruppe einberufen.