KPMG schlägt Alarm, Projektleiter kündigt
IT-Debakel im VBS

Chaos im VBS: Ein zentrales Digitalprojekt braucht laut internen und externen Beratern einen Neustart. Zwei Schlüsselmitarbeiter haben gekündigt.
Kommentieren
1/6
VBS-Chef Martin Pfister hat ein Problem mehr an der Backe: zwei wichtige IT-Mitarbeiter haben gekündigt.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
Raphael_Rauch (1).jpg
Raphael RauchBundeshausredaktor

Der Projektleiter ist ein erfahrener Pilot. Nach dem Fliegen wechselte der Offizier in die IT, zuletzt war er bei der Schweizer Armee für einen Teilbereich der neuen digitalen Plattform zuständig. Mehrmals schlägt er Alarm, heisst es in der Armee. Das IT-Debakel im VBS soll grösser sein als gedacht, manche fordern einen Neustart. Obwohl Berater von KPMG dem Projektleiter recht geben, bleibt der Hilferuf unerhört. Nun haben er und sein Stellvertreter gekündigt.

Trotz Warnungen eigener Fachleute und externer Berater hält die Armeeführung seit Jahren eisern an dem Projekt fest. Im Zentrum steht die neue digitale Plattform der Armee, die ursprünglich das hoch geschützte Nervenzentrum für Führung, Kommunikation und Luftraumüberwachung bieten sollte. Die Idee stammt noch aus der Ära des früheren Armeechefs Thomas Süssli (59): zentralisierte IT-Infrastruktur mit unterirdischen Rechenzentren und regionalen Knoten – kriegstauglich und gegen Cyberangriffe resistent. Auf dieser Plattform sollen künftig sämtliche Systeme laufen – auch Schlüsselanwendungen wie Florako, das System zur Luftlage- und Luftraumüberwachung der Schweiz.

Doppelt so teuer und stark verspätet

Doch genau dieses Konzept kommt nicht zum Fliegen. Statt auf bewährte dezentrale Systeme zu setzen, zwingt die Armee neue Projekte auf die zentrale Plattform – so auch das Radar-Luftlagesystem (Ralus). Hersteller liefern ihre eigenen, zertifizierten IT-Lösungen, die dann in ein starres System integriert werden müssen. Das führt zu massiven Problemen, insbesondere in der Aviatik: Jede Änderung erfordert eine vollständige Neuzertifizierung durch militärische Stellen und das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Weder das Kommando Cyber noch externe Partner wie Swisscom können diese Prozesse derzeit effizient steuern, heisst es aus Fachkreisen.

Die Folgen sind gravierend: Die Kosten haben sich seit Projektbeginn mehr als verdoppelt – von ursprünglich rund 155 auf weit über 300 Millionen Franken. Und der Zeitplan ist Makulatur: Statt wie geplant 2024 ans Netz zu gehen, ist nun frühestens von 2029 die Rede. Das VBS räumt ein, dass sich die Arbeiten «auf kritischem Pfad» befänden. «Bereits geringe Verzögerungen können sich direkt auf das Gesamtprojekt und den Inbetriebnahmetermin auswirken», wie es weiter heisst.

Insider warnen vor Verlotterung

Aus Armeekreisen ist zu hören, die bestehende Infrastruktur drohe zu verlottern. Besonders brisant: Der Widerstand kommt aus dem Inneren des Projekts selbst. Mitarbeitende im Kommando Cyber, Projektverantwortliche bei Armasuisse und sogar einer der externen Berater von KPMG warnten nach Informationen von SonntagsBlick wiederholt davor, das Vorhaben in seiner jetzigen Form weiterzuführen. Kritiker sind sich einig: Das Projekt sei strukturell falsch aufgesetzt und werde so nie stabil funktionieren. Dennoch hält das VBS am Kurs fest – offenbar aus Angst vor einem politischen Debakel. Dabei ist die Frage längst nicht mehr, ob das Projekt Probleme hat, sondern wie lange sich die Armee dieses Risiko noch leisten kann.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Meistgelesen