Keine Kontrollen bei überrissenen Mieten
«Das ist ein ‹Gegenteilsvorschlag›»

Der Bundesrat lehnt regelmässige Mietzinskontrollen ab. Stattdessen will er statistische Vergleichsmieten für die Festlegung des Anfangsmietzinses. Jacqueline Badran ist ausser sich!
Kommentieren
1/5
Jacqueline Badran (64) versteht die Welt nicht mehr.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Bundesrat lehnt die Mietpreis-Initiative ab und bringt einen Gegenvorschlag mit Vergleichsmieten
  • Die Mieterverbände kritisieren die Marktbasierung und befürchten weitere Mietzinssteigerungen
  • Der Bundesrat warnt vor dem Aufwand und einem Investitionsrückgang durch automatische Mietzinskontrollen
Simone_Steiner_Redaktorin Politik_Blick_2-Bearbeitet.jpg
Simone SteinerBundeshausredaktorin

Jacqueline Badran (64) ist sprachlos. Und das ist die schlagfertige Zürcher SP-Nationalrätin nach eigenen Angaben «eigentlich nie». Grund dafür ist der Gegenvorschlag des Bundesrats zur Mietpreis-Initiative. Am Freitag hat die Landesregierung diesen vorgestellt. «Das ist kein Gegenvorschlag, sondern ein ‹Gegenteilsvorschlag›!», ruft Badran. Das Ganze sei «völlig irr und absurd». 

Badran ist einer der Köpfe hinter der Mietpreis-Initiative. Das Anliegen will missbräuchlich hohen Mieten den Riegel schieben. Schon heute steht im Gesetz, dass sich die Mieten an den Kosten einer Liegenschaft sowie an einer angemessenen Rendite orientieren müssen. Doch die Vorgaben werden oft missachtet. Darum will das Volksbegehren automatische und regelmässige Kontrollen einführen.

Die Regierung will keine Mietzinskontrolle

Doch der Bundesrat will davon nichts wissen. Er hält die Mietpreiskontrollen für ungeeignet, weil sie zu aufwendig seien. Ausserdem befürchtet er einen Rückgang der Investitionen in den Wohnungsbau.

Darum schlägt er neue Regeln im Bereich der Mietzinsgestaltung vor, wodurch Mieter und Vermieter künftig rascher feststellen könnten, ob ein Mietzins missbräuchlich ist. Der Bundesrat will damit den Schutz vor zu hohen Mieten wirksamer gestalten und gleichzeitig, dank Rechtssicherheit, gute Rahmenbedingungen für Investitionen in den Mietwohnungsbau sichern. 

Die Ausgestaltung der neuen Regelung bringt Badran auf die Palme. Der Bundesrat sieht nämlich im Wesentlichen eine statistische Vergleichsmiete für die Festlegung des Anfangsmietzinses und eine Indexierung im laufenden Mietverhältnis vor.

«Gehts noch?», fragt die Zürcherin entrüstet. «Dieser Vorschlag geht in die komplett falsche Richtung!» Mit der Mietpreis-Initiative habe man die im Gesetz verankerte Kostenmiete und den Renditedeckel sowie deren Durchsetzung zementieren wollen. Der Systemwechsel zur Marktmiete würde die Mieten nun noch mehr explodieren lassen. Der Wirtschaftsminister habe die Kaufkraft der Menschen zu schützen und nicht die Renditen der Immobilienwirtschaft zusätzlich zu steigern. 

Das Volk ist für das Anliegen

Auch wenn der Bundesrat die Mietpreis-Initiative ablehnt – in der Bevölkerung kommt sie gut an. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) hat für die Ausarbeitung des Gegenvorschlags eine Onlineumfrage in Auftrag gegeben. Diese zeigt: Eine Mehrheit von 63 Prozent will für die Initiative stimmen.

Zwei Drittel der Stimmberechtigten stufen die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt in ihrem Wohnort als eher oder sehr besorgniserregend ein. Die Bindung des Mietzinses an die tatsächlichen Kosten und eine angemessene Rendite befürworten 79 Prozent.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen