Darum gehts
- Der Mieterinnen- und Mieterverband warnt: Wohnkosten in der Schweiz explodieren
- Bei fast zwei von fünf Haushalten gehen mehr als 30 Prozent drauf
- Umfrage: Grosser Rückhalt für die Mietpreis-Initiative
Der Schweizer Mieterinnen- und Mieterverband (MV) schlägt Alarm: Die Wohnkosten explodieren – und viele trauen sich nicht, ihre Rechte einzufordern! So zeigt es jedenfalls das Miet-Barometer, für das der Verband in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Sotomo 34'441 Mieterinnen und Mieter befragt hat.
Demnach gehen bei zwei von fünf Haushalten mehr als 30 Prozent des Einkommens für die Wohnung drauf. Das sei weit über den Empfehlungen der Budgetberatung Schweiz, warnt der MV. Besonders alarmierend: Jede zwanzigste Person zahlt sogar über die Hälfte ihres Einkommens für Wohnkosten. Die grundsätzlich hohe Belastung gilt dabei für alle Regionen der Schweiz gleich stark – egal ob in der Stadt, auf dem Land oder in den unterschiedlichen Sprachregionen.
Viele Probleme, wenig Gegenwehr
Auch sonst präsentiert der nationale Verband besorgniserregende Zahlen: Laut der Umfrage berichten satte 70 Prozent von Problemen mit ihrer Vermieterschaft. Besonders häufig passiert dies bei Mängeln, Unterhalt und bei der Nebenkostenabrechnung. Doch die Mehrheit davon wehrt sich nicht.
Besonders zeigt sich dies beim Geld: Nur fünf Prozent der befragten Mieterschaft hätten jemals ihren Anfangsmietzins angefochten. Dabei wäre Letzteres in den meisten Fällen aussichtsreich, so der Verband: Drei Viertel der getätigten Anfechtungen enden in einem vollen oder zumindest teilweisen Erfolg. Ebenfalls forderte fast die Hälfte keine Mietzinssenkung, obwohl der Referenzzinssatz letzten September gesunken ist.
Angst vor Konsequenzen ist hoch
Die Angst vor Konsequenzen ist grundsätzlich gross, so der MV: Ein Drittel der Befragten, die keine Mietzinssenkung anforderten, befürchtete, dass sie es sich dadurch mit der Vermieterin oder dem Vermieter verscherzen würden. Besonders zaghaft zeigen sich dabei die Mieterinnen und Mieter in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz.
Zudem hat jede vierte Person Angst, ihre Wohnung in den kommenden zwei Jahren zu verlieren – oft durch Kündigungen im Rahmen von Sanierungen. Diese Praxis wird laut dem MV häufig genutzt, um Mietzinserhöhungen durchzusetzen. Und sollte es danach auf die Suche nach einer neuen Bleibe gehen, sehen ebenfalls einige schwarz: Mehr als zwei Drittel fanden ihre letzte Wohnungssuche schwierig oder eher schwierig.
Viel Rückhalt für die Mietpreis-Initiative
Sowieso sieht eine Mehrheit von 58 Prozent die Vermietenden im aktuellen Mietrecht im Vorteil. Der Umstand ist jedoch wenig verwunderlich: Rund 72 Prozent der Befragten sind selbst Mitglied des Mieterinnen- und Mieterverbands. Und da die Resultate nicht anhand demografischer Merkmale gewichtet wurden, haben die Kantone mit besonders teilnahmefreudiger Mieterschaft in der Umfrage grundsätzlich mehr Einfluss.
Die Resultate sollen daher vor allem auch als Zündstoff für die vom Verband im letzten Sommer lancierte Mietpreis-Initiative gelten. Diese soll sicherstellen, dass Mieten regelmässig überprüft und angepasst werden – ohne dass Einzelne aktiv werden müssen.
Zumindest in der Umfrage findet die Forderung bereits deutlichen Rückhalt: Fast neun von zehn Befragten finden, dass Mietzinssenkungen automatisch weitergegeben werden und die Mietpreise wirksamer kontrolliert werden sollten.