Kanton will Verwaltungsbremse
Schwyz führt Beamten-Deckel ein

Im Kanton Schwyz darf die Zahl der Staatsangestellten nicht mehr stärker wachsen als die Bevölkerung. Das hat der Kantonsrat beschlossen. Doch die Verwaltungsbremse bereitet dem Regierungsrat Sorgen.
Kommentieren
1/6
Der Kanton Schwyz führt eine Verwaltungsbremse ein. Die Zahl der Kantonsangestellten darf nicht schneller wachsen als die Bevölkerung.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kantonsrat Schwyz beschliesst Wachstumsstopp für Kantonsverwaltung mit 49 zu 42 Stimmen
  • Verwaltungsstellen wuchsen 2012–2025 um 16,3 Prozent, Bevölkerung nur um 12,6 Prozent
  • Schwyz zählt aktuell fast 1800 Staatsangestellte, stärkstes Wachstum bei Heilpädagogik
LucienFluri05.jpg
Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

FDP und SVP ist es ein grosses Anliegen. Doch bis jetzt blieben sie mit ihren Vorstössen zu «Verwaltungsbremsen» meist erfolglos. Nun ändert sich das. Der Kanton Schwyz geht voran. Mit 49 zu 42 Stimmen hat der Schwyzer Kantonsrat am Donnerstag der Kantonsverwaltung einen Wachstumsstopp verordnet. Künftig darf die Zahl der Kantonsangestellten nicht mehr stärker wachsen als die Bevölkerung insgesamt. Eingebracht hatte den Vorstoss der Schwyzer SVP-Kantonsrat und Unternehmensberater Alexander Lacher (50). 

Tatsächlich ist die Schwyzer Verwaltung in den letzten Jahren stärker gewachsen als die Bevölkerung: Die Stellenzahl stieg zwischen 2012 und 2025 um 240 Stellen; Schwyz zählt aktuell fast 1800 Staatsangestellte. Das war ein Plus von 16,3 Prozent, während die Bevölkerung zwischen 2012 und 2025 nur um 12,6 Prozent wuchs. Das stärkste Wachstum gab es laut dem Schwyzer Regierungsrat bei den heilpädagogischen Schulen und bei der Kantonspolizei sowie im Migrationsamt. 

«Verlockend, aber nicht zielführend»?

Überstimmt worden ist mit dem Entscheid auch der stramm bürgerliche Schwyzer Regierungsrat. Er wollte sich etwas Beinfreiheit bewahren. Zwar zeigte er sich über das Verwaltungswachstum auch nicht nur glücklich. Er müsse aber vom Parlament oder vom Bund beschlossene Leistungen erbringen können. Zudem müsse man auf Entwicklungen reagieren können, die man selbst gar nicht beeinflussen kann: So hat die Zahl der Rechtsverfahren aufgrund allgemeiner Klagefreudigkeit zugenommen. Oder es kann sein, dass es aufgrund schwankender Schülerzahlen plötzlich mehr Klassen braucht. 

Der Regierungsrat sprach deshalb im Vorfeld von einer «auf den ersten Blick verlockenden, im Endeffekt jedoch nicht zielführenden Forderung». Es bestehe zudem die Gefahr, dass der Kanton bei einem rigiden Deckel Aufgaben den Gemeinden zuschiebe.

Im Kantonsrat drang die Regierung mit ihren Bedenken jedoch nicht durch. Dort wurde auf eine Ausnahmeklausel verwiesen, die unter gewissen Umständen ein Stellenwachstum erlaubt, das höher ist als das Bevölkerungswachstum. 

Bisher blieben die Vorstösse und Initiativen für «Verwaltungsbremsen» meist erfolglos. Einzig der Aargauer Grossrat hat im Frühling einen ähnlichen Vorstoss gutgeheissen. An mehreren Orten sind aber noch Initiativen zum Thema hängig.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen