Darum gehts
- Schweizer Frauen sollen ab 2030 zum Orientierungstag für Militär verpflichtet werden
- Der Frauenanteil in der Armee beträgt aktuell nur 2,7 Prozent
- Rund 1200 Frauen besuchen den Orientierungstag bereits freiwillig pro Jahr
Verteidigungsminister Martin Pfister (63, Mitte) und der Bundesrat wollen neu auch Schweizerinnen zum Orientierungstag für Militär und Zivilschutz verpflichten. Was muss ich dazu wissen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Warum sollen auch Frauen an den Orientierungstag?
Der Bundesrat erhofft sich von dieser Massnahme, dass mehr Frauen freiwillig Dienst leisten und der Frauenanteil in Armee und Zivilschutz steigt. Dies fördert gemäss dem Bundesrat auch die Chancengleichheit.
Was passiert am Orientierungstag?
An einem Orientierungstag erhalten die jungen Frauen einen Einblick in die Schweizer Armee und den Zivilschutz. Es wird gezeigt, welche Möglichkeiten es im Militär und Zivilschutz gibt. Es werden einzelne Aufgaben und Einsätze der Armee vorgestellt und gezeigt, welche Pflichten gelten. Ausserdem wird festgelegt, zu welchem Zeitpunkt du die Rekrutenschule absolvieren würdest, dieser kann jedoch auch später noch angepasst werden.
Was, wenn ich an diesem Tag arbeiten muss?
Der Orientierungstag gilt als Amtstermin. Der Arbeitgeber muss dir dafür freigeben. Im Gegensatz zur Rekrutierung gilt der Orientierungstag jedoch nicht als offizieller Diensttag. Entsprechend erhält der Arbeitgeber keinen Erwerbsersatz und du keinen Sold.
Kann ich mich davor drücken?
Nein. Läuft es so, wie der Bundesrat will, wird der Orientierungstag für Frauen – so wie bereits jetzt für Männer – obligatorisch. Diesen musst du auch dann besuchen, wenn du dich als untauglich einschätzt.
Kann das Volk noch darüber abstimmen?
Ja. Der obligatorische Orientierungstag braucht eine Verfassungsänderung. Zuerst ist nun das Parlament an der Reihe, die Volksabstimmung wird voraussichtlich 2028 stattfinden.
Wie viele Frauen gehen bereits an den Orientierungstag?
Bereits heute können Frauen freiwillig am Orientierungstag teilnehmen. Heute machen das jährlich rund 1200 Frauen. Zum Vergleich: Beim letzten RS-Start im Juni sind 295 Frauen eingerückt, das ist ein Frauenanteil von 2,7 Prozent.
Wer ist dagegen?
Vor allem von SP und Grünen kommt Kritik: «Statt Frauen in die Armee zu drängen, sollte das Verteidigungsdepartement endlich dafür sorgen, dass die Sicherheit von Frauen innerhalb der Armee tatsächlich Priorität hat», so SP-Nationalrätin Andrea Zryd (50). Hintergrund ist eine Studie vom Herbst 2024: Demnach haben die wenigen Frauen im Militär regelmässig mit Diskriminierung und sexualisierter Gewalt zu kämpfen.
In die gleiche Kerbe schlägt Grünen-Nationalrätin Anna-Béatrice Schmaltz (34): «Diese Vorstellung von Gleichstellung ist ein Hohn in Anbetracht der gewaltigen Mängel bei deren Verwirklichung in allen anderen Bereichen der Gesellschaft.»
Ab wann wird das eingeführt?
Wenn das Parlament und das Volk zugestimmt haben, könnte der obligatorische Orientierungstag für Schweizerinnen per Anfang 2030 eingeführt werden.
Müssen Frauen danach auch ins Militär?
Nein. Nach dem Orientierungstag gibt es für die Frauen keine weiteren Verpflichtungen. Entscheiden sie sich freiwillig für den Dienst, folgt die Rekrutierung.