Das Drama um Asal 2.0 ist mehr als missratene staatliche Informationsverarbeitung, es ist eine Schande! Nicht weil das Seco ein Jahrzehnt am neuen Auszahlungssystem der Arbeitslosenkassen herumgedoktert hat, die Kosten auf 200 Millionen Franken explodierten und die Finanzkontrolle das Projekt mehrfach scharf rügte. An IT-politische Unfähigkeit in der Verwaltung ist die Schweiz gewöhnt.
Es ist eine politische Schande, weil Seco-Chefin Helene Budliger Artieda und ihr Vize Jérôme Cosandey am Start der Plattform im Januar festhielten. Obwohl sie wussten, wie interne Dokumente zeigen, dass es Bedenken in Sachen Sicherheit und Stabilität gab. Damals stritt das Seco die Probleme zunächst ab, rechnete sie dann klein und beteuerte, dass man deren Ausmass nicht habe vorhersehen können. Was nachweislich nicht stimmt.
Es ist eine menschliche Schande, weil die Verantwortlichen ihre Fehler und deren Konsequenzen nicht einräumen. Bis heute warten Arbeitslose lange auf Leistungen. Noch immer scheitert Asal 2.0 an nicht geradlinigen Lebensläufen; die Sachbearbeiter sind mit der komplizierten Systembedienung noch immer überfordert. Und selbst wenn das System stabil läuft, ist es noch immer zu langsam, um den riesigen Rückstau der Dossiers abbauen zu können.
Die grösste Schande aber ist, dass dieses Versagen ohne Konsequenzen bleibt. Die knapp 150’000 Arbeitslosen der Schweiz haben keine Lobby. Sie sind für Parmelin, Budliger Artieda und Cosandey keine Gefahr. Also sitzt man das Problem in der Bundesberner Blase weiter aus und streitet alle Probleme ab. Schliesslich hat das in den letzten sieben Monaten ja auch geklappt.