Darum gehts
- Drei Kantone fordern Tempo 60 auf der Boowaldstrasse gegen Raser
- Motorradfahrer und Autofahrer nutzen die Strasse als illegale Rennstrecke
- Die Strecke ist rund fünf Kilometer lang, aktuell gilt Tempolimite von 80 km/h
Im Boowald rauchen schon länger die Köpfe. Denn die Kantonsstrasse, die durch das aargauische Gebiet führt, wird immer wieder von Rasern heimgesucht. Die Anwohnerinnen und Anwohner ärgern sich über den Verkehrslärm, die umliegenden Gemeinden befürchten Unfälle.
Das Besondere: Die rund fünf Kilometer lange Strecke betrifft Gemeinden in drei Kantonen. Diese haben jetzt genug: Der Lärm sei «unerträglich», schreiben Murgenthal AG, Roggwil BE und Pfaffnau LU in einer gemeinsamen Mitteilung. Denn Motorradfahrer und Lenker von Personenwagen würden den Strassenabschnitt regelmässig als «illegale Rennstrecke» benutzen. Nun soll der Kanton Aargau endlich Tempo 60 einführen.
Runder Tisch bereits im März
Bereits Ende März lud die Gemeinde Roggwil zu einem runden Tisch, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete. Daran nahmen Vertreter aus den Kantonen Bern, Luzern und Aargau sowie unterschiedliche Gemeinden und Kantonspolizeien teil.
Besprochen wurden etwa eine Verstärkung der Polizeipräsenz, strukturelle Veränderungen der Strecke oder Massnahmen gegen «informelle Zuschauerränge» – beispielsweise Halteplätze. Auch eine Senkung des Tempolimits von 80 auf 60 km/h war Thema. Besonders Letzteres schien jedoch nicht auf offene Ohren zu stossen – obwohl Beschwerden aus der Bevölkerung immer weiter zunahmen.
Tempo 60 soll für mehr Strafen sorgen
Dabei würde eine Temporeduktion nicht nur zu weniger Lärm und mehr Sicherheit führen, sondern auch zu einfacherer Ahndung. «Wird eine tiefere Höchstgeschwindigkeit signalisiert, ist der Raser-Straftatbestand eher erfüllt», so die Gemeinden. Das könnte abschreckend wirken, und die Polizei könnte Fahrzeuge einfacher beschlagnahmen.
Besonders im Frühling und Sommer sei die Situation «ausgeartet», sagt Benjamin Kurt, Gemeindepräsident von Roggwil BE, gegenüber SRF. «Man hört extrem viele Töfffahrer, die auf- und abfahren, aber auch Autofahrer, die dort beschleunigen und Kurven fahren.» Bereits im Frühling hatte die Gemeinde Pfaffnau geschrieben: «Wir sind uns bewusst, dass die Geduld vieler Anwohnender stark strapaziert ist.»
Kanton reagiert zögerlich
Massnahmen wie Leitplanken-Entfernung und Kameras brachten bisher wenig Erfolg. «Andere Orte haben mit Temporeduktionen positive Erfahrungen gemacht», sagt Kurt.
Ein Beispiel: Die Jurapassstrasse über der Saalhöhe zwischen Kienberg SO und Erlinsbach AG. Seit das Tempo dort auf 60 herabgesetzt wurde, hat es laut der Polizei eine Entspannung gegeben.