«Ich fahre immer schwarz»
Schweizer Linkspolitiker brüstet sich mit Bus-Bschiss

Die Irritation im Lausanner Stadtparlament war gross: Ein Linkspolitiker gab zu, im öffentlichen Nahverkehr jeden Tag zu betrügen. Seit Jahren fahre er schwarz. Es ist nicht das erste Mal, dass Loris Socchi unangenehm auffällt.
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«Ich fahre jeden Tag schwarz. Ständig fahre ich schwarz.» Linkspolitiker Loris Socchi gibt sich offenherzig.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Loris Socchi gibt im Lausanner Stadtparlament zu, täglich schwarzzufahren
  • Socchi rechtfertigt sich mit niedrigem Einkommen, ÖV-Vorstoss abgelehnt
  • Er stahl 2025 Vorhänge für 600 Franken, Kritik an seiner Eignung
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Linkspolitiker Loris Socchi (26) sorgt bei seinen Ratskollegen im Lausanner Stadtparlament gern für Irritation. Am Dienstagabend war es mal wieder so weit. Mitten in der Debatte über die Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr räumte der Vertreter der Bewegung Ensemble à Gauche offenherzig ein, täglich ohne Billett Bus zu fahren: «Und ich steige aus, wenn Fahrkartenkontrollen stattfinden.»

Socchi hatte beantragt, den öffentlichen Nahverkehr «nahezu kostenlos» zu machen. Und er verteidigte seinen Vorschlag damit, dass er zwar seit zehn Jahren Vollzeit arbeite, «und trotzdem fahre ich jeden Tag schwarz. Ständig fahre ich schwarz.» Wie «24 heures» berichtet, habe der Gemüsebauer erklärt, er könne sich mit seinem «Armutslohn» kein Ticket leisten.

«Ich bin ziemlich verblüfft über die Offenheit»

«Wo soll ich anfangen ...», habe Ratspräsident Musa Kamenica (SP) mit einem Anflug von Resignation in der Stimme reagiert, berichtet die Zeitung weiter. «Ich weiss, es liegt Ihnen im Blut, etwas provokant zu sein», habe SP-Vertreter Samuel de Vargas kommentiert.

Und Valentin Christe von der SVP befand: «Ich bin ziemlich verblüfft über die Offenheit in Herrn Socchis Geständnis, in dem er – nicht ohne einen gewissen Stolz – zugibt, regelmässig schwarz zu fahren.» Und er habe deutlich durchblicken lassen, dass er Socchi für das gewählte Amt nicht würdig halte.

Vorhänge für 600 Franken gestohlen

Socchi hat schon verschiedentlich für Schlagzeilen gesorgt. Vor rund einem Jahr war bekannt geworden, dass er wegen Diebstahls verurteilt worden ist. Er hatte im Möbelgeschäft Ikea Vorhänge im Wert von 600 Franken mitgehen lassen. Lausanner Händler hatten darauf mit einer Petition Socchis Entlassung oder Suspendierung gefordert.

Socchi hatte damals seinen Diebstahl mit politischen Motiven begründet: «Wir brauchten das Material für die Einrichtung einer Notunterkunft für Menschen, die auf der Strasse leben.»

Später sorgte er im Stadtparlament für Unmut, als er an einer Sitzung ein T-Shirt mit der Aufschrift «ACAB» («Alle Polizisten sind Bastarde») trug.

Socchis ÖV-Vorstoss wurde im Parlament übrigens abgelehnt. «Ich versuche einfach, offen und ehrlich zu sein», habe er erklärt, «aber ihr wisst, dass ich euch alle, die Mitglieder dieses Gemeinderats, trotz aller Kritik sehr schätze.» Loris Socchi wird in der nächsten Legislaturperiode dem Stadtparlament nicht mehr angehören.

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