Hunderte tote Senioren mehr als statistisch erwartet
«Gebäude müssen hitzetauglich werden. Hier hinkt die Schweiz hinterher»

Alt Nationalrätin Bea Heim fordert dringend Umrüstungen in Alters- und Pflegeheimen. Beim Hitzeschutz hätten diese Gebäude Nachholbedarf.
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Die Hitze macht den Seniorinnen und Senioren zu schaffen.
Foto: imago/photothek

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Senioren leiden stark unter der Sommerhitze, Bea Heim fordert nun Massnahmen
  • Altersheime bräuchten mehr Hitzeschutz
  • Bis Juni 2026 bereits Hunderte mehr Todesfälle als statistisch erwartet
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Tobias BruggmannRedaktor Politik

Die Schweiz ächzt unter der Sommerhitze. Während die einen mal eben in die Badi springen können, wird die Hitze gerade für Seniorinnen und Senioren zur echten Gefahr. Jetzt schlägt alt Nationalrätin Bea Heim (80) Alarm: Als Präsidentin des Verbandes aktiver Seniorinnen und Senioren fordert sie Massnahmen.

Bea Heim, wie sehr trifft die Hitze die Rentnerinnen und Rentner in der Schweiz?
Bea Heim: Bis Ende Juni sind bereits Hunderte Menschen mehr gestorben als statistisch erwartet. Diese Übersterblichkeit besorgt mich. Für Seniorinnen und Senioren sind die hohen Temperaturen ein grosses Thema. Viele Städte werden zu Hitzeinseln. Besonders belastend ist dies für Menschen in Alters- und Pflegeheimen, wenn deren Gebäude in dicht bebauten Gebieten mit wenig Grün liegen. Diese Gebäude müssen hitzetauglich werden. Hier hinkt die Schweiz hinterher, es besteht erheblicher Nachholbedarf.

Bea Heim

Bea Heim sass von 2003 bis 2019 für die SP im Nationalrat und war dort in verschiedenen Kommissionen tätig. Unter anderem in der parlamentarischen Gruppe für Altersfragen.

Die Solothurnerin ist heute Präsidentin der Vasos, die 1990 als nationaler Dachverband von aktiven Seniorinnen -und Seniorenorganisationen gegründet wurde. Heute vereint sie 24 nationale, kantonale und regionale Mitgliederorganisationen mit rund 130'000 Mitgliedern. Sie vertritt die Anliegen der Älteren gegenüber Politik, Behörden und Öffentlichkeit. Im Zentrum steht das Engagement für ein Alter in Würde.

keystone-sda.ch

Bea Heim sass von 2003 bis 2019 für die SP im Nationalrat und war dort in verschiedenen Kommissionen tätig. Unter anderem in der parlamentarischen Gruppe für Altersfragen.

Die Solothurnerin ist heute Präsidentin der Vasos, die 1990 als nationaler Dachverband von aktiven Seniorinnen -und Seniorenorganisationen gegründet wurde. Heute vereint sie 24 nationale, kantonale und regionale Mitgliederorganisationen mit rund 130'000 Mitgliedern. Sie vertritt die Anliegen der Älteren gegenüber Politik, Behörden und Öffentlichkeit. Im Zentrum steht das Engagement für ein Alter in Würde.

Inwiefern?
Viele Alters- und Pflegeheime wurden zu einer Zeit erstellt, als Hitzeschutz kaum ein Thema war. Jetzt gilt es, Gebäude und Umgebung an die zunehmenden Hitzewellen anzupassen – mit Dach- und Fassadendämmungen, gutem Sonnenschutz, mit Kühllösungen und Begrünungen.

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Braucht jedes Heim eine Klimaanlage?
Nein. Entscheidend ist, wo besonders gefährdete Menschen leben und gleichzeitig kritische Temperaturen auftreten.

Solche Umbauten dürften Millionen kosten. Gleichzeitig sind Altersheimplätze schon jetzt sehr teuer. Wird die Pflege künftig unbezahlbar?
Eine reine Kostenabwälzung auf die Heime wäre problematisch: Viele arbeiten mit engen finanziellen Margen und können grosse Investitionen nicht einfach über höhere Preise finanzieren.

Also muss der Staat eingreifen?
Es handelt sich hierbei um Gesundheitsvorsorge. Die Finanzierung muss verteilt werden. Die Heime tragen die Verantwortung für einen sicheren Betrieb, die Kantone für die Langzeitpflege. Der Bund kann über bestehende Energie- und Klimaschutzprogramme unterstützen.

Bis solche Sanierungen durchgeführt werden, vergehen Jahre.
Unser Verband Vasos ruft seit 2023 wiederholt zum Handeln auf. Hitzeschutz muss Standard werden, auch bei Betriebsbewilligungen. Wiederkehrende Hitzewellen gehören heute zum Betriebsrisiko. Neben Sofortmassnahmen braucht es baldige bauliche Verbesserungen. Schon bis zum nächsten Sommer sind Anpassungen der Umgebung und an Gebäuden mit Begrünungen möglich.

Wenn Gelder für den Klimaschutz für die Hitzeanpassung verwendet werden, fehlt das Geld zum Beispiel bei der Ursachenbekämpfung des Klimawandels. Ist das sinnvoll?
Es braucht beides, den Klimaschutz zur Ursachenbekämpfung und Massnahmen der Klimaanpassung. Mehr Hitzeschutz hilft auch dem Klima, zum Beispiel wenn begrünte Dächer und Fassaden die Gebäude kühlen und gleichzeitig CO2 speichern.

Welche Massnahmen sind kurzfristig möglich?
Es braucht zwei Ansätze: Die Pflegekräfte tun schon viel: Sie kühlen Räume, schaffen Rückzugsorte und passen die Ernährung und das Trinkverhalten an. Es braucht auch öffentliche Orte zur Abkühlung, zum Beispiel Parks, offene Kirchen und Museen.


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