Darum gehts
Francesco Maisano (60) pries sich als innovativen Forscher. Der ehemalige Direktor der Herzchirurgie am Universitätsspital Zürich (USZ) und Professor an der Universität – von 2014 bis 2020 – war daneben an zehn Medizinfirmen mit Aktien und Optionen beteiligt.
Als zum Beispiel das israelische Unternehmen Valtech Ende 2016 die Rechte für das Implantat Cardioband an die amerikanische Firma Edwards Lifesciences verkaufte, war Maisano als Erfinder und Miteigentümer beteiligt. Umgerechnet rund 300 Millionen Franken bezahlte Edwards, eine zweite Tranche überwies das US-Unternehmen nicht mehr, weil das Implantat zur Reparatur undichter Herzklappen nicht taugte. Schrauben lösten sich und führten zu gravierenden Komplikationen. Deshalb nahm Edwards das Implantat später vom Markt.
Trotzdem lobte Gregor Zünd, zu Maisanos Zeiten Direktor des USZ, im Jahresbericht 2016 das Cardioband als Forschungserfolg. Wörtlich sagte der CEO: «Am USZ entwickelt wurde beispielsweise auch das Cardioband.» Mit diesem Implantat seien die Patienten durch den Eingriff «weniger belastet als bisher». Dies, weil das Cardioband ohne grosse Operation minimalinvasiv eingesetzt werden konnte.
Neben dem Cardioband entwickelte Maisano auch eine neuartige Herzklappe namens Cardiovalve mit. Die Lizenz dafür veräusserte Valtech 2024 zum Preis von umgerechnet 230 Millionen Franken an den chinesischen Konzern Venus Medtech.
«Anteil an den Einnahmen»
In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagte Maisano am vergangenen Wochenende: «Die Universität selbst erhielt einen Anteil an den Einnahmen aus meinen Kooperationen mit der Industrie.» Das sieht nach einer Win-win-Situation aus; dass Maisano während seiner Anstellung in Zürich jedes Jahr 80 Tage abwesend war, hätte sich finanziell für alle Seiten gelohnt.
Doch von der Universität Zürich tönt es anders: Aus der Verwertung des Cardiobands habe die Uni «nichts erhalten, da die erfinderischen Beiträge von Professor Maisano vor seiner Zeit in Zürich entstanden sind», hält Sprecherin Nathalie Huber fest. Die Patente dafür seien nicht im Besitz der Universität, sondern gehörten Dritten. Für Beteiligungen Maisanos an anderen Lizenzen, die von der Uni Zürich angemeldet worden seien, habe diese bisher gesamthaft 150'000 Franken erhalten, sagt Huber. Diese seien an Erfinder, Forschungsgruppe und Universität verteilt worden, wie es die Regelungen vorsähen.
Grosse Diskrepanz
Das ist Kleingeld im Verhältnis zu den dreistelligen Millionensummen, die für Maisanos Erfindungen flossen. Und steht im Widerspruch zu den lauten Tönen Maisanos und Zünds. Unispital-Sprecher Marcel Schlatter sagt dazu lediglich: «Auf die Aussagen von Herrn Maisano und Herrn Zünd möchten wir nicht weiter eingehen.»
Herzchirurg Maisano, der seit fünf Jahren wieder in Mailand (I) tätig ist, nahm keine Stellung. Er stehe nicht zur Verfügung, schrieb er zu Fragen nach dem Verteilschlüssel.
Ob die Finanzflüsse auch Gegenstand der Strafuntersuchung der Zürcher Staatsanwaltschaft werden, ist offen. Sprecher Erich Wenzinger sagt, das mit dem Verfahren betraute Team habe sowohl Expertise in Medizinalstrafrecht und Beamtendelikten als auch in Wirtschaftsstrafrecht. Damit sei gewährleistet, dass es sämtliche Fragestellungen ganzheitlich beurteilen könne.