Darum gehts
- In Zürich wird heute Raphael Golta (SP) zum Stadtpräsidenten gewählt
- Golta benötigt nur relatives Mehr, erste Resultate um 14.15 Uhr erwartet
- Vorgängerin Corine Mauch prägte Zürich 17 Jahre, Bevölkerungswachstum markant
Neuer Stadtpräsident von Winterthur ist Stefan Fritschi (FDP, 54). Er gewinnt die Präsidiumswahl mit 16’144 Stimmen. Sein Konkurrent Kaspar Bopp (SP, 46) lag 684 Stimmen hinter ihm. Bopp hatte nur in den Wahlkreisen Veltheim, Altstadt und Mattenbach die Nase vorn. In den anderen vier Kreisen holte Fritschi mehr Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,13 Prozent.
Stefan Fritschi, Chef der Technischen Betriebe, sitzt seit 16 Jahren in der Winterthurer Regierung. Er gilt als moderate Politiker in seiner Partei. Im Streit zwischen der Stadt Winterthur und den streikenden Busfahrern Anfang März trat der FDP-Politiker ungeschickt auf. Als er beleidigt wurde, brach er den Dialog mit der Belegschaft ab. Die Affäre schadete ihm aber offensichtlich nicht.
Finanzvorsteher Kaspar Bopp politisiert seit 2019 im Stadtrat. Der Finanzvorsteher versprach mehr bezahlbare Wohnungen und Kultur. Er kandidierte am Sonntag zum zweiten Mal fürs Stadtpräsidium. Schon vor vier Jahren blieb seine Kandidatur gegen den damaligen Mitte-Stadtpräsidenten Michael Künzle (61) chancenlos.
Im ersten Wahlgang lag Bopp noch 671 Stimmen vor Fritschi. Weil keiner das absolute Mehr erreichte, kams zum zweiten Wahlgang. Der SP-Mann Bopp profitierte am 8. März wohl davon, dass die SRG-Initiative viele linke Wähler an die Urnen lockte. In den letzten Wochen gelang es Fritschi erfolgreich für seine Kandidatur zu mobilisieren. Er erreichte in allen Stadtteilen mehr Stimmen als im ersten Wahlgang.
Der FDP-Politiker löst den langjährigen Stadtpräsidenten Michael Künzle (Mitte, 61) nach 17 Jahren im Amt ab. Die SP scheiterte immer ihn aus dem Präsidentenstuhl zu verdrängen. Seit der Amtszeit von Ernst Wohlwend von 2002 bis 2012 sass kein Sozialdemokrat mehr an der Spitze der Winterthurer Stadtregierung. Die Linken halten aber mit drei SP-Sitzen und einem Grünen-Sitz die Mehrheit im siebenköpfigen Regierungsgremium.
Womöglich kommt es in Winterthur breits im kommenden Jahr wieder zu Wahlen. Der SP-Stadtrat Nicolas Galladé hat Interesse daran, in die kantonale Regierung zu wechseln.
Langweilige Wahl in der Stadt Zürich
Gewählt wird am Sonntag auch in der Stadt Zürich – und da ist der Fall klarer. Raphael Golta (50) wird mit grosser Sicherheit zum neuen Stadtpräsidenten gewählt, denn der SP-Politiker hat keine offizielle Konkurrenz. Im ersten Wahlgang am 8. März erzielte er das beste Resultat aller Kandidierenden für den Stadtrat. Für das absolute Mehr bei der Stapi-Wahl fehlten ihm jedoch 2730 Stimmen.
Auch wenn keine Überraschungen erwartet werden, könnten theoretisch alle neun gewählten Stadtratsmitglieder gewählt werden. Wer also eine Frau als Stadtpräsidentin wollte, hätte die SP-Politikerin Simone Brander (48) auf den Stimmzettel schreiben können. Bürgerliche hätten den FDP-Politiker Michael Baumer (52) wählen können. Raphael Golta braucht für die Wahl zum Stadtpräsidenten das relative Mehr. Das dürfte ihm mühelos gelingen.
Zum zweiten Wahlgang kommt es, weil sowohl die kommunale als auch die kantonale Gesetzgebung stille Wahlen verbieten. Die ersten Resultate werden laut Stadt Zürich gegen 14.15 Uhr erwartet.
Raphael Golta ist seit 2014 Vorsteher des Zürcher Sozialdepartements. Der 50-Jährige profilierte sich mit einer aktiven Sozialpolitik. Er setzte sich unter anderem für wirtschaftliche Basishilfe für Sans-Papiers, Stipendien für vorläufig aufgenommene Asylsuchende und Energiekostenzulagen für Menschen mit kleinem Budget ein. Den Bürgerlichen sind diese Vorschläge ein Dorn im Auge.
Mit der Wahl am Sonntag geht die Ära von Corine Mauch (65) definitiv zu Ende. Die SP-Politiker prägte die Stadt Zürich während 17 Jahren als Stadtpräsidentin. In ihre Amtszeit fiel ein starkes Bevölkerungswachstum. Die Standortförderungspolitik der Stadt zog zahlreiche internationale Konzerne an.