Gegen «Brüsseler Zeitdiktat»
Blocher kämpfte gegen die Sommerzeit

Vor rund 50 Jahren war die Schweiz eine Zeitinsel. Während die Nachbarn auf die Sommerzeit umstellten, blieb die Schweiz stur. Mit Folgen für Bahn, Grenzgänger und «Aktenzeichen XY».
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Für die Kühe ist die Zeitumstellung eine Herausforderung. Sie müssen sich an neue Melkzeiten gewöhnen.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Am Sonntag wird in der Schweiz auf Sommerzeit umgestellt
  • 1978 wurde die Sommerzeit trotz Volksabstimmung gegen sie eingeführt
  • 1981 führte der Bundesrat die Sommerzeit offiziell in der Schweiz ein
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Am Sonntag stellen wir die Uhr um. In der Nacht wird die Zeit um eine Stunde vorgestellt. Aus zwei Uhr morgens wird also drei Uhr morgens. Es gilt die Sommerzeit. 

Dass die Schweiz die Uhr umstellt, war nicht immer so. Vor beinahe 50 Jahren entbrannte darüber eine erbitterte politische Diskussion. Mit dabei der ehemalige SVP-Bundesrat Christoph Blocher (85). Aber von vorne. 

1977 beschloss die Europäische Gemeinschaft – der Vorläufer der heutigen EU – die Einführung der Sommerzeit. In der Schweiz ergriffen vier Jungbauern das Referendum. Die Kühe sollten sich an veränderte Melkzeiten gewöhnen. «Das Schönste war, als wir die Unterschriften abgeben konnten, das hatte für uns ein kleines Volksfest gegeben», erinnerte sich Erich Feurer gegenüber Swissinfo vor einigen Jahren. Die Landwirte gewannen die Abstimmung. 

«Wir stecken in einer totalen Zwickmühle»

Während die Nachbarländer also die Sommerzeit einführten, wurde die Schweiz zur Zeitinsel. Mit Folgen, zum Beispiel beim Fernsehen. Gemeinsame Live-Sendungen wie «Aktenzeichen XY» konnte das Schweizer Fernsehen nur noch in einer Aufzeichnung senden. «Wir stecken in einer totalen Zwickmühle», zitierte die «Schweizer Illustrierte» den damaligen Fernseh-Programmdirektor Ulrich Hitzig.

Dieser wisse, dass die «ohnehin kritisierte neue Tagesschau während der Sommerzeit zur völligen Bedeutungslosigkeit abzusinken droht», so die Zeitschrift weiter. «Denn wer wird schon zugunsten der Schweizer Tagesschau auf einen ARD-Krimi verzichten?», hiess es in der «Schweizer Illustrierte». 

An den Grenzbahnhöfen standen derweil Züge oftmals eine Stunde lang still, während die Grenzgänger täglich die Zeitzonen wechselten, wie der Blog des Schweizer Nationalmuseums berichtete. 

Eine Änderung musste her. Rasch zimmerte das Parlament eine Gesetzesänderung. Im Jahr 1981 führte der Bundesrat trotz der verlorenen Abstimmung drei Jahre zuvor die Sommerzeit ein. Sehr zum Ärger des Zürcher SVP-Nationalrats Christoph Blocher, der gegen das «Brüsseler Zeitdiktat» wehren wollte, wie es vom Nationalmuseum heisst. Er sammelte sogar Unterschriften für eine neue Initiative zur Abschaffung der Sommerzeit. Doch Blocher und die SVP Zürich konnten nicht genügend Unterschriften sammeln. 

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