Darum gehts
- Porträts von Waadtländer Persönlichkeiten im Buffet de la gare Lausanne entfernt
- SBB-Entscheid sorgt für Kritik
- Tibits übernimmt Restaurant, entscheidet über neue Dekoration ab 2026
Da war Henri Guisan. Da war Jean-Pascal Delamuraz. Da war Georges-André Chevallaz. Da war Paul Chaudet. Der General und die Waadtländer Bundesräte. Seit Jahrzehnten hingen sie an den Holzvertäfelungen des Bahnhofbuffets von Lausanne. Nun ist nichts mehr davon zu sehen. Oder fast nichts.
Wie «24 heures» berichtete, wurden die Porträts der ehemaligen Waadtländer Berühmtheiten, die den grossen Saal schmückten, entfernt. Die Bundesbahnen stellten die bekannten Waadtländer schlicht und einfach aufs Abstellgleis der Geschichte.
Eigentümerin des Lokals sind nämlich die SBB. «Die Denkmalschutzstelle der SBB überprüft regelmässig das Kulturerbe der SBB», erklärt Sprecher Frédéric Revaz. Man habe kürzlich den Denkmalwert der Porträts geprüft. «Diese Analyse ergab, dass eine solche Erinnerungskultur an diesem Ort derzeit nicht mehr wirklich angemessen ist.»
Der Hintergrund: Beim Restaurant stand ein Pächterwechsel an. Die Vegi-Kette Tibits wirtet nun dort.
Doch dass die Bilder fehlen, kommt nicht gut an.
«Mir fehlen die Worte»
Auf Facebook machte der ehemalige Präsident der SVP Waadt, Kevin Grangier, keinen Hehl aus seiner Wut. «Mir fehlen die Worte, um Ihre Entscheidung zu beschreiben, die Fotos bedeutender Persönlichkeiten aus dem Waadtland abzuhängen und in den Müll zu werfen», schreibt er an die SBB. Für ihn passten diese Porträts «hervorragend zum Belle-Epoque-Stil und den gemalten Schweizer Landschaften» dieses holzgetäfelten Raums.
Und der Politiker setzt nach: «Ja, es gibt Waadtländer, für die General Guisan wichtig ist! Ja, es gibt Waadtländer, für die die Bundesräte wichtig sind!» Sein Fazit ist unmissverständlich: «Sie haben sich falsch verhalten, und es ist Ihre Pflicht, Ihren Fehler zu korrigieren.»
Unter seinem Beitrag gehen die Reaktionen in die gleiche Richtung. «Eine zutiefst dumme Entscheidung», kommentiert die Journalistin Chantal Tauxe, die darin einen Versuch sieht, «ein schönes Kulturerbe in einen vollkommen unpersönlichen Ort zu verwandeln». Der ehemalige Nationalrat Claude Ruey spricht gar von «analphabetischen Bilderstürmern». Einst waren gerade die Porträts von General Guisan weit verbreitet: Der Schweizer Held des Zweiten Weltkriegs hing in der Nachkriegszeit in vielen Restaurants. In Lausanne hallte diese Tradition offensichtlich noch nach.
Selbst die Tibits-Befürworter sind verärgert
Was die Angelegenheit noch pikant macht, ist, dass sie über das übliche Lager der Verfechter des «Früher war alles besser» hinausgeht.
Viele hatten die Ankunft von Tibits im «Buffet de la gare» akzeptiert oder sogar begrüsst. Das vegetarische Restaurant hatte den Ort modernisiert, ohne bisher dessen Seele zu beeinträchtigen.
Wie so oft fasst letztlich eine Karikatur die Absurdität der Situation am besten zusammen. In «24 heures» zeichnet Bénédicte einen Mann, der die abgenommenen Porträts wegträgt. Delamuraz sagt: «Puh, wir konnten das vegane Zeug nicht mehr sehen.»