Darum gehts
- Genf plant eine kantonale Krankenkasse mit 20 Prozent günstigeren Prämien ab 2028
- 26 Prozent der Genfer verzichten aus finanziellen Gründen auf medizinische Versorgung
- 38 Prozent der Bevölkerung profitieren – die Kosten für den Kanton: 713 Millionen Franken
Viele Familien ächzen unter den hohen Krankenkassenprämien. Am kommenden Dienstag verkündet Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) wohl den nächsten Anstieg.
Im Kanton Genf will der Staatsrat um Pierre Maudet (48) Gegensteuer geben und plant eine kantonale, öffentliche Krankenkasse. Diese soll Prämien anbieten, die 20 Prozent günstiger sind.
Dafür hat die Regierung zwei Ausschreibungen gestartet: Sie sucht einen Betreiber aus dem Gesundheitswesen und einen Verantwortlichen mit den erforderlichen versicherungstechnischen Kompetenzen. Die neue kantonale Krankenkasse könnte frühestens 2028 starten.
Vorbeugen und Koordination
Das Projekt, das inzwischen in «Caisse Santé Genève» umbenannt wurde, geht auf einen Vorstoss zurück, den Maudets Partei 2023 im Grossen Rat eingereicht hatte. Eine Expertengruppe unter dem Vorsitz des ehemaligen grünen Staatsratsmitglieds David Hiler (71) prüfte dies und kam im Januar 2025 zum Schluss, dass Einsparungen von 15 Prozent möglich sind, wenn das integrierte Versorgungsnetz gut funktioniert.
Um die Kosten zu senken, will der Staat auf Prävention und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen setzen. Kurz gesagt: Das alte Sprichwort «Vorbeugen ist besser als heilen» soll umgesetzt werden.
Eine bessere Koordination zwischen den Gesundheitsfachleuten soll es ermöglichen, «den explosionsartigen Anstieg der Krankenkassenprämien einzudämmen», so Pierre Maudet. Er erinnerte daran, dass sich diese «in Genf seit 1999 mehr als verdoppelt haben».
26 Prozent verzichten auf medizinische Versorgung
Die Leistungen der Caisse Santé Genève seien zudem von grosser Bedeutung für die Kantonsfinanzen, wie die Regierung in ihrer Medienmitteilung betont: «Mehr als 200’000 Personen, das heisst 38 Prozent der Genfer Bevölkerung, profitieren davon, wobei dem Kanton Gesamtkosten in der Höhe von 713 Millionen Franken entstehen.» Ein weiterer Grund zur Sorge in Genf ist laut dem Staatsrat, dass 26 Prozent der Genferinnen und Genfer angeben, aus finanziellen Gründen auf medizinische Versorgung zu verzichten. 2011 waren es noch 16 Prozent.
Bis Ende Jahr werden nun Angebote für die Ausschreibungen erwartet, anschliessend wird die Regierung entscheiden. In der Zwischenzeit werden die Genfer, wie der Rest der Schweizerinnen und Schweizer, bis Ende Monat erfahren, um wie viel ihre Prämien für das kommende Jahr steigen werden.