Kritik an Spitallöhnen
Wie Ärzte-Boni für mehr Kaiserschnitte sorgen

In manchen Spitälern können Chefärzte ihren Lohn mit unnötigen Operationen optimieren. Unter dem System leiden die Patientinnen und Patienten.
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Chefärzte verdienen oft mehr wie Bundesräte.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Chefärzte verdienen bis zu 850'000 Fr. im Universitätsspital Basel jährlich
  • 41 Prozent Kaiserschnitt-Rate im Kanton Glarus laut Obsan 2024
  • Inselspital Bern führte 2022 Fixlöhne für Kaderärzte ein
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Simone SteinerBundeshausredaktorin

Chefärzte verdienen happige Löhne. Im Universitätsspital Basel etwa verdienen die Topmediziner bis zu 850'000 Franken im Jahr, wie eine Recherche von Blick zeigt. Doch damit ist nicht genug: In einigen Spitälern erhalten die Mediziner neben ihrem Grundsalär auch variable Lohnbestandteile.

Dazu gehören zum Beispiel Honorare für die Behandlung von Privatpatienten, Boni und Vergütungen für ihre Tätigkeit als Uni-Professoren. «Diese zusätzlichen Lohnbestandteile können das Gehalt der Ärzte beträchtlich erhöhen», sagt der Gesundheitswissenschaftler Armin Gemperli (53) von der Universität Luzern zu Blick.

Vor allem das Bonussystem wurde wiederholt scharf kritisiert. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) etwa lehnt zielbezogene Bonusvereinbarungen in Spitalarztverträgen ab. Es sei empirisch belegt, dass sich «Pay for Performance» bei komplexen Tätigkeiten kontraproduktiv auswirken könne und die intrinsische Motivation beeinträchtige, schreibt sie in ihrem Positionspapier.

Im Zweifelsfall wird operiert

Von der Politik gerieten aber vor allem Vereinbarungen, die an Mengenziele geknüpft sind, unter Beschuss. Solche Boni verleiten Ärzte dazu, unnötige Leistungen zu erbringen: Weil das Geld lockt, wird im Zweifelsfall operiert.

Das Phänomen könne man laut dem Gesundheitswissenschaftler Gemperli etwa bei Kaiserschnitten beobachten. Laut Obsan wurden im Jahr 2024 im Kanton Glarus 41 Prozent der Entbindungen per Kaiserschnitt durchgeführt. In der Waadt waren es lediglich 25 Prozent. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 33 Prozent.

«Solche kantonalen Unterschiede lassen sich medizinisch nicht erklären», sagt Gemperli. Darum führt der Gesundheitswissenschaftler die Differenzen auf die finanziellen Anreize zurück. Bei einem Kaiserschnitt könnten die Ärzte mehr abrechnen als bei einer vaginalen Geburt. Hinzu komme, dass der Eingriff lukrativer sei, weil er besser planbar sei.

Wie Gemperli lehnt auch die FMH Bonusvereinbarungen ab, die an Mengenziele geknüpft sind. Ziel sei es nicht, möglichst viele Behandlungen durchzuführen, sondern die notwendigen Behandlungen in der erforderlichen Qualität zu erbringen.

Einige Spitäler haben Fixlöhne eingeführt

Aufgrund dieser Problematik haben einzelne Spitäler mengenabhängige Honorare bereits abgeschafft, wie Blick auf Anfrage erfuhr. Im Berner Inselspital etwa erhalten Kaderärzte seit 2022 Fixlöhne. Auch im Universitätsspital Zürich sowie im Kantonsspital Winterthur gibt es seit 2022 keine mengenabhängigen Boni mehr. 

In den Zürcher Spitälern bleibt aber ein kleiner variabler Lohnanteil von maximal 10 Prozent der Gesamtvergütung weiterhin erhalten. Dieser orientiert sich jedoch nicht an der Menge, sondern an Qualitäts- und Führungszielen.

Variable Lohnbestandteile für Kaderärzte gibt es auch in vielen anderen öffentlichen Spitälern – etwa bei den Solothurner Spitälern, dem Luzerner Kantonsspital oder dem Kantonsspital St. Gallen. 

Die Gefahr dabei: Patientinnen und Patienten könnten unnötig operiert werden – und die Gesundheitskosten steigen.

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