Darum gehts
- Guy Parmelin empfängt Polens Präsident Nawrocki auf Staatsbesuch in der Schweiz
- Highlight: Dampfschifffahrt und Gala mit Betonung auf historische Freundschaft
- Polen ist grösster Handelspartner Berns in Zentraleuropa, über 12'000 Exilsoldaten
Eine Seefahrt, die ist lustig! Das dachte sich wohl auch Bundespräsident Guy Parmelin (66) und lud vergangene Woche Polens Staatspräsident Karol Nawrocki (43) und dessen Gattin Marta Nawrocka (40) zum Abschluss des zweitägigen Staatsbesuchs auf das Dampfschiff «Savoie» ein. Die Fahrt auf dem Genfersee von Morges nach Chexbres ist auch für Parmelins Frau Caroline (63) eine willkommene Erfrischung – bei 31 Grad und nach einem bis auf die Minute durchgetakteten Staatsempfang.
Bei der Begrüssung des nationalkonservativen Präsidenten Nawrocki am Vortag wehen die Flaggen von Polen in den gleichen Farben wie jenen der Schweiz vor dem Bundeshaus – Rot-Weiss. Nawrocki und Bundespräsident Parmelin betonten in ihren Ansprachen die jahrhundertealte Freundschaft der beiden Länder.
Parmelin erinnerte etwa an den Zweiten Weltkrieg, als mehr als 12'000 polnische Soldaten Zuflucht in der Schweiz suchten. Heute ist Warschau der wichtigste Handelspartner Berns in Zentraleuropa. «Gute Beziehungen zu diesem Land zu pflegen, ist für die Schweiz wichtig», sagt SVP-Magistrat Parmelin.
Von Patek zu Kudelski
Während der militärischen Ehrung marschiert eine in zwei Reihen aufgestellte Truppe an den Kameras der polnischen Medien vorbei, die zahlreich vertreten sind. Kurz vor 15 Uhr überrascht die Schweizer Militärkapelle mit einer Interpretation von «Welcome to the Jungle», dem berühmten Titel von Guns N’ Roses, bevor sie die polnische und die Schweizer Nationalhymne spielt.
An beiden Tagen stehen polnische Persönlichkeiten im Mittelpunkt. An der Gala im «Bernerhof» erinnert der Bundespräsident daran, dass der Pole Antoni Patek eines der renommiertesten Schweizer Uhrenhäuser gegründet hat: Patek Philippe. «Polen ist ein wichtiger Produktions- und Forschungsstandort, der zur Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Konzerne beiträgt», betont Parmelin. «Unsere Unternehmen beschäftigen vor Ort junge und hoch qualifizierte Arbeitskräfte.»
Passend zu dieser Aussage besucht die Delegation, zu der unter anderem Aude Pugin (51) Chefin von Apco Technologies, sowie der Waadtländer Unternehmer und CEO André Kudelski (66) dessen Vater aus Polen stammt, die technische Hochschule EPFL in Lausanne. Hier zeigt der Wirtschaftsminister seinem Amtskollegen, wie polnische Studierende in Lausanne ausgebildet werden.
«Zersplitterung Europas entgegenwirken»
Im Paderewski-Museum in Morges begegnet der Gast aus Polen der Geschichte von Ignacy Jan Paderewski. Der weltberühmte Pianist und polnische Ministerpräsident fand in der Stadt am Genfersee sein Exil und lenkte von hier aus vor 90 Jahren den Widerstand Polens.
«Der Besuch des polnischen Präsidenten kam zum richtigen Zeitpunkt, da es unerlässlich ist, einer Zersplitterung Europas entgegenzuwirken», bilanziert Parmelin. Es gehe darum, sich einen verlässlichen Verbündeten im Herzen Europas zu sichern. Um diese Verbundenheit gebührend zu begiessen, lädt Weinbauer Parmelin seinen Gast in den Weinkeller der Brüder Bovy aus dem 16. Jahrhundert ein. Santé und na zdrowie!
Bearbeitung: Jessica Pfister