Darum gehts
- Armasuisse meldet Fortschritte bei F-35-Geschäften: 73 Prozent Kompensationsziel erwartet
- Lockheed-Martin-Aufträge stärken Schweizer Wirtschaft, übertreffen Vorgabe um 13 Prozentpunkte
- Durch neues Know-how im Land soll die Sicherheit der Schweiz gestärkt werden
Es kommt allzu selten vor, dass das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) gute Nachrichten verkünden kann. Immer wieder machen Rüstungsbeschaffungen Ärger. Dass sich der vermeintliche Fixpreis für den US-Kampfjet F-35 in Luft aufgelöst hatte und die Schweiz deswegen weniger Flieger bestellen kann, ist nur ein Beispiel.
Umso mehr schien sich Rüstungschef Urs Loher (59) zu freuen, am Dienstag vor den Medien endlich auch einmal erfreuliche Zahlen zum Tarnkappenjet präsentieren zu dürfen. Denn bei den vorgegebenen Gegengeschäften zur Teilkompensation des 6-Milliarden-Projekts ist der Bund gemeinsam mit Lockheed Martin auf gutem Weg.
Vorgaben werden übertroffen
Für 60 Prozent des Auftragsvolumens muss der US-Hersteller Aufträge in der Schweiz vergeben. So war es 2020 im Abstimmungsbüchlein zu lesen. Solche Gegengeschäfte sollen der Schweizer Wirtschaft Aufträge und damit Arbeitsplätze und Steuererträge sichern.
So sollen von Unternehmen in der Schweiz beispielsweise Halbleiter, synthetische Treibstoffe, Komponenten der Cockpithaube oder auch Trainingsmunition für den US-Flieger entwickelt und hergestellt werden. Hinzu kommt unter anderem ein Trainingslager für die Ausbildung am F-35-Triebwerk.
Die Vorgaben aus der Abstimmungsvorlage sollen dabei sogar deutlich übertroffen werden, frohlockten Loher und Patrick Nyfeler von Lockheed Martin. Wenn alle Vorhaben in trockenen Tüchern sind, würden Gegengeschäfte im Umfang von 73 Prozent des Kaufvertrags erreicht – 13 Prozentpunkte mehr als die Vorgabe.
Auch die regionalen Ziele würden klar übertroffen: So liege in der Romandie der erwartete Anteil rund 40 Prozent über der Vorgabe, im Tessin werde das Ziel wohl sogar um rund 140 Prozent übererfüllt.
Know-how stärke Sicherheit der Schweiz
Rüstungschef Loher geht es aber nicht nur um Arbeitsplätze und Steuererträge. Mit dem Know-how, das mit den Aufträgen in der Schweiz aufgebaut werden könne, würden die Fähigkeiten zur Selbstversorgung und damit zur Verteidigungsfähigkeit gestärkt. Abhängigkeiten könnten abgebaut werden, zeigte sich Loher überzeugt.
Ziel soll es darüber hinaus sein, dass die Schweiz diese Rüstungsprodukte nicht nur für die eigenen rund 30 F-35-Flieger nutzen, sondern dann auch an weitere Staaten exportieren kann. «Wir wollen diese Gegengeschäfte möglichst nachhaltig gestalten», betonte Loher. Er gab aber auch zu bedenken, dass die Schweiz dazu im November das Kriegsmaterialgesetz an der Urne lockern müsse.