Darum gehts
- Nina Fehr Düsel behält Doktortitel trotz Plagiatsvorwürfen, Uni Zürich entscheidet am Mittwoch
- 44 Verstösse gegen Wissenschaftsregeln, davon 17 als Plagiate eingestuft
- Doktorarbeit umfasst 220 Seiten und 734 Fussnoten, Fehler korrigiert
Für die Zürcher SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel (45) endet ein unangenehmes Kapitel. Seit Ende 2023 stand ein Plagiatsvorwurf gegen sie im Raum. Nicht ganz zu Unrecht, wie sich nun zeigt. Konsequenzen aber hat dies für die Juristin keine.
Ein Gutachten kommt zum Schluss, dass ihre Doktorarbeit an 44 Stellen einen Verstoss gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis enthält, etwa unsaubere Zitierweisen. Bei weiteren 17 Textstellen soll es sich um Plagiate handeln, also abgeschriebene Passagen. Dies teilte die Uni Zürich am Mittwoch mit.
Ein «mittelschweres Verschulden»
Die Uni schreibt von einem «mittelschweren Verschulden». Das Fehlverhalten sei keineswegs zu bagatellisieren. Es gehe nicht nur um vereinzelte Flüchtigkeitsfehler, sondern um mehrere, teilweise erhebliche unzulässige Übernahmen.
Dennoch sei die Doktorarbeit als Ganzes nach wie vor eine eigenständige und promotionswürdige Arbeit. Deshalb verzichtet die Universität darauf, Fehr Düsel ihren Doktortitel abzuerkennen. Die festgestellten Mängel würden einen solchen Schritt nicht rechtfertigen.
In einer Stellungnahme räumt Fehr Düsel ein, dass ihr einige Fehler passiert seien. Sie will diese aber als nicht gravierend erkennen. Betroffen seien überwiegend Randteile und Fussnoten, betont sie auf ihrer Website.
Es gehe etwa um einzelne Sätze, die sie deshalb nicht mit einer Quelle in einer Fussnote belegt habe, weil sie diese als versicherungsrechtliches Allgemeinwissen wahrgenommen habe. Teilweise habe sie irrtümlicherweise andere Quellen angegeben und zudem «zu grosszügig» zitiert.
Eine «hinterhältige Intrige»
«Ich ärgere mich darüber», schreibt sie weiter. Die kritisierten Stellen seien mittlerweile korrigiert. Dass bei einem 220-seitigen Werk mit 734 Fussnoten einzelne Fehler vorkämen, sei aber klar. Es gebe wohl nicht allzu viele wissenschaftliche Arbeiten, in denen es überhaupt keine Fehler gebe.
Fehr Düsel bezeichnet das Ganze als «hinterhältige Intrige». Nach wie vor beschäftige sie die Frage, wer hinter der anonymen Anzeige steckt, die das Verfahren in Gang gebracht hatte. Diese war nur einen Tag nach ihrer Wahl 2023 in den Nationalrat eingereicht worden. «Wer mochte mir die Wahl in den Nationalrat so sehr nicht gönnen?», fragt sich Fehr Düsel und bittet um Hinweise, falls jemand eine Idee habe, wer hinter der Anzeige stecken könnte.