Darum gehts
- Schweizer Institut schlägt Bürgerwehr vor, ähnlich wie bestehende europäische Heimwehren
- Schweden Hemvärnet umfasst 22'000 Freiwillige, mit Ausrüstung zu Hause gelagert
- Norwegen Heimevernet zählt 45'000 Soldaten, sichert Infrastruktur und Krisenhilfe
Eine bewaffnete Bürgerwehr aus Freiwilligen, die die reguläre Schweizer Armee im Ernstfall unterstützen? Es ist ein überraschender Vorschlag, mit dem das Schweizer Institut für Globale Angelegenheiten (Siga) die Landesverteidigung stärken will.
Kürzlich hat der Bundesrat seine neue sicherheitspolitische Strategie vorgestellt. Ein zentraler Punkt: Die Bevölkerung soll auf die neue Bedrohungslage eingeschworen werden – eine neue Form der geistigen Landesverteidigung aus dem Zweiten Weltkrieg.
Mit ihrem Vorschlag für eine sogenannte Heimwehr aus Freiwilligenverbänden knüpft die Denkfabrik hier an. «Bürger engagieren sich dort in ihrer Freizeit militärisch und unterstützen die Landesverteidigung, was den gesellschaftlichen Verteidigungswillen stärkt», argumentiert sie.
Tatsächlich gibt es aber schon heute einige europäische Staaten, die über sogenannte Heimwehren mit Freiwilligen verfügen. Verbreitet sind sie gerade rund um die Ostsee. Ein Überblick.
Die «Hemvärnet» ist als Reserveeinheit Bestandteil der Armee. Rund 22'000 Freiwillige überwachen das schwedische Territorium und unterstützen die Bevölkerung in Krisen wie Naturkatastrophen. Sie lagern ihre persönliche Ausrüstung zu Hause, um eine hohe Bereitschaft zu gewährleisten. Gerade seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs soll der Zulauf gestiegen sein.
Wie Schweden verfügt Norwegen neben der regulären Armee über Freiwilligenverbände mit rund 45'000 Soldaten. Sie sichern kritische Infrastruktur und helfen bei Naturkatastrophen oder anderen Notfällen. Die «Heimevernet» setzt sich vorab aus Zivilisten zusammen, die eine Erstausbildung absolvieren.
Die «Hjemmeværnet» übernimmt Aufgaben bei Überwachung und Sicherung. Die freiwilligen Reservisten unterstützen damit Armee und Polizei und helfen auch bei Grenzkontrollen und Katastrophenschutz.
Russlands Nachbar hat durch seine allgemeine Wehrpflicht eine sehr starke Reserve, die ähnlich wie eine Heimwehr organisiert ist. Ihre Mitglieder können bis 65 Jahre reaktiviert werden, was die Bevölkerung stark in die Landesverteidigung einbindet.
Der estnische «Kaitseliit» ist eine paramilitärische Freiwilligenorganisation mit rund 22'000 bewaffneten Zivilisten. Sie unterstützt die reguläre Armee und kann im Krisenfall für einfache Aufgaben mobilisiert werden. Auch mit Polizei und Grenzschutz wird eng zusammengearbeitet.
Die «Zemessardze» besteht aus freiwilligen Bürgern, die ihre Freizeit für die Verteidigung des Landes und der Gesellschaft einsetzen. 1991 gegründet, unterstützt sie die Streitkräfte bei der Landesverteidigung, hilft aber auch bei Katastrophen, bei Brandbekämpfung, im Rettungsdienst oder bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.
Die litauische Schützenunion «Lietuvos šaulių sąjunga» besteht aus Freiwilligen, die als Teil der Landesverteidigung dienen und die Verbindung zwischen Militär und Zivilgesellschaft stärken sollen.
Mit der «Wojska Obrony Terytorialnej» verfügt auch Polen über eine Heimwehr. Die Freiwilligen werden neben ihrem zivilen Leben militärisch ausgebildet. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs verzeichneten die Verbände auch hier starken Zulauf.