Darum gehts
- Ein Cadillac Fleetwood von 1960 steht für 90'000 Franken zum Verkauf
- Das Auto gehörte einst dem US-Botschafter in der Schweiz
- Der Wagen war bereits während der Kubakrise im Einsatz
Baujahr: 1960, Farbe: Schwarz, Preis: knapp 90'000 Franken. Auf AutoScout24 ist aktuell ein Inserat für einen Cadillac Fleetwood aus den 1960er-Jahren aufgeschaltet. Dabei handelt es sich jedoch nicht einfach um irgendeinen Cadillac. Es ist derjenige eines früheren US-Botschafters. Ja, in diesem Gefährt wurde Anfang der Sechzigerjahre Washingtons Vertreter durch die Schweiz kutschiert!
Heute steht der Wagen in der Oldtimer-Garage von Edy Leemann (35) in Eglisau ZH. Alte Fahrzeugdokumente und die Berichte von Zwischenhändlern lassen zumindest in groben Zügen nachvollziehen, welchen Weg der Cadillac seither hinter sich hat. Blick hat mit Leemann gesprochen und die Geschichte des besonderen Autos rekonstruiert.
Zeitzeuge der Kubakrise
Als der Caddy im diplomatischen Dienst stand, war ein gewisser Robert M. McKinney (1910–2001) US-Botschafter in der Schweiz. Damit war er die direkte Verbindung zwischen dem Bundesrat und Präsident John F. Kennedy (1917–1963). McKinney war es auch, der dem Bundesrat das Manuskript von Kennedys berühmter Rede zur Kubakrise vorab überbrachte. Ob die entsprechenden Dokumente damals im Cadillac mitfuhren, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.
McKinneys diplomatischer Aufenthalt in der Schweiz war von kurzer Dauer. Nach nur zwei Jahren in der Villa Blumenrain in Bern, wo sich damals die amerikanische Botschaft befand, kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück.
Ebenso kurz war der Einsatz seines Cadillacs: Nur drei Jahre nach seiner Fertigstellung und mit gerade einmal 18'000 Kilometern auf dem Zähler wurde die Limousine weiterverkauft. Für 15'500 Franken erstand ein Ehepaar aus La Chaux-de-Fonds NE den Wagen (inflationsbereinigt wären das heute über 60'000 Franken).
Das Ehepaar nutzte das Fahrzeug offenbar nur gelegentlich. In den 50 Jahren, in denen es den Wagen besass, kamen im Schnitt knapp 1000 Kilometer pro Jahr hinzu. «Nach dem Tod ihres Mannes konnte sich die Frau einfach nicht von dem Auto trennen. Obwohl sie es nie fuhr, hat sie es jahrelang nicht verkauft», erzählt Edy Leemann. Er selbst habe die Vorbesitzerin nie getroffen, doch die Geschichten, die ihm der Zwischenhändler erzählte, seien ihm lebhaft in Erinnerung geblieben.
Von der Diplomatenkarosse zum Hochzeitsauto
Leemann entdeckte das Auto im Internet. «Ich sah das Inserat, und der Fall war klar: Ich musste es haben.» Inzwischen verbindet auch er schöne Erinnerungen mit dem ehemaligen Botschafts-Schlitten. So durfte er bei einer Hochzeit im Zürcher Hallenstadion mit dem Cadillac einfahren. «Das Licht und die Musik waren darauf abgestimmt. Alle Blicke waren auf den Cadillac gerichtet», erinnert sich Leemann. Mit dem Oldtimer durfte er das Brautpaar bis an den roten Teppich kutschieren. Der Cadillac ist also auch seinem jetzigen Besitzer ans Herz gewachsen.
Von der Botschaftsvergangenheit des Caddys ist heute nicht mehr viel zu sehen. Für die damalige Zeit sei die technische Ausstattung aber auf einem sehr hohen Niveau gewesen, erklärt Leemann: «Das Auto hat elektrische Fenster und schaltet bei Gegenverkehr automatisch das Fernlicht aus. Das war damals der Rolls-Royce von Amerika.»
Auf das aktuelle Inserat haben sich bereits einzelne Interessenten gemeldet. Einmal war das Auto sogar fast verkauft. Der Käufer zog sein Angebot jedoch im letzten Moment zurück. Somit wartet der Edel-Oldtimer nach wie vor auf einen neuen Besitzer.