Darum gehts
- SVP-Nationalrat Andreas Glarner tritt Ende 2026 mit 64 Jahren zurück
- Er provozierte mit Aktionen wie Fake-Videos und persönlichen Diffamierungen
- 2019 veröffentlichte er persönliche Daten einer Lehrerin, die daraufhin übel beschimpft wurde
Er macht Platz für Jüngere: Mit bald 64 Jahren tritt SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf Ende Jahr aus dem Nationalrat zurück. Das gab der Aargauer am Mittwochabend bekannt.
Damit geht im Dezember eine der schillerndsten Politkarrieren des Landes zu Ende. Niemand provozierte in Bundesbern so sehr wie Glarner. Die Schlagzeilen waren ihm gewiss. Ebenso die Kritik: Seine Gegner sehen ihn als Mann, der mit Diffamierungen die Grenzen von Anstand und Würde mehrfach verletzt hat. Seine Fans lieben ihn dagegen für seine unverblümten Worte. Das Parlament musste schon entscheiden, ob Glarners Immunität aufgehoben werden soll.
Das ist die Liste von Aktionen, mit denen Glarner provozierte, polarisierte, spaltete und verletzte:
Lehrerin an den Pranger gestellt
2019 veröffentlichte Glarner Namen, Mail-Adresse und Handynummer einer Lehrerin auf Facebook. Sie hatte Eltern darauf hingewiesen, dass die Kinder für das muslimische Zuckerfest am Ende des Fastenmonats Ramadan schulfrei bekämen. «Vielleicht möchte jemand der Lehrerin mitteilen, was man davon hält», forderte er seine Anhänger auf, sich bei der Frau zu melden. Die Frau wurde daraufhin per Telefonat und Mail so übel beschimpft, dass sie sich vorübergehend aus dem Schulbetrieb zurückzog.
Fake-Video und Beleidigung von Nationalratskollegin
Mit einem Deepfake-Video liess Glarner 2023 Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan für die SVP werben. «Ich will, dass alle kriminellen Türken ausgeschafft werden», liess er die künstlich generierte Politikerin im Video verlauten. Inzwischen wurde deshalb Glarners parlamentarische Immunität aufgehoben, ein Verfahren läuft, er wurde von der Staatsanwaltschaft einvernommen. Bereits 2020 hatte Glarner die Basler Grünen-Politikerin als «Arschlan» beleidigt. Er betonte, dies sei ein Versprecher gewesen.
«Aarau oder Ankara»
Bei den Nationalratswahlen 2007 und 2015 provozierte Glarner: 2007 stand auf den Plakaten «Aarau oder Ankara» sowie «Baden oder Bagdad». 2015 war zu lesen: «Kopf hoch statt Kopf ab».
Zoff um Asylsuchende
Glarner war auch Gemeindeammann von Oberwil-Lieli AG. Die Gemeinde weigerte sich über Jahre, Asylsuchende aufzunehmen und wurde vom Kanton Aargau zu Strafzahlungen verdonnert. Darüber gab es mehrere Kontroversen, sogar deutsche Fernsehsender reisten in den Aargau.
Cervelat-Gate und Namenspranger
2018 hatte Glarner die Liste einer Schulklasse veröffentlicht, auf der nur ein Mädchen einen schweizerisch klingenden Namen hatte. Er schrieb, die Schülerin dürfe wohl keinen Cervelat mitbringen. Die Schule hatte zuvor empfohlen, kein Schweinefleisch an die Abschlussfeier mitzunehmen. 2020 wiederum postete er ein Bild, in dem der Discounter Aldi seinen Lehrlingen gratulierte, die keine schweizerisch klingenden Namen hatten.
Der «Gaga-Rechtsextremist»
Der Journalist Hansi Voigt bezeichnete Glarner als «Gaga-Rechtsextremisten». Glarner, der sonst gerne austeilt, wollte dies nicht auf sich sitzen lassen und reichte Anzeige ein. Pranger-Politiker Glarner steht selbst nicht so gerne am Pranger. Die Anzeige blieb erfolglos: Der Journalist wurde freigesprochen. Er konnte den gewählten Begriff laut Gericht mit Glarners «Taten» hinreichend begründen.
Kopfprämie auf Sozialhilfebezüger ausgesetzt
2013 bot Glarner 1000 Franken, wenn ihm der Name eines Sozialhilfebezügers genannt werde, der sich laut damaligen Medienberichten jahrelang geweigert hatte, eine Stelle anzunehmen. Glarner bot dem Mann eine Stelle an und setzte ihn unter Druck: Würde er diese nicht annehmen, veröffentliche er den Namen.