Blick-Community diskutiert, ob eine Frau mit Kleinkindern in die Landesregierung passt
«Mit Kleinkindern in den Bundesrat – wirklich?»

Céline Amaudruz (47) wird als Nachfolgerin von Guy Parmelin (66) gehandelt. Die Genfer SVP-Nationalrätin ist Mutter von zwei kleinen Töchtern. In Bern wird heiss diskutiert: Ist ein Bundesratsamt mit kleinen Kindern vereinbar? Auch die Blick-Community debattiert lebhaft.
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Céline Amaudruz hat Ambitionen auf das Bundesratsamt.
Foto: Jean-Guy Python

Céline Amaudruz denkt «ernsthaft» über eine Bundesratskandidatur nach. Als Welsche hat sie gute Chancen, weil Romand Guy Parmelin abtritt und die Westschweiz gern weiterhin zwei Sitze in der Regierung hätte. Amaudruz hat eine dreijährige und eine einjährige Tochter. Ist das vereinbar mit einem Bundesrats-Job?

Im Voting der Userinnen und User halten sich Pro und Contra fast die Waage. In den Kommentaren überwiegen leicht die kritischen Stimmen – doch viele Leserinnen und Leser betonen auch: Entscheidend müsse die Qualifikation sein, nicht das Familienmodell.

Lina Schwarz schreibt: «Ich bezweifle ihre Fähigkeiten für dieses Amt auf keinen Fall. Aber die Bedürfnisse von so kleinen Kindern sollten doch bitte auch gesehen werden.» Eine Fremdbetreuung zugunsten der Karriere solle nicht einfach als modern und normal gelten.

«Wohl von Kleinkindern geht unter»

Auch Theo Meier sieht eine schwierige Abwägung. «Natürlich kann eine Mutter kleiner Kinder Bundesrätin werden – die politische Gleichstellung ist ein Gewinn.» Trotzdem gehe die Perspektive der Kinder in der Debatte oft vergessen. Ein Bundesratsmandat sei «kein normaler Job, sondern eine 80-Stunden-Woche unter Dauerstrom».

Rolf Spieler hält die Vorstellung für unrealistisch, das Bundesratsamt lasse sich neben kleinen Kindern einfach organisieren: «Bundesrat als Nebenjob? Wirklich?» Die Person arbeite mindestens 60 Stunden pro Woche, habe keine fixen freien Wochenenden und müsse ein Departement mit weit über tausend Mitarbeitenden führen. Sein Fazit: «Das passt hier definitiv nicht.»

Andreas Forrer befürchtet, «dass das Wohl von Kleinkindern dabei im Zeitgeist untergeht». Gerade bei Topjobs spielten Mutter und Vater für die Entwicklung kleiner Kinder eine zentrale Rolle.

«Dann muss halt ihr Mann kürzertreten»

Andere Leserinnen und Leser widersprechen deutlich. Ruedy Baarfuss stört sich daran, dass solche Fragen bei Frauen schneller gestellt werden als bei Männern. «Hauptsache, sie bringt das fachliche Rüstzeug mit. Das tut sie. Alles andere wird bei männlichen Kollegen nicht nachgefragt.» Von allen bisher genannten Kandidatinnen und Kandidaten sei Amaudruz «schlicht die Beste».

Ähnlich sieht es Michael Urech: «Das mit den Kindern ist Privatsache. Wir brauchen eine fähige Person.» Jean-Claude Hügli findet, entscheidend sei, ob Amaudruz das Amt übernehmen wolle und welche politischen und fachlichen Qualifikationen sie mitbringe. «Ihre Mutterschaft allein sagt darüber nichts aus.»

Eva Betschart schreibt, ihr sei es egal, ob eine künftige Bundesrätin kleine Kinder habe: «Wenn sie dies gut organisieren kann und kompetent ihr Departement führt.» Das Familienbild funktioniere heute anders.

Ralf Neumann bringt es kurz auf den Punkt: «Es ist egal ob Mann oder Frau. Es sollte jemand sein, der hervorragend qualifiziert ist.» Adelbert Birrer findet: Wenn Amaudruz die Chance habe, Bundesrätin zu werden, «dann muss halt ihr Mann kürzertreten und die Vaterrolle übernehmen».

«Parlament befindet sich nicht im Kloster»

Skeptisch bleibt dagegen Margrit Voegelin. Als Bundesrat brauche es eine Person, «die den Job zu 100 Prozent ausübt». Mit Kleinkindern sei das für sie «absolut unmöglich». Auch Manfred Weiss schreibt: «In so einem Amt hat man zu wenig Zeit für Kinder.»

Thomas Schatzmann hält dagegen, das Bild vom Bundesrat, der von morgens bis abends im Büro sitzt, sei veraltet. Gute Organisation erlaube auch Zeit für Kinder. Entscheidend seien Delegieren und Koordinieren: «Alles zu wissen und dann zu befehlen, war gestern.»

Hans W. Künzle findet die Grundsatzfrage ohnehin falsch gestellt: «Natürlich kann eine Frau mit Kindern ihrer Arbeit oder einem Amt nachgehen. Sofern sie sich das selbst zumutet.» Sein Fazit: «Das Parlament befindet sich im Bundeshaus und nicht im Kloster.»

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