Darum gehts
- In Prilly VD wurde Claudia Castro ungewollt in den Gemeinderat gewählt
- Sie unterschrieb im Januar 2026 eine Petition und wurde nominiert
- Mit 663 Stimmen gewann sie, trotz nicht geplanter Kandidatur
In Prilly VD ist die Aufregung gross. Bei den letzten Gemeinderatswahlen waren Joel und Claudia Castro, ein Garagenbesitzerpaar, aufgestellt. Nur sie wollten eigentlich gar nicht kandidieren.
Sie hätten lediglich eine Petition für den Erhalt von Parkplätzen im Januar 2026 unterzeichnet, sagten die beiden. Zwei Monate später entdeckten sie jedoch ihre Namen und Gesichter auf der Liste der FDP für den Gemeinderat.
Claudia Castro wurde sogar mit fast 700 Stimmen gewählt, ohne jemals kandidieren zu wollen.
Claudia Castro, die Diskussionen drehen sich um Naivität oder Betrug. Haben Sie verstanden, was Sie da unterschrieben haben?
Claudia Castro: In dem Moment nicht. Die Umstände waren etwas unglücklich: viele Kunden, das Telefon klingelte, ich konnte nicht lange nachdenken. Als Tony (Capuano, FDP-Kandidat für den Stadtrat, Anm. d. Red.) mit mir über Parkplätze sprach, habe ich schon zugehört, weil mir das Thema am Herzen liegt. Im Nachhinein finde ich, dass ich damals trotzdem nicht genug Informationen über die Verpflichtung, die ich mit meiner Unterschrift eingegangen bin, erhalten habe. Es ging so schnell, es war nicht klar genug formuliert und die Diskussion drehte sich ausschliesslich um die Parkplätze. Aber ich will niemanden beschuldigen: Vielleicht wurden mir die Informationen vermittelt, unter den Umständen sind sie aber verloren gegangen.
Wann haben Sie es verstanden?
Sobald ich die Liste erhalten habe. Ich muss zugeben, dass ich es anfangs auf die leichte Schulter genommen habe. Nicht nur, dass ich nie damit gerechnet hatte, gewählt zu werden, ich musste mich zu dem Zeitpunkt auf mein Privatleben konzentrieren. Mein Sohn hatte gesundheitliche Probleme und ich hatte andere Prioritäten. Als sie wegen der Fotos kamen, sagte mir Tony zwar, dass es um die Liste ginge, aber ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Es war wirklich eine Überraschung am Wahltag!
Wie haben Sie reagiert, als Sie von Ihrer Wahl erfuhren?
Ein bisschen Wut über die Art und Weise, wie es passiert ist, ja. Aber inzwischen hat mir die FDP einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Ausserdem war ich gerührt, dass 663 Menschen für mich gestimmt haben und dass diese Menschen an mich glauben.
Was denken Sie über die Berichterstattung in den Medien, die seither stattfindet?
Ich verstehe nicht, warum das so ein Ausmass angenommen hat. Ich versuche, zu verstehen, wie es dazu kam. RTS hat meine Aussagen nicht verdreht, aber ich wollte nicht, dass die Sache so gross wird. Ich habe Angst, dass unsere Werkstatt deswegen Kunden verliert.
Jeder stellt sich die Frage: Steckt Ihrer Meinung nach die Linke in Prilly dahinter?
Ja, ich denke, dass es von einer anderen Partei kommt. Aber ich weiss ehrlich gesagt nicht, welche. Ich möchte niemanden beschuldigen. Ich muss zugeben, dass ich sehr wenig über Politik weiss.
Was werden Sie jetzt tun?
Jetzt, da ich hier bin, werde ich in der FDP bleiben. Ich glaube an ihre Werte und Ideen. Ich werde in den Gemeinderat gehen.