Darum gehts
- Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt könnten bis zu 80 Jahre betrieben werden
- Bundesrat hält finanzielle Förderung für unnötig, Investitionen durch Strompreise tragbar
- Beznau 1 und 2 gehen 2032 und 2033 vom Netz, Mühleberg stillgelegt
Die Debatte über Kernkraftwerke in der Schweiz läuft heiss: Das Parlament diskutiert derzeit über die sogenannte Blackout-Initiative und den Gegenvorschlag von Energieminister Albert Rösti (58) – dieser will den Bau von neuen Atomkraftwerken wieder möglich machen. Just in dieser Phase veröffentlicht der Bundesrat einen brisanten Bericht.
Der ehemalige FDP-Präsident Thierry Burkart (50) will vom Bundesrat wissen, was es braucht, damit Kernkraftwerke länger laufen können und welche Investitionen und finanzielle Anreize es dafür braucht.
Finanzielle Förderung derzeit nicht notwendig
Der Bericht aus Röstis Departement zeigt auf: Die Kernkraftwerke könnten länger laufen als gedacht. Ein 80-jähriger Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt sei technisch möglich und in den allermeisten Fällen auch wirtschaftlich.
Finanzspritzen lehnt der Bundesrat aber ab. «Eine finanzielle Förderung des Langzeitbetriebs erachtet die Landesregierung derzeit als nicht notwendig.» Die Investitionen in die technische Nachrüstung dürften sich wirtschaftlich dank des Strompreises voraussichtlich lohnen.
«Der Bericht hält fest, dass der Weiterbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke zusammen mit einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien und die Versorgungssicherheit deutlich verbessern kann», heisst es in der Medienmitteilung.
Bislang gilt: Ein fixes Ausstiegsdatum für die vier noch laufenden Atomkraftwerke Beznau 1 und 2, Gösgen und Leibstadt gibt es nicht. Sie dürfen so lange betrieben werden, wie sie als sicher eingestuft werden.
Alle Augen auf Gösgen und Leibstadt
Nur: Der Energiekonzern Axpo hat bereits verkündet, dass das Kernkraftwerk Beznau 2 nur noch bis 2032 und Beznau 1 bis 2033 am Netz bleiben. Das Atomkraftwerk Mühleberg ist bereits ausser Betrieb.
Die Augen richten sich deshalb auf Gösgen und Leibstadt. Ersteres ist bereits seit 1979 im Betrieb, Leibstadt folgte fünf Jahre später. Beide sind auf rund 60 Jahre Betrieb ausgelegt. Für eine allfällige Verlängerung bräuchte es wohl einen Entscheid in den nächsten Monaten, denn sowohl ein Rückbau als auch einen längeren Betrieb braucht eine lange Vorlaufszeit.
Die Axpo – der grösste Aktionär des Kernkraftwerk Leibstadt – will den Bericht nun analysieren. «Wir begrüssen, dass der Bundesrat die zentrale Bedeutung von stabilen regulatorischen Rahmenbedingungen und damit einer Risikoteilung zwischen Betreiber und Bund für den längeren Betrieb der bestehenden Kernkraftwerke anerkennt.» Sie verweisen auf eigene Berechnungen, die zeigen, dass ein längerer Betrieb der bestehenden Kernkraftwerke die günstige Option für grosse Mengen an Winterenergie wäre, und der Schweiz Zeit verschafft für den Ausbau der anderen Technologien.
Kritisch ist Marionna Schlatter (45) von den Grünen: «Der Langzeitbetrieb ist gefährlich und eine massive Fehlinvestition. Der Weiterbetrieb dieser Uralt-Reaktoren verschlingt Milliarden, die uns dann für den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien fehlen.»
Derweil geht im Parlament die Diskussion über neue Kernkraftwerke weiter. Der Ständerat hat dem Gegenvorschlag bereits zugestimmt, auch die zuständige Nationalratskommission ist dafür. Im Juni entscheidet die grosse Kammer.