Bern wegen Patriot-Fiasko sauer auf USA – kommt jetzt die Rüstung aus Europa?
Schweiz prüft europäische Luftabwehr

Bern prüft angesichts massiver Patriot-Verzögerungen Alternativen zur US-Rüstung. Der Bund signalisiert, bei der Luftverteidigung stärker auf europäische Interoperabilität zu setzen.
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Das US-Luftabwehrraketensystem Patriot – von der Schweiz bestellt und bezahlt, von den USA nicht geliefert.
Foto: vbs

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Patriot-Lieferung aus den USA um mindestens fünf Jahre auf 2032 verschoben
  • 2,3 Milliarden Franken für fünf Patriot-Systeme bereits bezahlt

  • Schweiz erwägt laut Sepos europäische Alternative zur US-Luftabwehr
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Sepos, das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik, ist für viele Offiziere vor allem eines: ein Wasserkopf in Bern, der spart, verzögert – und die Risiken der Truppe überlässt. Doch jetzt macht Sepos-Chef Markus Mäder (54) eine Ansage mit Zündstoff, die aufhorchen lässt.

Die USA liefern bezahlte Patriot-Flugabwehrsysteme mit mindestens fünf Jahren Verzögerung. Jetzt prüft Bern offenbar Alternativen zu US-Systemen und will im Bereich der Luftverteidigung stärker auf europäische Interoperabilität setzen: «Wir wollen mit unserer Umgebung interoperabel sein, und das ist Europa.», so Mäder im Gespräch mit der «Financial Times»

Es war ein Milliarden-Deal, der Sicherheit garantieren sollte: 2022 bestellte die Schweiz fünf Patriot-Luftabwehrsysteme beim amerikanischen Rüstungskonzern Raytheon — für rund 2,3 Milliarden Franken. Lieferung versprochen: 2027 und 2028. Doch daraus wird nichts. Die neue Prognose lautet: frühestens 2032. Fünf Jahre Verspätung bei einem zentralen Sicherheitsprojekt — für Bern ein Affront.

Europäische Alternative

Die Rechnung: Die Schweiz hat bezahlt. Raytheon liefert nicht. Und wann genau — das weiss im Moment niemand mit Sicherheit. Hinter den Kulissen wächst deshalb der Druck, sich nach Alternativen umzusehen. Sicherheitsstaatssekretär Markus Mäder macht inzwischen ungewöhnlich offen deutlich, worum es geht.

Im Rahmen der Suche nach einem zweiten System erhielt die Schweiz inzwischen Rückmeldungen von Frankreich, Deutschland, Israel und Südkorea. Jetzt ordnet Mäder klar ein: «Wenn ein Pferd nicht schnell genug ist — dann suchen wir ein zweites Pferd», zitiert ihn die «Financial Times».

Das zweite Pferd hat einen Namen: SAMP/T NG, das französisch-italienische Luftabwehrsystem von MBDA, Thales und Leonardo. Dänemark hat es bereits bestellt, erste Lieferungen an Frankreich und Italien sollen noch dieses Jahr erfolgen. Für die Schweiz wäre ein Kauf ein klares Signal — weg von der Abhängigkeit von Washington, hin zu europäischer Verteidigungsarchitektur.

F-35-Dilemma

Die Patriot-Verzögerung ist nicht das einzige, was in Bern für Verdruss sorgt. Auch beim Milliarden-Deal für die amerikanischen F-35-Kampfjets läuft es nicht rund: Die Schweizer Regierung hatte einen Fixpreis erwartet — doch die Kosten stiegen. Das löste heftige politische Kritik aus und hinterliess eine unbequeme Frage: Wie verlässlich sind Rüstungsdeals mit den USA noch?

Die erste Schweizer F-35A ist in den USA in der Produktion, wie das Fachportal Forces News meldet. Die Auslieferung der ersten Jets ist ab Mitte 2027 für die Pilotenausbildung in Arkansas geplant, die ersten Maschinen in der Schweiz sollen ab Mitte 2028 eintreffen.

Parallel bleibt das Beschaffungsprogramm politisch und finanziell unter Druck, weil Bern wegen höherer Kosten und Inflation statt 36 wohl nur noch rund 30 Flugzeuge kaufen will, um im Budgetrahmen zu bleiben.

Schweiz «Teil der europäischen Sicherheit»

Mindestens fünf Jahre Verzögerung und drohende Kostenüberschreitungen bei den Patriots sowie F-35-Fixpreis-Ärger: eines der grössten US-Rüstungsprojekte Europas unter Druck. Die neutrale Schweiz, jahrzehntelang verlässlicher Käufer amerikanischer Systeme, denkt plötzlich europäisch — nicht aus Ideologie, sondern aus Frust.

Obwohl die Schweiz weder der Nato noch der EU angehört, wolle Bern die Verteidigungszusammenarbeit und Interoperabilität mit den Nachbarländern vertiefen, so Mäder. Die Schweiz betrachte sich als «integralen Bestandteil der europäischen Sicherheit».

Offiziell hält Mäder an der transatlantischen Partnerschaft fest: «Wir wollen die Zusammenarbeit mit Europa intensivieren — aber gleichzeitig die gut funktionierende Sicherheitskooperation mit den USA beibehalten. Für uns ist das kein Widerspruch.»

Die Botschaft aus Bern ist klar: Wer nicht liefert, verliert Einfluss.

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