Würde die Schweiz mit ballistischen Raketen angegriffen, wäre sie geliefert. Hierzulande existiert kein System, das ein solches Geschoss stoppen kann. Kein Schutzschirm, der hält. Ob Bundeshaus oder Flughafen Zürich – was der Gegner ins Ziel nimmt, wird getroffen.
Schutz versprechen nur moderne Kampfjets wie die F-35 oder bodengestützte Luftabwehrsysteme mit grosser Reichweite, allen voran Patriot-Batterien. Beides stammt aus den USA, beides will das VBS beschaffen – und hier beginnt das Problem.
Ein kurzsichtiger Entscheid
Das Debakel um die immer teureren F-35 ist bekannt. Diese Woche folgte die nächste Bruchlandung: Auch das Patriot-System wird deutlich teurer. Der bereits verzögerte Liefertermin verschiebt sich um weitere Jahre. Da ist es verständlich, dass der Bund Alternativen prüft, etwa Luftabwehrsysteme aus Deutschland, Frankreich, Israel oder Südkorea. VBS-Vorsteher Martin Pfister wirft sogar Grundsätze über Bord. Einem Abbruch der Patriot-Beschaffung ist er nicht mehr gänzlich abgeneigt. Nur wäre das ein kurzsichtiger Entscheid.
Selbst wenn der Bundesrat den Patriot-Kauf abbläst, bleibt er von den USA abhängig. Die heimische Rüstungsindustrie kann keine hochkomplexen Systeme entwickeln. Und selbst wenn Pfister nur auf europäische Systeme setzt, entkommt er der militärischen Übermacht Amerikas nicht. In allen modernen westlichen Kampfjets steckt US-Technologie.
Jahrzehntelange Nato-Partnerschaften haben ein eng verflochtenes Waffen-Netzwerk geschaffen. Ob chinesische oder russische Systeme die klügere Wahl sind, darf bezweifelt werden. Ein Abbruch von US-Rüstungskäufen löst das Problem nicht. Es verschlechtert nur die Karten. Eine unbequeme Wahrheit.