Armee, IV, Eisenbahn
Warum zahlen wir immer mehr Mehrwertsteuer?

Die Schweizer Mehrwertsteuer wurde dieses Jahr 31 – und ist auf ihrem Höchstwert. Nun will auch Verteidigungsminister Martin Pfister für seine Armee in den Geldtopf greifen. Wie sich die Steuer in ihrer kurzen Lebenszeit immer wieder veränderte.
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Die Mehrwertsteuer in der Schweiz ist seit ihrer Einführung um fast 2 Prozent gestiegen.
Foto: SALVATORE DI NOLFI

Darum gehts

  • Die Schweizer Mehrwertsteuer wurde 1995 eingeführt.
  • Ab 2028 plant der Bundesrat eine Erhöhung um 0,8 Prozentpunkte.
  • Mit 8,1 Prozent hat die Schweiz den tiefsten Mehrwertsteuersatz Europas.
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Zu Neujahr wurde die Schweizer Mehrwertsteuer 31 Jahre alt. Sie scheint im besten Alter: Die Konsumabgabe ist aktuell in der Politik so gefragt wie selten.

In der Vergangenheit floss das zusätzliche Geld besonders in die Renten und den Bahnausbau. Künftig will der Bundesrat mit der Mehrwertsteuer weitere Bereiche aufpeppen: Er will sie nämlich ab 2028 für zehn Jahre um 0,8 Prozentpunkte anheben, um die Verteidigung zu stärken. Und dies, obwohl sie mit 8,1 Prozent schon heute auf einem Höchststand ist. Ein Grund zur Besorgnis?

«Zusätzlicher Finanzbedarf von 31 Milliarden Franken»
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Mehr Geld für Armee:«Zusätzlicher Finanzbedarf von 31 Milliarden Franken»

Erhöht wird selten

Bei ihrer Geburt im Jahr 1995 war die Mehrwertsteuer noch 1,6 Prozentpunkte tiefer als heute: Der Normalsatz lag bei 6,5 Prozent. Das neue Instrument löste die mit Schwachstellen behaftete Warenumsatzsteuer ab. Beide Abgaben haben dasselbe Ziel: die mit anderen Steuerinstrumenten nicht finanzierbaren Lücken im Bundeshaushalt zu decken.

Bei der Umstellung war die Schweiz aber klare Nachzüglerin. Die Nachbarländer hatten sich bereits Jahre zuvor von der Umsatzsteuer verabschiedet – Deutschland beispielsweise 1968. Grund für die hiesige Verzögerung war unter anderem das Schweizer Stimmvolk: Es schmetterte an der Urne gleich dreimal einen Versuch ab, die Mehrwertsteuer auch hierzulande einzuführen.

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Seit die Steuer am 1. Januar 1995 doch noch eingeführt wurde, wurde sie effektiv nur viermal erhöht (siehe Grafik). Auch hier: Die direkte Demokratie und der hierzulande eher zurückhaltende Umgang mit dem Bundesbudget sorgten dafür, dass die Schweiz auch noch heute den deutlich tiefsten Mehrwertsteuersatz Europas hat. Zum Vergleich: Der EU-Schnitt beim Normalsatz liegt um die 22 Prozent. Selbst das aktuell günstigste Land, Luxemburg, schlägt mit 16 Prozent doppelt so viel auf Waren und Dienstleistungen wie die Schweiz.

Retterin der Sozialversicherungen

Gleichzeitig wurde die Schweizer Mehrwertsteuer im Parlament immer mehr zur Retterin der Sozialversicherungen. Drei der vier Erhöhungen gingen zugunsten der IV oder AHV. Nur einmal – im Jahr 2001 – stieg die Abgabe bisher für einen anderen Zweck: Sie sollte den Bahnausbau unterstützen.

Zwar entschied sich der Bund siebzehn Jahre später erneut, die Mehrwertsteuer für die Eisenbahn zu erhöhen. Weil aber zugleich die Zusatzfinanzierung der IV auslief und die AHV-Reform 2020 vor dem Volk scheiterte, sank der effektive Steuersatz sogar für einige Jahre.

Aktuell ist eine Erhöhung der Konsumabgabe nicht nur für die Armee gefragt. Auch in der AHV könnte sie zum erneuten Mal zum Zug kommen. Bei der Frage, inwiefern die Finanzierung der 13. Rente auch über die Mehrwertsteuer stattfinden wird, konnte sich das Parlament bisher noch nicht einigen. Klar ist aber: Die Sonderabgabe wird auch in Zukunft ein beliebtes Aufputschmittel bleiben.

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