Absurde Stromregeln
Metzger muss eigenen Solar-Strom verscherbeln und teuer zurückkaufen

Nachdem in der Schweiz jahrelang Solarpanels zugebaut wurden, gibt es nun auch kritischere Stimmen. Viele Solaranlagen-Besitzer sind wegen Regeln und sinkendem Ertrag enttäuscht. Einer von ihnen ist Metzger Anton Ruf (56) aus Winznau SO.
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Anton Ruf wollte den Solarstrom von zu Hause ...
Foto: Stefan Bohrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Solaranlagenbesitzer kritisieren rechtliche Einschränkungen bei der Stromnutzung seit 2024
  • Metzger Ruf aus Winznau bekommt nur 9,5 Rp für überschüssigen Strom
  • 2025 sanken Solaranlagen-Neuinstallationen erstmals seit acht Jahren um 26 Prozent

Wenn die Sonne brennt, laufen die Solaranlagen in der Schweiz auf Hochtouren. In den letzten Jahren haben sich viele Leute Panels aufs Dach montieren lassen. Doch die Begeisterung lässt nach: Immer öfter werden kritische Stimmen laut. 

«Das ist doch ein Irrsinn», sagt Anton Ruf (56). Der Metzger hat seit 2024 auf seinem Haus in Winznau SO eine Solaranlage. «Ich wollte mehr Strom produzieren und den Überschuss für meine Metzgerei nutzen.» Damit die Lebensmittel kühl bleiben, braucht Ruf dort viel Strom.

Bei der Planung wurde ihm versprochen, dass es möglich sei, den Strom vom Hausdach für die Metzgerei zu nutzen. Doch mittlerweile ist Ruf ernüchtert: Seine Metzgerei steht im Nachbardorf Lostorf SO. Den eigenen Strom darf er aber nur innerhalb des gleichen Orts nutzen. «Das ist absurd. Ich habe an beiden Standorten exakt den gleichen Stromlieferanten», sagt Ruf.

Doch jetzt muss er den zu Hause produzierten Strom ins Netz zurückspeisen. «Dafür bekomme ich nur mickrige 9,5 Rappen, während ich in der Metzgerei 32 Rappen pro Kilowattstunde bezahlen muss. Dabei könnte ich mit dem überschüssigen Strom im Sommer fast die Hälfte meines Bedarfs in der Metzgerei decken.» 

«Gerade an solch heissen Sommertagen zahle ich für die Kühlung rund 500 Franken mehr an Stromkosten als üblich. Gleichzeitig produziert meine Solaranlage viel mehr Strom», sagt Ruf. Für einen Monat beträgt seine Stromrechnung in der Metzgerei zwischen 2000 und 3000 Franken – auch je nach Hitze.

Rein technisch gesehen wäre es möglich, dass sogenannte lokale Elektrizitätsgemeinschaften über die Gemeindegrenzen hinausgehen. Doch die Politik wollte es anders, damit der Strommarkt nicht liberalisiert wird. 

«Wir wurden verschaukelt»

Ruf ist nicht allein mit seiner Kritik. Unweit von Lostorf hat sich der Oltner SVP-Lokalpolitiker Rolf Sommer vor vier Jahren eine Solaranlage aufs Dach bauen lassen. «Wir wurden verschaukelt», sagt er heute. Ihn ärgert, dass er für die Einspeisung immer weniger Geld erhält. «Das ist wie Roulette spielen. Eine nachhaltige Kalkulation ist nicht möglich.»

Auch der Solarausbau hat an Schwung verloren. Dies zeigen Zahlen des Branchenverbands Swissolar. 2025 gab es zum ersten Mal seit acht Jahren einen Rückgang der Neuinstallationen, und zwar um 26 Prozent. 

Dazu gelten ab kommendem Jahr neue Regeln. Dann wird jede Stunde geschaut werden, wie viel Strom im Netz ist und was der Wert ist. Hat es zu viel, ist der Preis tief. Sogar negative Preise sind möglich – dann bezahlt man für die Einlieferung. Gleichzeitig verdient man Geld, indem man Strom liefert, wenn das Angebot knapp ist. Der Bund hat aber auch eine Minimalvergütung für kleinere Solaranlagen beschlossen. Dass jemand ins Minus fällt, ist also unwahrscheinlich.

GLP-Grossen: Solaranlagen bleiben rentabel

GLP-Präsident Jürg Grossen (56) ist Präsident von Swissolar. «In den letzten Jahren waren die Rückliefertarife auf einem Höchststand, weil die Strompreise wegen dem Ukraine-Krieg hoch waren. Dass es nicht immer so bleiben würde, hat man gewusst, sofern man sich gut informiert hat. Eine marktnähere Vergütung erfordert zwar teilweise Investitionen in Energiemanagementsysteme und Batterien, reduziert aber die Netzkosten für alle und ermöglicht neue Erträge für die Anlagenbesitzenden.»

Selbst mit den neuen Regeln im kommenden Jahr seien Solaranlagen rentabel betreibbar, so Grossen. «Auch an den zuletzt heissen Tagen gab es abends hohe Rückliefertarife, teilweise bis zu 30 Rappen pro Kilowattstunde. Wer also einen Batteriespeicher hat und diesen am Tag füllt und abends zurückspeist, bekommt so unter dem Strich mehr Geld als mit dem bisherigen System.» 

Verständnis zeigt der GLP-Präsident für den Ärger, dass lokale Elektrizitätsgemeinschaften nicht über die Gemeindegrenzen möglich sind. «Eine solche Einschränkung ist nicht notwendig und beschränkt die Verbraucher unnötig.» Er hat nun im Parlament einen Vorstoss eingereicht. Die Chancen stehen nicht schlecht, auch Nationalräte der SP, Grünen, Mitte und SVP haben ihn unterschrieben. Zumindest etwas Hoffnung für Metzger Ruf. 


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