Darum gehts
- Das Solarprojekt entlang der Nationalstrassen ist seit 2022 kaum vorangekommen
- Auf den freigegebenen 450 Flächen steht bis heute keine einzige Anlage
- Einige Unternehmen steigen aus dem Projekt aus, doch der Bund will es nicht aufgeben
Das Nationalstrassennetz zur Produktion von Sonnenstrom nutzen – das wollte die ehemalige Energie- und Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga (65, SP). Doch bis heute, vier Jahre später, konnte diese Solaroffensive nicht umgesetzt werden. Einst stark interessierte Unternehmen geben das Projekt auf. Das zeigen Recherchen der «NZZ».
Im Jahr 2022 liess Sommaruga prüfen, welche Abschnitte entlang der Nationalstrassen für die Produktion von Sonnenstrom genutzt werden könnten. Stattliche 450 Flächen – darunter Lärmschutzwände und Rastplätze — stellte der Bund interessierten Firmen in der Folge kostenlos zur Verfügung. 14 Unternehmen wurden vom Bundesamt für Strassen (Astra) in das Projekt einbezogen. Dieses klang vielversprechend: Zusammengerechnet könnte man auf den 450 Flächen Strom für rund 38'000 Haushalte produzieren.
Doch vom einstigen Enthusiasmus ist heute kaum mehr etwas zu spüren. Bis heute ist weder eine Anlage in Betrieb, noch eine im Bau, wie das Astra der «NZZ» bestätigt. Erst drei Projekte haben eine Baubewilligung erhalten. Auch die Frist für die Umsetzung der Anlagen läuft in den nächsten Monaten ab.
Aufwendig und wenig rentabel
Die Verzögerung des Projekts ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Zum einen stellte sich laut einer Astra-Sprecherin heraus, «dass die Umsetzung anspruchsvoll ist». Auch die Energiedienstleisterin Energie 360°, die an 75 Standorten Strom produzieren wollte, zieht diese Bilanz. Die Hürden seien sehr hoch und der bauliche Aufwand deutlich grösser als bei Solaranlagen auf Dächern, erklärte ein Sprecher. Deswegen verfolge man das Projekt nicht mehr weiter.
Zum anderen hat sich seit der Ausschreibung des Projekts auch das Marktumfeld verändert. 2022 – nach dem Ausbruch des Ukrainekrieges – waren die Strompreise hoch. Heute sind sie wieder deutlich tiefer. Entsprechend geringer ist die Wirtschaftlichkeit der Anlagen.
Dennoch hat das Astra nicht aufgegeben. Das Amt hofft noch immer, dass ein Teil der Solaranlagen realisiert werden kann. «Wir haben die betroffenen Unternehmen kontaktiert, um den Projektstand sowie das Interesse an einer Verlängerung der Reservationsfrist zu kären», wird die Sprecherin weiter zitiert. Dort, wo es sinnvoll ist, wolle man den Projekten zusätzliche Zeit zur Umsetzung einräumen.