Darum gehts
- Auf der Mööslistrasse bei Safenwil AG existiert eine 65 Meter kurze Tempo-30-Zone
- Die Zone soll Schulkinder schützen, da dort kein Veloweg vorhanden ist
- Einige Einwohner kritisieren die 30er-Zone
Es ist eine ziemlich spezielle Situation. Wer Richtung Walterswil SO fährt, kann auf die Mööslistrasse nach Safenwil AG abbiegen. Es folgt eine 30er-Zone. Was danach kommt, ist kurios: Kaum hat man das Tempo gedrosselt, darf man schon wieder beschleunigen. Nur 65 Meter misst die besagte 30er-Zone! Danach folgt ein längeres Waldstück – mit Tempo 60.
Das kommt nicht bei allen gut an. Spätestens seit das Verkehrsportal Streetlife über die Strasse berichtet hat, gibt sie in den sozialen Medien zu reden. Die Rede ist von der «kürzesten 30er-Zone der Schweiz». Passanten und Automobilisten kritisieren: Es lohne sich nicht, auf einer solch kurzen Strecke zu bremsen. Die Massnahme sei sinnlos und habe keinen Nutzen, sagen andere.
Was steckt dahinter? Blick begibt sich bei Behörden auf Spurensuche – und spricht auch mit Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm. Sie macht gleich klar: «Die Tempo-30-Zone wurde nicht willkürlich eingeführt, sondern nach sorgfältiger Überlegung.»
Zur «Sicherheit der Kinder»
Die Mööslistrasse sei rege befahren und werde zudem auch von Schulkindern mit dem Velo genutzt, so Wilhelm. «Eine längere 30er-Zone wäre zur Sicherheit der Kinder sicherlich sinnvoll. Einen Veloweg gibt es nicht.» Dass Tempo 30 auf dieser Strecke nicht weitergeführt werden könne, habe rechtliche Gründe, erklärt sie weiter. Der Punkt sei, dass sich auf beiden Seiten keine Häuser mehr befänden, sondern Wald.
Zudem war auch der Bau eines Mehrfamilienhauses geplant. «Die Aus- und Einfahrt wäre über die Mööslistrasse geführt worden – dies war mitunter ein wichtiger Entscheid für das kurze Stück mit Tempo 30.» Das Bauprojekt sei dann aber leider auf Eis gelegt worden.
Die Kritik an der kurzen 30er-Zone bewertet die Gemeindepräsidentin differenziert. «Manche reagieren grundsätzlich sehr kritisch», sagt sie. Viele zeigten jedoch Verständnis, sobald sie die Beweggründe kennen. Klar ist für Wilhelm auch: «Wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten und rücksichtsvoll unterwegs wären, müssten wir über solche Massnahmen gar nicht diskutieren.»
«Hype um die 30er-Zone»
Zuerst bekannt wurde die Mööslistrasse durch ein Video des Influencers Simon Zenhäusern, der in den sozialen Medien als «Laudazio» auftritt.
Er war es auch, der in seinem Beitrag die Vermutung äusserte, es handle sich bei der 30er-Zone in Walterswil um die kürzeste der Schweiz. Fakt ist: Der Abschnitt ist wirklich sehr kurz. Genau klären lässt sich die Rekord-Frage aber nur schwer.
Das Bundesamt für Strassen Astra kann dies gegenüber Blick nicht beurteilen. Man habe keinen Überblick über Tempo-30-Zonen auf Kantons- und Gemeindestrassen, heisst es.
Bleibt die Frage, ob es sich zumindest offiziell um die kürzeste Tempo-30-Zone des Kantons Solothurn handelt. Doch auch dazu gibt es keine Zahlen: «Der Kanton Solothurn führt dazu keine statistische Erhebung durch», teilen die Kantonsbehörden mit. Das hänge wiederum damit zusammen, dass die Mööslistrasse eine Gemeindestrasse ist.
Ob kürzeste Tempo-30-Zone oder nicht. Zumindest Gemeindepräsidentin Wilhelm sagt: «Den kleinen Hype habe ich persönlich gar nicht so stark mitbekommen.»