Darum gehts
- Lara Wolf reagiert emotional auf die politische Veränderung im Iran
- Chameneis Tod löst Hoffnung aus, doch bleibende Regimestrukturen sorgen für Skepsis
- Wolf spielt 2026 im Film «Hotel Teheran» mit Liam Neeson
In New York sind die frühen Morgenstunden angebrochen – bei Lara Wolf brennt aber noch Licht. Die Schweiz-Iranerin lebt schon seit über einem Jahrzehnt im Big Apple, hier ist sie zum Schauspielstar gereift. An Schlaf ist bei Wolf in diesen Tagen nicht wirklich zu denken, zu sehr treibt sie die aktuelle Situation in ihrem Heimatland um. «Ich bin voller Adrenalin», sagt die Schauspielerin, als Blick sie telefonisch erreicht.
Die Anspannung ist Wolf anzuhören – die Aufbruchstimmung überwiegt aber: «Wer hätte gedacht, dass diese Tyrannen, die sich fast ein halbes Jahrhundert gewaltsam an der Macht gehalten haben, einfach innerhalb eines Tages ausgelöscht werden konnten?» Sie, ihre Eltern und Freunde seien am Feiern. Obwohl die Tötung Chameneis und anderer hochrangiger Offiziere ein grosser Schritt sei, «ist es allen klar, dass es sich doch noch um ein Regime handelt, das noch viel tiefer verwurzelt ist, als man denkt.» Wolf weiter: «Es ist noch nicht zu Ende. Chamenei hat mit Sicherheit für eine Nachfolge gesorgt – allein schon aufgrund seines Alters.»
«Das ist jetzt eine einmalige Gelegenheit»
Für den Schweizer Hollywoodstar ist jetzt klar, wie es in ihrem Heimatland weitergehen soll: «Sobald das ganze Regime auseinanderzufallen droht, hätten die Iraner die Möglichkeit, in Millionen auf die Strasse zu gehen und die Revolutionsgarden komplett zu beseitigen. Dieser Punkt ist allerdings noch nicht gekommen. Die Intervention Israels und der USA ist deswegen unabdingbar, da die iranischen Menschen allein nicht gegen die Regierung ankommen. Was braucht es denn noch? Wir haben die Beweise, dass dieses Regime Zehntausende von Menschen auf dem Gewissen hat. Das ist jetzt eine einmalige Gelegenheit, die wir auf Generationen hinaus nicht mehr haben werden.» Es sei endlich ein Zeitpunkt gekommen, an dem Einheit herrsche in Bezug auf die Werte, die eine Regierung mitbringen müsse.
«Die Leute auf der Strasse innerhalb und ausserhalb Irans rufen den Namen von Crown Prince Reza Pahlavi. Er möchte den Weg zur Demokratie und zu einem sekulären Staat ebnen, er will, dass die Leute an die Urnen gehen und abstimmen. Es geht ihm nicht darum, König zu werden. Ich unterstütze das und finde, dass man das widerspiegeln muss, was die iranischen Menschen wollen.»
«Ich habe Tränen in den Augen»
Dass Wolf bald selbst wieder den Iran bereist, sei momentan noch nicht ganz spruchreif. «Wir müssen gerade noch den Gedanken verarbeiten, dass der Ayatollah weg ist. Schritt für Schritt. Aber ich freue mich darauf, wenn es so weit ist. Ich habe Tränen in den Augen, wenn ich daran denke, mit meiner persischen Mutter und meinem Schweizer Vater ein freies Iran zu besuchen.»
Zum Land ihrer Mutter hatte Wolf zeitlebens eine besonders enge Bindung, immer wieder hat sie im Iran Ferien gemacht. Auch in ihrer Kunst spiegelt sich ihre Herkunft wieder. Im Film «Lolita lesen in Teheran» (2024) spielt sie eine Literaturstudentin, die in einem Buchklub gemeinsam mit ihrer Dozentin verbotene westliche Klassiker liest. Dieses Jahr erscheint «Hotel Teheran», im Actionfilm ist Wolf an der Seite von Liam Neeson (73) zu sehen.
Radiofrau Shiva Arbabi ist «erleichtert»
Mit Spannung beobachtet auch die schweizerisch-iranische Radiofrau Shiva Arbabi (51) die Lage im Iran. Sie floh 1980 mit ihren Eltern in die Schweiz und setzt sich im Organisationskomitee von Free Iran Switzerland für einen demokratischen Iran ein. «Ich war erleichtert über den Tod Chameneis, weil er für viele Iraner ein Symbol jahrzehntelanger Unterdrückung war», sagt sie. «Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ein einzelnes Ereignis einen Machtapparat, der seit fünf Jahrzehnten auf Repression und Angst aufgebaut ist, nicht sofort zum Einsturz bringt.»
Aus dem Iran höre sie von «Angst und Unsicherheit. Viele wissen nicht, was jetzt auf sie zukommt. Gleichzeitig spürt man, dass viele hoffen, dass sich endlich etwas verändert.» Das ist auch Arbabis grösste Hoffnung. «Ich wünsche mir, dass nicht noch mehr Unschuldige ihr Leben verlieren und dass dieses Regime endlich zur Verantwortung gezogen wird, damit die Menschen im Iran frei leben können, ohne Angst, Terror und Unterdrückung.»
«Menschen im Iran müssen eine echte Stimme bekommen»
Es sei noch ein langer Weg, bis die Menschen im Iran frei seien. «Freiheit passiert nicht über Nacht», sagt die Macherin von Piratenradio.ch. «Aber vielleicht erleben wir gerade einen Moment, der etwas ins Rollen bringt. Entscheidend ist, dass die Gewalt gegen die Bevölkerung aufhört, politische Gefangene freikommen und Menschen ohne Angst ihre Meinung äussern können.»
Es brauche rechtsstaatliche Strukturen, freie Medien und internationale Aufmerksamkeit, die nicht nach kurzer Zeit wieder verschwindet. «Veränderung kann nur entstehen, wenn die Menschen im Iran selbst eine echte Stimme bekommen.» Der Iran sei erst frei, «wenn Menschen keine Angst mehr vor ihrem eigenen Staat haben müssen».