Verleihung im Kongresshaus Zürich
Ladenhüter sind Favoriten beim Schweizer Filmpreis

«À bras-le-corps» und «Bagger Drama» sind je siebenmal für den Schweizer Filmpreis nominiert. Doch an den Kassen konnten die künstlerisch hochstehenden Produktionen nicht wirklich punkten. Nun wird eine Box-Office-Kategorie für den publikumsträchtigsten Film lanciert.
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So überschäumend war die Freude letztes Jahr: «Reinas»-Regisseurin Klaudia Reynicke mit dem Quartz für den besten Spielfilm 2025 in Genf.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • «À bras-le-corps» und «Bagger Drama» sind je siebenmal für den Schweizer Filmpreis vorgeschlagen
  • «Heldin» von Petra Volpe erhält die Box-Office-Trophäe für den meistgesehenen Film des letzten Jahres
  • Die diesjährige Preisverleihung findet am 27. März 2026 im Zürcher Kongresshaus statt
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Jean-Claude GalliRedaktor People

Um den seit 1998 vergebenen Schweizer Filmpreis entstehen immer wieder Kontroversen – ein untrügliches Zeichen dafür, dass er über die Branche hinaus wahrgenommen wird.

Mal wird eine Bevorzugung von französischsprachigen Werken moniert, mal übergeht die Akademie angeblich Publikumslieblinge oder schneidet einzelne Exponenten.

Manchen ist die Gala, die alternierend in Genf und Zürich stattfindet, zu bescheiden. Andere finden sogar die stets recht nüchterne Ausführung zu pompös und würden das Geld lieber anderweitig verwendet sehen.

Poleposition für «À bras-le-corps» und «Bagger Drama»

Ein Röstigraben ist bei der kommenden Verleihung vom 27. März im Zürcher Kongresshaus nicht in Sicht. Mit je sieben Nominationen gehen die welsche Produktion «À bras-le-corps» von Marie-Elsa Sgualdo (40) und «Bagger Drama» von Piet Baumgartner (42) ins Rennen.

Auffallend bei beiden Filmen ist der überschaubare Publikumszuspruch. Der Verband Pro Cinema weist für «À bras-le-corps» zurzeit gut 16'000 Besuchende aus, 3000 davon in der Deutschschweiz. Für «Bagger Drama» sind es knapp 6000 Besuchende.

Eine fünfköpfige Kommission, ausgewählt vom Departement des Innern, spricht die Nominationen jeweils basierend auf den Empfehlungen von rund 600 Akademie-Mitgliedern aus. Tatsächlich war es in den letzten Jahren tendenziell so, dass ernste Arthouse-Produktionen gegenüber Komödien und Krimis eher den Vorzug erhielten. Sinnbildlich dafür stand «Soul of a Beast», der 2022 rekordhohe acht Nominationen bei 6000 Kinoeintritten verzeichnete.

Auch die aktuelle Auswahl geht in diese Richtung. So ist der Kassenschlager «Hallo Betty» mit Sarah Spale (45) und Martin Vischer (45) «nur» in den zwei Hauptdarsteller-Kategorien nominiert.

Um der Diskussion «Kunst versus Kommerz» prophylaktisch den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird erstmals auch der publikumsstärkste Film des vorangegangenen Jahres ausgezeichnet. «Box Office Quartz» heisst die Trophäe, die an Petra Volpe (55) für ihren Film «Heldin» geht, der 2025 in der Schweiz über 200'000 Besuchende anzog.

Er ist auch als bester Spielfilm, für das beste Drehbuch und den besten Ton nominiert. Ziemlich sicher wäre auch Leonie Benesch (34) als beste Hauptdarstellerin nominiert worden, wenn sie nicht Deutsche wäre. Dasselbe gilt für die französischen Hauptdarsteller von «À bras-le-corps».

Michael Steiner bleibt bei Austrittsentscheid

Für Hit-Regisseur Michael Steiner (56), der Anfang 2024 aufgrund mehrerer der obengenannten Gründe unter Protest aus der Akademie austrat, reicht die Einführung der Box-Office-Kategorie als Konzession an den kommerziellen Erfolg alleine nicht. Er erachtet sie gegenüber Blick bloss «als heissen Tropfen auf dem kalten Stein». Und auf die Frage, ob er seinen Rücktritt aus der Akademie irgendwann rückgängig machen könnte, meint er: «Ja, wenn der Tropfen den Stein ausgehöhlt hat.»

Welches Bild der Filmpreis vom vergangenen Kinojahr definitiv zeichnet, ist am Freitag spätestens um 21.15 Uhr klar, wenn alle Trophäen vergeben sind und das «Apéritif dînatoire» beginnt. Einer strahlt dann bestimmt. Der Regisseur und Produzent Villi Hermann (84), der den Ehrenpreis für sein 50-jähriges Schaffen und zur Stärkung des italienischsprachigen Schweizer Films bekommt. So gibt es auch keinen Polentagraben.

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