Darum gehts
- Céline Dion lobt Zürcherin Keza (22) für Cover von «All by Myself»
- Über 14 Millionen Views für ihr emotionales Video auf Social Media
- Keza studiert Mathematik an der ETH Zürich und hat 200'000 Online-Fans
Diesen Moment wird Keza (22) nie vergessen: Ihre Freunde schreiben ihr aufgeregt, sie solle sofort nachschauen, was Céline Dion gerade in den sozialen Medien geteilt hat. Keza klickt und traut ihren Augen kaum. Die kanadische Musiklegende hat ein Video veröffentlicht, in dem sie sich Kezas Nachsingen ihres Welthits «All by Myself» anschaut und schwärmt: «Sie ist unglaublich. Sie sollte professionelle Sängerin werden. Sie ist extrem talentiert und trifft die Töne.»
In ihrem Elternhaus im Zürcher Unterland erinnert sich Keza an den Augenblick: «Ich dachte zuerst, das sei Fake. Ich habe das Video mindestens zehnmal angeschaut und geweint.» Sie habe es direkt abgefilmt für den Fall, dass Dion es wieder löschen würde. «Es hat sich angefühlt wie ein Geschenk – jemand, der mich so lange inspiriert hat, hat mich plötzlich auch ermutigt.» Céline Dion reagiert online immer wieder auf Videos, in denen Fans ihre Songs neu interpretieren. Doch der Clip mit Keza sticht heraus. Über 14 Millionen Menschen haben ihn bereits gesehen. Vielleicht, weil Kezas Stimme mühelos durch die anspruchsvollen Höhen des Songs trägt. Vielleicht auch, weil man sofort hört, wie viel Gefühl darin steckt. Dieses Herzblut fliesst bei Keza nicht nur in fremde Songs, sondern auch in eigene. Die schweizerisch-kamerunische Musikerin schreibt sie oft genau hier in ihrem Zimmer.
Musik und Mathe
Keza sitzt auf dem Bett mit der E-Gitarre quer über den Knien, spielt eine Melodie an, singt eine Zeile, hält inne – und versucht es noch einmal. Neben dem Bett steht ein Schreibtisch mit Laptop und Karteikarten voller Formeln.
Einen grossen Teil ihrer Zeit verbringt Keza nicht im Studio, sondern an der ETH Zürich. Dort studiert sie Mathematik. Musik und Mathematik – für Keza kein Widerspruch. «Viele finden das eine komische Kombination», sagt sie. Doch schon Bach baute seine Musik auf klaren Mustern und Strukturen auf – wie in der Mathematik. Im Gymnasium tat sie sich zunächst schwer mit dem Fach und nahm Nachhilfe. Erst eine Lehrerin öffnete ihr die Augen. «Plötzlich merkte ich: Mathe ist wie ein Puzzle», erzählt Keza. «Wenn man das System versteht, macht es Spass.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
Die Mathematik hilft ihr sogar, die Gedanken zu ordnen. Einmal, erzählt sie lachend, sass sie nach Liebeskummer im Zug und wusste nicht wohin mit ihren Gefühlen. «Dann habe ich einfach angefangen, Matheaufgaben zu lösen.» Das habe geholfen. «Manchmal ist Mathe genau das, was man braucht.» Zwischen den beiden Leidenschaften entscheiden will sie sich nicht. «Ich weiss, dass ich für immer Musik machen werde», sagt Keza. Songs schreiben, auftreten, auf Tour gehen – das ist ihr Traum. Aber auch die Mathematik will sie nicht ganz loslassen. «Lehrerin werden könnte ich mir gut vorstellen. Aber das kann auch später im Leben noch kommen.»
Die Wurzeln der Stimme
Aus der Küche beobachtet ihre Mutter Axelle das Treiben mit einem Schmunzeln. «Eigentlich hat Keza sogar drei Leidenschaften», meint sie. «Musik, Mathe und ihre Haare!» – «Hey!», entgegnet Keza und lacht. «Aber stimmt schon, ich nehme mir gern Zeit für meine Locken.»
Die Locken sind für Keza mehr als Styling. Sie erzählen ein Stück ihrer Geschichte. Ihre Eltern stammen aus Kamerun, sie selbst wurde in Berlin geboren. Als Keza fünf Jahre alt war, zog die Familie in die Schweiz.
Als Kind verbrachte sie die Sommerferien regelmässig in Kamerun. «Dort merke ich immer wieder, wie stark ich in der Schweiz sozialisiert wurde», erzählt Keza heute. «Aber ich habe auch diese andere Seite mit einer anderen Sprache, anderen Gebräuchen und einer grossen Familie.» Und Musik eben. Ihre Mutter sang früher im Kirchenchor, ihr Vater Oscar spielte im Auto ständig neue Songs und zeigte Keza früh die unterschiedlichsten Musikgenres, und auch die beiden jüngeren Geschwister Kephren (20) und Kiiyi (16) greifen zu Instrumenten.
Nächster Halt: Zermatt
Kürzlich stand Keza beim Festival Zermatt Unplugged auf der Bühne – als eine von sechs Nachwuchskünstlerinnen, die das Musikfestival für seine Mountain Academy ausgewählt hatte. Online folgen Keza auf Instagram und Tiktok insgesamt rund 200'000 Menschen, doch live performen fühle sich jeweils ganz anders an: «Auf der Bühne ist alles viel unmittelbarer», sagt sie. Das mache sie teilweise nervös. Doch wenn sie an sich zweifelt, erinnert sie sich gern daran, wer schon zu ihren Fans gehört: Céline Dion.