Darum gehts
- Florian Asts Kult-Hit «Sex» entstand 2000 in Rapperswil-Jona SG
- Der Song begann als spontane Idee, inspiriert durch Frauen auf der Strasse
- Rund 26 Jahre später ist «Sex» ein Schweizer Partyklassiker
Mit seinem Song «Sex» schuf Florian Ast (51) vor 26 Jahren einen der grössten Mundart-Hits überhaupt. Der Kult-Song des Berner Sängers darf in keinem Schweizer Festzelt fehlen und lässt bis heute bei Feierlustigen so richtig Stimmung aufkommen.
Was die wenigsten wissen: Um ein Haar hätte es die Kult-Nummer nie gegeben, wie Ast jetzt verrät.
«Wir haben ihn!»
Für sein drittes Album «Spitz» (2000) habe Ast «richtig einen draufhauen» wollen, erzählt er SRF. Er war auf der Suche nach einem Lied, das heraussticht, auffällt, provoziert. «Es fehlte der Song, der das Album fliegen lässt», so Ast.
In einer heruntergekommenen Villa in Rapperswil-Jona SG, die sein Team für die Produktion des Albums mietete, hätten sie damals stundenlang über Songtexten gebrütet. Doch auf die zündende Idee sei Ast dann ganz zufällig gekommen: «An einem Nachmittag ging ich auf den Balkon, sah unten auf der Strasse ein paar Meitschi, nahm die Gitarre und sang so voll blöd: ‹I wott Seeex, vom Morge bis am Abe!›» Die Frauen unten zeigten ihm bloss den Vogel.
Was als kindische Alberei begann, wurde letztlich zur Geburtsstunde eines Evergreens. Asts Produzent David Bronner habe das Potenzial dieses Refrains sofort erkannt: «Er kam angerannt, rief ‹Wir haben ihn!› und schickte mich an den Schreibtisch.»
Song landet um ein Haar in der Tonne
Der Refrain stand schnell fest, doch an den einzelnen Strophen hatte Ast länger zu knabbern. Eine Freundin half dem Sänger dann auf die Sprünge: «Zähl doch einfach alle deine Kolleginnen auf!», riet sie ihm. Bevor er diese in seinem Song verewigte, habe er ihr Einverständnis eingeholt, betont Ast.
Für den Berner sei damals sofort klar gewesen: «Das ist die Single.» Doch sein damaliger Labelchef Bruno Huber hatte auch noch ein Wörtchen mitzureden – und der war alles andere als begeistert von dem provokanten Liedtext. «Als ich ihm das Stück vorspielte, verschluckte er beinahe seine Pfeife und wetterte: ‹Nein, das geht gar nicht! Weg damit! Kein Budget!›»
Doch Ast konnte sich durchsetzen, zumindest teilweise. Er und Huber einigten sich auf einen Deal: Ast durfte sein Lied aufnehmen, wenn am Ende der Produktion noch Geld übrigblieb. Und so sollte es kommen – der Rest ist Geschichte: «Und dann ging es ab wie eine Rakete», erinnert sich Ast stolz.
«Einiges geht heute nicht mehr»
Wie so viele künstlerische Werke ist «Sex» ein Produkt seiner Zeit – und kommt auch nicht ganz ohne überholtes Vokabular aus. Das fand zumindest Ast selbst, der sich 2025 dazu entschied, das Lied in einer abgeänderten Version zu veröffentlichen.
So wurde aus der «Schlampe» Laura, die er in seinem Lied besingt, kurzerhand eine «Perle». Ast erklärte es Blick damals so: «Früher war es halt so, wenn man auf einen Typen eifersüchtig war, weil er die Frau hatte, die man wollte, nannte man sie Schlampe. Es war aber nie böse gemeint.» Heute sehe er es anders. «Damals fanden alle den Text lustig. Aber klar, einiges geht heute nicht mehr.»