Trailer Prix Walo 2026
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Show-Szene Schweiz feiert:Trailer Prix Walo 2026

Monika Kaelin und Rolf Knie in der Giesserei
So entstehen die ikonischen Stern-Trophäen des Prix Walo

Zum 50-Jahre-Jubiläum des Prix Walo besuchen Schirmherrin Monika Kaelin und Künstler Rolf Knie den Geburtsort der ikonischen Stern-Trophäen. Im schwarzen Sand der Giesserei entsteht, was in der Schweizer Showszene strahlt.
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Rolf Knie hat den Stern entworfen, Monika Kaelin lässt damit die Schweizer Showszene strahlen: ein Besuch mit den beiden Freunden in der Giesserei.
Foto: Kurt Reichenbach

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Kestenholz SO werden die Prix-Walo-Sterne traditionell handgefertigt.
  • Monika Kaelin (71) arbeitet erstmals an der Produktion mit.
  • Die 3 kg schweren Trophäen bestehen aus Bronze, geschmolzen bei 1150 °C.
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Toni Rajic
Schweizer Illustrierte

Monoton röhrt Lärm durch die Hallen der Giesserei Turgibega AG in Kestenholz SO, unterbrochen von Hammerschlägen. Das metallische Echo klingt nicht nach Glamour. Und doch ist es der Takt, in dem das Symbol für die grösste Ehre entsteht, die das Schweizer Showbusiness kennt: die Sterne des Prix Walo.

Die Nägel an Monika Kaelins (71) Hand schimmern elegant in Gold, ein Kontrast zur dreckigen Schaufel, die sie umklammert. Die Schirmherrin des Prix Walo, sonst im Scheinwerferlicht der grossen Gala, steht vor dem anstehenden 50-Jahre-Jubiläum zum ersten Mal an der Werkbank. Beherzt schaufelt die 71-Jährige schwarzen Formsand in einen Eisenrahmen, ehe sie einen Hammer mit überraschender Wucht darauf niedersausen lässt. So verdichtet sich das Gemisch aus Quarzsand, Bentonit und Wasser, bis eine feste Negativform entsteht. «Manche glauben, der Prix Walo sei nur eine glitzernde Party», sagt die unzimperliche Handwerkerin und zupft ihren knallgelben Zweiteiler kurz zurecht, «doch die Werkstatt hier ist Sinnbild für die Showszene: Erfolg ist harte Arbeit. Man fängt klein an, krampft, bis man irgendwann ein strahlender Stern ist.» Sie blickt zu Rolf Knie (76) der neugierig durch die Halle huscht. Der Künstler entwarf die Trophäe 2002 – ein zeitloses Stück Bronze, drei Kilo schwer, der «Oscar der Schweiz». In einer Stätte wie dieser fühle er sich zu Hause, murmelt Knie. «Zu sehen, was hier mit jahrhundertealter Technik und in Handarbeit geschaffen wird, beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue.»

Während Kaelin mithilfe der Mitarbeiter die Form mit zentnerschweren Gewichten beschwert, damit sie dem gewaltigen Druck des flüssigen Metalls standhält, bereiten die Giesser den entscheidenden Akt vor. Er findet im Schmelzofen statt, der in der Mitte der Halle thront und atemraubende Hitze abstrahlt. Die Luft über ihm flimmert. Bei 1150 Grad Celsius verwandelt sich die Bronze in glutrote, zähflüssige Masse. Als der Kessel schliesslich gekippt wird und glühender Schmelz in die Formen fliesst, hält Monika den Atem an und tritt zurück. Kleine Spritzer springen vom Boden ab wie Feuerwerk. Es ist die Geburt von zehn Sternen, die wie ihre Vorgänger nationale Geschichte schreiben werden.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Vereinbarung per Handschlag

Rolf Knie schaut mit Kennerblick zu. Er erinnert sich an jenes Telefonat, als Monika Kaelin ihn um eine neue Trophäe für mehr Strahlkraft bat. Knie sagte sofort zu – ihretwegen. Ein Handschlag besiegelte die Partnerschaft, die bis heute nur auf Vertrauen basiert. «Dass sich Rolf als renommierter Künstler diesem Projekt angenommen hat, schätze ich bis heute ungemein», sagt Kaelin, «er hat massgeblich zum Glanz des Prix Walo beigetragen.» Gerührt legt sie ihrem langjährigen Freund den Arm auf die Schulter.

Dass einige Medien Knies Werk einst als «goldfarbene Scheusslichkeit» beschimpften, beeindruckte ihn nicht. «Das ist so mit Kunst: Jeder hat eine Meinung», sagt er und verdreht theatralisch die Augen. «Aber die Preisträger halten ihren Stern seit über 20 Jahren mit Stolz in den Händen. Das ist meine Genugtuung.» Es gebe Kunstwerke, von denen er heute selbst nicht mehr überzeugt sei. Dazu gehören die tanzenden Prix-Walo-Sterne aber nicht. Ganz im Gegenteil: «Ich würde sie nochmals genau so machen. Es ist ein Werk, das nicht altert, sondern von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt.»

Um seinen Stolz zu verstehen, muss man tief in die DNA der Schweizer Unterhaltung blicken. 1974 gründete Walo Linder, seinerzeit Unterhaltungschef beim Radio Beromünster, den Preis, um das hiesige Kulturschaffen zu würdigen. Seine wahre Kraft lag stets in seiner Wandlungsfähigkeit. Ab 1994 wurde der Prix Walo zum Seismografen für den Geschmack der Nation. Bei jener legendären Verleihung gewannen DJ Bobo in der Sparte Pop, Dodo Hug im Chanson, und «Pingu» wurde als beste TV-Produktion geehrt. Das Vorgehen kam in der damals noch sehr traditionell geprägten Szene einem Beben gleich. Und genau das zeichnet den ehrfürchtigen Preis seit jeher aus: Er macht keinen Unterschied zwischen Hochkultur und Unterhaltung. Er ist Bühne für das Schweizer Showbusiness als grosses Ganzes.

DCX STORY: doc85k16qjh4w9ivay4wbb [Info]

Selbstloses Engagement

In der Solothurner Giesserei geht die Arbeit in die finale Phase. Das Metall ist erkaltet, es folgt der Moment der Wahrheit. Wuchtige Schläge klopfen die Formen über einem Sieb heraus, bis die bronzenen Rohlinge zum Vorschein kommen – noch weit entfernt von der perfekten Form. Monika Kaelin applaudiert trotzdem: «Wow, super schön!» Diese ungefilterte Emotion treibt sie seit 1998 an, als sie zur Präsidentin der Show Szene Schweiz gewählt wurde. Doch wenig später folgte ihr erster grosser Rückschlag: Das Schweizer Fernsehen verbannte die Preisverleihung überraschend aus dem Programm, woraufhin sie öffentlich totgesagt wurde. Spätestens da begann Kaelins Kampf gegen alle Widerstände: Sie stellte ihre Karriere als Entertainerin zurück, platzierte die Show bei privaten Sendern, produzierte sie mit gekürzten Mitteln und hielt Contenance und Strahlkraft stets aufrecht. «Ich mache den Prix Walo nicht für mich, ich mache ihn für unsere Nation – und das mit Leib und Seele! In Zeiten, in denen Unsicherheit und Schwere allgegenwärtig sind, zeigt sich, wie wichtig Unterhaltung ist.» Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Nach über 20 Jahren liess SRF die grosse Gala 2024 wieder über die Bildschirme flimmern.

Einfach war es aber nicht immer: «Natürlich gab es Momente, in denen ich das Handtuch werfen wollte», gesteht sie und schaut nachdenklich auf den Rohling in ihrer Hand. «Die Show Szene Schweiz ist ein gemeinnütziger Verein, der Vorstand arbeitet unentgeltlich. Alles, wirklich alles fliesst in die Förderung neuer Talente.» Dabei sind die Sorgen um die Finanzierung allgegenwärtig: «Es ist seit jeher ein Kraftakt, Sponsoren und Gönner zu finden. Ohne Partner wie Swissperform oder Suisa wären wir verloren. Ich würde mir einen Mäzen wünschen, der uns aus Überzeugung unterstützt.»
Rolf Knie, der 2019 selbst den Ehren-Prix-Walo für sein Lebenswerk bekam, weiss um dessen Gewicht: «Es ist einfach schön, wenn das eigene Schaffen gesehen und geschätzt wird. Wer in der Öffentlichkeit steht, freut sich über Auszeichnungen, die auf der grossen Bühne verliehen werden.» Er ist überzeugt: «Auch in 50 Jahren wird es Stars geben und somit auch den Prix Walo!»

Die Sterne kommen nun in einen Schraubstock. Späne fliegen, das Metall wird geschliffen und poliert, bis die Oberfläche glatt ist. Danach folgt die Vergoldung. Den letzten Schliff bekommen sie schliesslich bei der Manufaktur Awardness AG in Schlieren ZH. Dort wird der massive Sockel montiert und mit den Namen der Sieger graviert. Damit sind die Sterne nun bereit, um beim Jubiläum am 2. Mai 2026 im Zürcher Kongresshaus von Monika Kaelin höchstpersönlich überreicht zu werden. Und danach der Ruhestand? «Nein, nein, nein!», platzt es aus ihr heraus. «Irgendwann trete ich sicher kürzer. Aber auch dann werde ich, wie einst ‹Kronenhalle›-Chefin Hulda Zumsteg, mit einem Stock von Tisch zu Tisch gehen und die Gäste begrüssen – so lange, wie der Herrgott es mir ermöglicht.»

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