Glamouröse Eröffnung im Kongresshaus
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Zurich Fashion Week 2026:Die grosse Eröffnungsfeier im Kongresshaus

Modepapst van Rooijen rechnet mit Zurich Fashion Week ab
«Darüber lacht jetzt jeder»

Pures Chaos und unbezahlte Rechnungen: Der Schweizer Mode-Experte Jeroen van Rooijen (55) findet im Interview mit Blick deutliche Worte zum Debakel der Zurich Fashion Week. Er spricht von «Hochstapelei», einem massiven Imageschaden und rät dazu, den Event zu begraben.
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Die Zurich Fashion Week rund um Tamy Glauser steht massiv in der Kritik.
Foto: Bild: Reto Turotti (szenemagazin

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zurich Fashion Week: Glanzvolle Shows, doch hinter den Kulissen Chaos und Schulden
  • Goodie Bags als wertlos kritisiert, Sponsoren und Designer schwer enttäuscht
  • Keine internationale Resonanz, Veranstalterin Tamy Glauser heftig in der Kritik
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Laszlo SchneiderTeamlead People-Desk

Blick: Herr van Rooijen, die Zurich Fashion wurde als glanzvoller Event inszeniert, doch hinter den Kulissen herrscht laut Berichten pures Chaos und Zahlungsverzug. Ist das schon modische Insolvenzverschleppung?
Jeroen van Rooijen: Zu einer Modenschau gehört immer ein gewisses Mass an Chaos und Improvisation, das liegt quasi in der Natur der Sache – nur sollte der Zuschauer davon halt nichts merken. Cool ist es nicht. Dass Rechnungen nicht bezahlt werden, deutet aber sicher auf ein grösseres Puff hin.

Sie betonen oft, dass es in der Mode auf den Millimeter ankommt. Wie viele Kilometer lag die Organisation der diesjährigen Fashion Week von Ihrem Qualitätsbegriff entfernt?
Ich würde schon von Meilen sprechen, die man noch davon entfernt ist, eine wirklich ernstzunehmende Fashion Week zu sein. Mit Paris und Mailand kann man es eh nicht aufnehmen, aber sogar Kopenhagen oder Amsterdam machen es besser und professioneller. Mit so einem grossen Begriff muss man auch Qualität liefern, nicht Pfusch, sonst erleidet auch die Stadt einen Kollateralschaden.

Wenn das Wichtigste an einer Modewoche die unvollständige «Goodie-Bag» und der Ärger der Sponsoren ist – was sagt das über den Zustand der Schweizer Designszene aus?
Goodie Bags sind Blödsinn, jeder weiss aus Erfahrung, dass da nur fast wertlose Muster und Werbung drin ist. Zu behaupten, die wären 2000 Franken wert, ist Hochstapelei und Bluff. Ernstzunehmende Fashion Weeks brauchen solchen Ramsch nicht, um das Publikum anzuziehen.

Wie gross ist der Imageschaden für die Schweizer Modewelt?
Der Schaden ist gross – nicht nur für die beteiligten Designer und Sponsoren, sondern auch für all jene, die sich seit Jahren darum bemühen, Schweizer Mode eine Plattform und Bühne zu bieten. Wie gesagt: Der viel zu gross gewählte Begriff der «Fashion Week» ist eine Anmassung. Darüber lacht jetzt jeder, der sich auskennt. International dürfte der Reputationsschaden noch nicht allzu gross sein: Ausländische Berichterstatter von Rang und Namen waren zum Glück eh keine dabei.

Tamy Glauser steht als Präsidentin im Fokus. Braucht eine Fashion Week eher ein prominentes Gesicht als Aushängeschild oder jemanden, der ein Budgetblatt lesen kann?
Ich mag Tamy als Person und Phänomen, sie ist eine aufrichtige Frau und eine komplexe Persönlichkeit, die fasziniert. Sie hatte im Vorfeld des Events sicher eine gewisse Strahlkraft. Doch sie hat sich mit dem Job letztlich keinen Gefallen getan und gewaltig übernommen. Die Auswahl der Designer:innen war nicht nachvollziehbar – zumindest diesen Teil hätte man einem glaubwürdigen Gremium übertragen müssen. Die Finanzen wahrscheinlich auch.

Experte für Mode und Stil

Jeroen van Rooijen stammt aus der Ostschweiz und brachte sich mit zwölf Jahren das Schneidern auf Mutters Bernina-Nähmaschine selbst bei. 1991 schloss er die Kunstgewerbeschule Zürich als diplomierter Modegestalter ab. Nach Tätigkeiten bei Radiostationen und Modezeitschriften kam er 2003 zur «Neuen Zürcher Zeitung», wo er das Stilressort aufbaute und die Luxusbeilage «Z» lancierte. Er schrieb viel gelesene Stilkolumnen und war bis 2014 als Stilfachmann auf Radio SRF3 zu hören. Er ist Mitbegründer und Co-Inhaber des Concept Stores Cabinet im Viadukt in Zürich.

Weiss, worauf es bei der Kleidung ankommt: Jeroen van Roojien.
Philippe Rossier

Jeroen van Rooijen stammt aus der Ostschweiz und brachte sich mit zwölf Jahren das Schneidern auf Mutters Bernina-Nähmaschine selbst bei. 1991 schloss er die Kunstgewerbeschule Zürich als diplomierter Modegestalter ab. Nach Tätigkeiten bei Radiostationen und Modezeitschriften kam er 2003 zur «Neuen Zürcher Zeitung», wo er das Stilressort aufbaute und die Luxusbeilage «Z» lancierte. Er schrieb viel gelesene Stilkolumnen und war bis 2014 als Stilfachmann auf Radio SRF3 zu hören. Er ist Mitbegründer und Co-Inhaber des Concept Stores Cabinet im Viadukt in Zürich.

Zürich träumt immer wieder vom internationalen Modeparkett. Ist dieser neuerliche Eklat der finale Beweis, dass die Stadt modisch gesehen lieber bei der Bahnhofstrasse und soliden Bankeranzügen bleiben sollte?
Die Schweiz hat eine Modeszene, aber sie ist nicht zu vergleichen mit jener in den grossen Metropolen – auch nicht mit Antwerpen. Sie wird seit Jahren gut gefördert von der Mode Suisse – daneben braucht es keine weitere «Konkurrenzveranstaltung», die letztlich nur ein blöder Promi-Event ohne modische Relevanz ist.

Kann man die Zurich Fashion Week noch retten? Und wenn ja – wie?
Ich denke, man sollte, nachdem der Scherbenhaufen zusammengekehrt ist, den Begriff und das Event begraben und das Thema wieder jenen überlassen, die sich damit auskennen und seit Jahren für die Schweizer Mode tätig sind. Ich erwarte keine zweite Ausgabe der ZFW und wäre froh, wenn sich meine Prognose bewahrheitet.

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