Darum gehts
- Tamy Glauser lebt seit Dezember 2025 in einer WG in Zürich
- Sie ist Präsidentin der Zurich Fashion Week und TV-Show-Teilnehmerin
- Die 41-Jährige trainiert täglich 10 Minuten Seilspringen auf dem Dach
Die Stufen des alten Zürcher Treppenhauses knarren bei jedem Schritt. Die Luft riecht nach Holz und Kaminrauch. «Es ist ganz oben», ruft eine entspannte Stimme aus der Wohnung im fünften Stock. Dort steht Tamy Glauser im Türrahmen. «Wie trinkt ihr euren Kaffee?», fragt das ehemalige Topmodel mit einem Lächeln und setzt Wasser auf.
Nach einer längeren Auszeit in Asien lebt Glauser seit Anfang Dezember in einer schmucken Vierzimmerwohnung im Zürcher Kreis 4. Ihr Zuhause teilt sie mit einer Künstlerin, die bewusst im Hintergrund bleiben möchte. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch mal klarkomme in einer WG», sagt Glauser und lacht. «Aber wir verstehen uns wirklich sehr gut. Wir teilen dieselben Werte und haben ähnliche Interessen.»
Mode und Realityshows
Ein Ort der Ruhe ist für Tamy Glauser kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Denn die Karriere der 41-Jährigen verläuft derzeit in mehreren Bahnen gleichzeitig: Sie ist Präsidentin der Zurich Fashion Week. Zudem sieht man Glauser aktuell in der Survival-Show «7 vs. Wild» auf 3+, in der sieben Prominente 14 Tage lang in der Wildnis ausgesetzt werden. Bald ist sie auch Teil der SRF-Produktion «Shaolin Challenge», in der Stars körperliche und mentale Grenzen ausloten. «Ich liebe es, mich herauszufordern.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
Seit Tamy Glauser in der Öffentlichkeit steht, hinterfragt sie gesellschaftliche Normen – und sprengt sie immer wieder. Als Model lief sie früh sowohl für Männer- wie auch für Frauenmode über die Laufstege sämtlicher Modemetropolen und entzog sich konsequent jeder Schubladisierung. In ihrer Beziehung mit Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht (36) prägte sie bis zur Trennung 2020 als «Tamynique» die LGBTQ-Debatte in der Schweiz.
Tamy – oder «Tämy», wie ihre Freunde sie nennen – ist Model, Aktivistin und Künstlerin. Eine öffentliche Figur, die provoziert, bewegt und selten neutral wahrgenommen wird. In ihrem Zuhause wirkt sie dennoch auffällig ruhig. «Ich fühle mich gerade sehr angekommen, wie schon lange nicht mehr», sagt sie, nimmt einen Schluck von ihrem Cappuccino mit Hafermilch und lehnt sich im Stuhl zurück. «Ich mag Menschen, bin sehr sozial – bis ich es nicht mehr bin und wieder Zeit für mich brauche.»
Die gemütliche Altbauwohnung ist Glausers Rückzugs- und Regulationsraum. In der Mitte des Wohnzimmers steht ein grosser Holztisch, dahinter ein prall gefülltes Büchergestell. Kunst erstreckt sich über die Wände. «Manchmal meditiere ich hier oder lese.» Ein Buch über Tierbegegnungen liegt bereit. «Wenn so ein Kontakt entsteht, schaue ich nach, was das bedeuten könnte.» Auf die Frage, welches Tier sie selbst wäre, antwortet sie, ohne zu zögern: «Ein Puma. Wenn ich mich bewege, hört man mich kaum.»
Mentorenrolle statt Bühne
Gleichzeitig ist die neue Wohnung auch ihr Büro. «Ich mache hier ganz viele Videocalls für die Fashion Week.» Als Präsidentin und Gründerin habe sie überall Einblick, sei überall involviert, vor allem bei den Castings und den Runway-Shows. «Mentorin zu sein und mein Wissen weiterzugeben, ist mir heute wichtiger als jede eigene Bühne.»
Und doch: Wenn es darauf ankommt, ist Tamy Glauser immer noch: das Model. Die 1,81 Meter grosse Bernerin greift selbst in der kleinen separaten Waschküche im Innenhof nach dem Wäschekorb – so elegant, als würde sie über den Laufsteg schweben. «Wenn alles frisch ist – dieses Gefühl liebe ich.» Nach den Dreharbeiten der Survival-Show in der Dominikanischen Republik weiss Glauser diesen Komfort besonders zu schätzen. «Ich war noch nie in meinem Leben so dreckig wie dort», sagt sie und lacht. «Ich bin unglaublich froh, dass ich das gemacht habe – und dass ich das nie mehr machen muss.»
Die Wildnis hat Glausers Blick auf den Alltag verändert – und damit auch ihre Routine. Auf dem Dach über ihrer WG trainiert die ehemalige Leistungsschwimmerin täglich. Hier springt sie Seil. Zehn Minuten jeden Morgen – mindestens. «Früher habe ich als Erstes Kaffee getrunken. Heute bewege ich zuerst meinen Körper. Mir fehlt etwas, wenn ich diesen Start nicht habe.»
Hat Glauser Zeit und ist sie nicht zu Hause, bewegt sie sich durch ihr Quartier. Dazu gehören ein Besuch im Comic-Laden um die Ecke oder ein Kaffee im «Bros Beans & Beats». Hier trifft sie auch Komikerin und Moderatorin Tamara Cantieni (52) mit der sie sich bei «7 vs. Wild» angefreundet hat. «Ich schätze Tamaras Wärme, ihre Herzlichkeit und muss viel lachen mit ihr», sagt Tamy Glauser. Freundschaft bedeute für sie nicht ständigen Kontakt, sondern Verlässlichkeit. «Wenn es wirklich darauf ankommt, ist man füreinander da.»
Am Ende des Tages steht Glauser wieder im Wohnzimmer. Noch sind nicht alle Kisten ausgepackt, aber das stört sie nicht. «Dass ich im Moment nicht gleich wieder auf dem Sprung bin, daran muss ich mich noch gewöhnen.» Irgendwann werde sie sich ein eigenes Zuhause suchen, ein Nest bauen. «Aber noch nicht jetzt», sagt Tamy Glauser abschliessend. «Jetzt bin ich erst mal hier. Und das ist gut so.»