Kampf ums Radio-Überleben
Roger Schawinski arbeitet seit 18 Jahren ohne Lohn

Roger Schawinski bleibt seinem Sender Radio 1 trotz harter Werbemärkte treu. Der Medienpionier spricht mit Blick über schwarze Null, Zukunftsängste und warum er seinen Nachfolgern mehr als nur Nostalgie hinterlassen will.
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Roger Schawinski spricht über die Zukunft von Radio 1.
Foto: ANTHONY ANEX

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Roger Schawinski warnt vor Krise im Radiomarkt und fordert Umdenken
  • Radio 1 verlor zehn Millionen Franken, schreibt seit Jahren schwarze Null
  • Täglich 100'000 Hörer, doch Werbeeinnahmen brechen, Zukunft bleibt ungewiss
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Fynn MüllerPeople-Redaktor

Im Gastkommentar in der «NZZ» zeichnet Roger Schawinski (80) ein deutliches Bild der Herausforderungen im Radiomarkt. Der Druck auf klassische Werbemodelle habe sich massiv verschärft, auch sein eigenes Radio 1 sei davon betroffen. Vieles habe sich verschoben. Stabile Einnahmen fallen weg. Unsicherheit herrscht.

Mit Radio 1 hat Schawinski 10 Millionen Franken Verlust gemacht, schreibt der «Tages-Anzeiger». Gegenüber Blick stellt der Chef des Privatsenders klar: «Vieles wurde investiert, zum Beispiel in Studios. Seit Jahren schreiben wir eine schwarze Null, weil wir viele weiterhin treue Werbekunden haben, die unser Radio mit seinen vielen journalistischen Inhalten und den täglichen 100'000 Hörern schätzen.»

Seit 18 Jahren verzichtet Schawinski bei seinem Sender auf ein Salär. Ist Radio für ihn also eher ein Hobby als ein Geschäft? «Ich habe vor Jahrzehnten das SRG-Monopol bei Radio und beim Fernsehen gebrochen. Dies war wichtig. Nun möchte ich nicht, dass die private Radiolandschaft untergeht oder verödet. Als leidenschaftlicher Journalist bin ich der Meinung, dass es regionale, private Medien mit vielen Inhalten auch in Zukunft geben muss.»

Zukunft des Radios und sein Appell

Trotz der treuen Zuhörerschaft von Radio 1 bleibt die Perspektive herausfordernd. Die Zukunft seines Senders sieht er nicht als Selbstläufer. Auf die Frage, wie lange sich Radio 1 noch halten kann, sagt Schawinski: «Noch lange. Aber es ist meine Aufgabe, meinen Nachfolgern ein Unternehmen mit einem funktionierenden Geschäftsmodell zu übergeben. Dieses gibt es nach dem weitgehenden Wegfall der Werbung nicht mehr. Deshalb kämpfe ich für unsere ganze Medienbranche, so wie ich vor kurzem für UKW gekämpft habe.»

In der «NZZ» schrieb er dazu: «Als Geschäftsführer habe ich noch nie ein Salär bezogen, und die Anfangsverluste im hohen einstelligen Millionenbereich blieben bis heute bestehen. Dies ist für mich dank der Erfolge der Vergangenheit kein Problem. Aber irgendwann muss ich meinen potenziellen Nachfolgern einen Betrieb mit einer gesunden wirtschaftlichen Basis übergeben können.»

Im Zentrum seines Appells steht die Rolle des Radios als publizistisches Angebot mit gesellschaftlicher Bedeutung. Besonders Regionalität und journalistische Tiefe hebt er hervor: «Weil wir eine wichtige Aufgabe des Service public im regionalen Bereich übernehmen, ähnlich wie die hochsubventionierte Kultur. Dazu aber braucht es die finanziellen Mittel für Journalisten, die heute überall weiter wegrationiert werden.» Nötig sei hier ein Umdenken, ehe es zu spät ist. «Bevor es zu einem Kollaps kommt. Andere Länder, vor allem in Nordeuropa, haben dies begriffen. Sie sollten uns als Beispiel dienen. Dies ist mein Weckruf, mit dem ich mich zu Wort gemeldet habe.»

Spannend: Fragt man Schawinski, was er heute anders machen könnte, wenn er nochmals bei null starten könnte, lautet seine Antwort: «Nichts. Die Tiktokisierung der Medienwelt konnte ich nicht voraussehen.»

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