Gaudenz Flury über seine Zukunft bei SRF
«Weiter Vollgas geben ist das beste, was wir tun können»

Gaudenz Flury wird Mitte 2026 neuer Leiter von SRF-«Meteo». Abseits dessen plant er den Wien-Marathon und Reisen ins Baltikum im September.
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Gaudenz Flury wird neuer Chef bei SRF «Meteo».
Foto: SRF / Gian Vaitl

Darum gehts

  • Gaudenz Flury wird Mitte 2026 neuer Leiter von SRF-«Meteo»
  • Er plant den Wien-Marathon und Reisen ins Baltikum im September
  • 14-köpfige Redaktion profitiert von eingespieltem Team und Buchelis Aufbauarbeit
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Miriam Zollinger
Tele

Schwer hängt der Hochnebel über dem Unterland. Doch Gaudenz Flury (45) scheint das nichts auszumachen, der SRF-Meteorologe hat ein sonniges Gemüt. Entsprechend leicht fällt es, mit ihm zu reden, zu plaudern, zu sinnieren. Ab und zu streift man auch Privates, etwa den lädierten Familienliebling. «Unser Kater war am Kränkeln, doch kaum hatten wir ihn beim Tierarzt angemeldet, wurde es wieder besser.»

Der Davoser zeigt sein breitestes Grinsen. Jaja, es sei stets etwas los bei ihm derzeit, erklärt er, «auch beruflich, aber das kunnt scho guat». Viel mehr kann er schlicht nicht dazu sagen – ausser dass er Mitte Jahr den Laden bei SRF-«Meteo» übernimmt. Dass er sich um die Nachfolge von Thomas Bucheli bewirbt, war für Flury bis letzten Sommer so wenig ein Thema wie Polarlichter in der Sahara. Dann aber war es plötzlich eins und wird er darum nach 13 Jahren, wo er einfach nur Kollege war, bald Vorgesetzter sein. «Das ist noch nicht fassbar, wird aber in gewissen Situationen speziell sein, könnte ich mir vorstellen.»

Ein Hoch auf den neuen Chef

Ein Problem sieht er darin nicht. Um dranzubleiben, will er auch in der neuen Funktion Frühschichten schieben (und um 2.50 Uhr den Wecker verfluchen). «Vielleicht nicht mehr vier-, fünfmal im Monat.» Wie es ist, eine 14-köpfige Crew zu leiten, werde er herausfinden und lernen müssen. Was Flury dabei hilft: Er übernimmt eine eingespielte, gut aufgestellte Redaktion. «Der Betrieb funktioniert», betont er, «weil Thomas ein supertolles Team aufgebaut hat.» Ein Team, das sich mit ihm freut. Als SRF Ende Oktober kommunizierte, er sei der neue Redaktionsleiter, war die Wetterkarte in der Spätausgabe mit lauter Ortsnamen gespickt, die etwas mit Gaudenz Flury zu tun haben (siehe zweites Bild).

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Ein Hoch auf den neuen Chef! Beim Publikum aber lösen die «Meteo»-Sendungen nicht immer Hochgefühle aus. Und so wird sich die «Wall of Blame» in der Redaktion, wo besonders pointierte Zuschriften prangen, weiter füllen. «Es gibt halt immer einige Zuschauer, die nicht so zufrieden sind mit uns», sagt Flury lakonisch. Vor allem dann natürlich, wenn sich das Wetter anders zeigt als prognostiziert. «Auch ich ärgere mich massiv, wenn ich in der Frühschicht sage, überall bleibe es trocken, und mich dann am Mittag frage, wieso es jetzt in der Romandie schifft!» Aber das gehöre zum Geschäft – genauso wie die Wortmeldungen, die unweigerlich folgen. «Es wird dann moniert, das und das habe nicht gestimmt. Und ich denke dann jeweils, ja, wir haben’s im Fall auch gemerkt …»

Joggen gegen die Midlife-Crisis

Doch wenn das helfe, dürfe man ihm dies gern weiterhin mitteilen. Er schmunzelt. Flury tritt seinen neuen Job in einem für die SRG wegweisenden Jahr an. Zur «200 Franken sind genug»-Initiative vom 8. März, die bei einer Annahme jede Sendung und somit auch «Meteo» beträfe, sagt er nur: «Klar, nehme ich die Initiative ernst. Das Beste, was wir tun können, ist, weiterhin Vollgas zu geben für unser Publikum.» Was dann bei der Abstimmung herauskomme, gelte es «als demokratischen Entscheid zu akzeptieren».

Gefragt nach irgendwelchen Vorsätzen fürs neue Jahr, die nichts mit dem Job zu tun hätten, schüttelt er zuerst den Kopf, rückt dann aber doch mit einem heraus. «Ich habe mich mit Kollegen für den Wien-Marathon angemeldet!» Diese «obergeniale Idee», er lächelt schief, sei ihnen nach dem Greifenseelauf gekommen, wo sie fanden, nach dem Halbmarathon noch einen ganzen rennen zu müssen. «Mein Vorsatz ist also, relativ viel zu joggen. Die Pumpe funktioniert zwar, aber aktuell wäret mini Scheicha schnell Matsch.» Ist es möglich, dass dieses Vorhaben allenfalls Ausdruck einer kollektiven Midlife Crisis ist? «Hmm … Schwierig, da einfach so Nein zu sagen, nur schon von meinem Alter her. Und Marathonlaufen ist natürlich typisch, das hört man ja immer wieder.» Wahrscheinlich sei es genau das. Er lacht laut heraus.

Wohin geht die nächste Reise?

Nun müssen wir natürlich noch auf seine Reisepläne fürs neue Jahr zu sprechen kommen. Immerhin ist das ja auch ein Grund für unser Treffen. Flury zählt auf: «Im Februar eine Woche Davos mit der Familie», wo er langlaufen und telemarken will. Dann der Marathon und Ferien anhängen in Wien, «wenn man schon mal da ist». Und im Sommer wieder Berge, Wallis und Graubünden. Später, im Herbst, biken mit Frau und Sohn, in der Schweiz oder Italien. Da erscheint die TELE-Reise, die ihn im September ins Baltikum führt, ja fast als ein Fernziel, oder? «Heute schon», aber früher, sinniert er und blickt aus dem Fenster, habe es ihn auch ans Ende der Welt verschlagen: Patagonien, Australien, Neuseeland.

Down Under wollte er ein ganzes Jahr bleiben. «Het nid klappat.» Klappen soll dafür die Leserreise nach Lettland und Litauen – mit Gaudenz Flury als fachkundigem Begleiter. Am meisten gespannt sei er auf die Wanderdünen, sonst wolle er sich überraschen lassen, was die Länder zu bieten haben. Und natürlich Einblicke in die baltische Wetterküche geben sowie «ab und zua es Ründeli macha». Obwohl – und diese Prognose stimmt zu 100 Prozent – seine Beine dann rascher wieder matschig würden, da der Marathon schon ein paar Monate zurückliegen wird.

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