Fäaschtbänkler aus St. Gallen
Diese Schweizer Band hat Millionen Fans im Ausland

Ausgerechnet im Ausland wurden die Fäaschtbänkler zu Superstars: Fast zwei Millionen Menschen hören ihre Musik jeden Monat. Wie fünf Dorfmusiker aus dem St. Galler Rheintal zum grossen Schweizer Musikexport wurden.
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Michael Hutter, Roman Wüthrich, Roman Pizio, Andreas Frei und Marco Graber (v. l.) produzieren im Hobbyraum in Altstätten SG Videos für Social Media.
Foto: Joseph Khakshouri

Darum gehts

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Vanessa Nyfeler
Schweizer Illustrierte

Akkordeonspieler Roman Wüthrich (34) schneidet ein Stück Käsewähe und reicht es seinem Bandkollegen Marco Graber (42). Doch kaum liegt es auf dessen Teller, zerfällt es. «Hoppla», sagt Wüthrich und schneidet ein zweites Stück. Doch dieses bricht ebenfalls auseinander. Wüthrich blickt auf die Käsewähe, dann grinsend in die Runde. «Langsam nehme ich das persönlich.» Trompeter Roman Pizio (37) klopft ihm auf die Schulter, Klarinettenspieler Michael Hutter (40) schüttelt schmunzelnd den Kopf.

Rockstar-Momente sehen anders aus. Keine Champagnerflaschen, kein Backstage-Luxus. Stattdessen wird im Garten von Gitarrist Andreas Frei (35) in Altstätten SG Rotwein eingeschenkt und immer wieder jemand daran erinnert, nicht zu laut zu sein. Freis Töchterchen schläft nämlich schon.

Ein Prost auf Freundschaft und Musik: Marco Graber, Roman Pizio, Roman Wüthrich, Andreas Frei und Michael Hutter (v. l.).
Foto: Joseph Khakshouri

Heimspiel? Lieber Ausland

Wer die Truppe so erlebt, würde nie vermuten, dass hier eine der erfolgreichsten Schweizer Bands überhaupt am Tisch sitzt. Rund 1,8 Millionen Menschen hören jeden Monat ihren Mix aus Blasmusik, Pop und Techno auf Spotify. Damit zählen die Fäaschtbänkler zu den zehn meistgestreamten Schweizer Acts – vor Grössen wie DJ Bobo, Monet192 oder Hecht.

Die fünf Musiker spielen rund ums Jahr fast jedes Wochenende zwei Konzerte. Mal in Österreich, mal in Deutschland und längst auch in Polen, wo Tausende ihre hochdeutschen Texte auswendig mitsingen. «Das ist jedes Mal aufs Neue überwältigend», schwärmt Hutter.
Nur in der Schweiz sind die Auftritte rar und ihr Erfolg läuft unter dem Radar. Dass es im benachbarten Ausland besser sei, führen die Jungs auf den dortigen Stellenwert der Blasmusik zurück. Dieser sei bei Weitem höher als daheim. «Die Szene ist viel grösser als hier bei uns», erklärt Graber. Auch der Wechsel von Mundart zu Hochdeutsch öffnet ihnen neue Türen und macht ihre Musik einem grösseren Publikum zugänglich. Dass sie im eigenen Dorf weiterhin ungestört einkaufen können, finden sie gar nicht schlecht. «Das hat eigentlich nur Vorteile. Wir sind hier einfach ganz normale Bürger im Dorf.»

Die Fäaschtbänkler standen kürzlich zweimal vor je 10'000 Festivalfans auf der Bühne der Burg Clam im oberösterreichischen Mühlviertel.
Foto: ZVG

Von der Festbank auf die Bühne

Hier auf dem Land begann vor rund 20 Jahren auch ihre Geschichte: Drei der fünf lernten sich in der Jugendmusik Kriessern kennen, die beiden anderen stiessen später dazu. Aus einer Gruppe Freunde wurde eine Band und aus der Band ein erfolgreiches Unternehmen, von dem heute alle hauptberuflich leben. Roman Pizio kümmert sich um die Social-Media-Kanäle, Marco Graber um die Finanzen und Michael Hutter um Merchandising und Versand. Roman Wüthrich verantwortet die Arrangements und Notenausgaben, Andreas Frei produziert sämtliche Songs im eigenen Tonstudio. «So kann sich jeder irgendwo ausleben», sagt Frei.

Dass dieses Prinzip funktioniert, zeigt sich auch darin, wie sie miteinander umgehen. «Wir wissen einfach, wies klappt», erklärt Pizio. «Wenn auf der Bühne etwas passiert, stehen vier Leute neben dir, die dich auffangen», so Wüthrich. Genau dieses Vertrauen macht für Roman Pizio den Kern der Band aus. «Uns verbindet seit Jahren etwas: die Freude an der Musik. Und das wird auch weiterhin so sein.» Selbst die Suche nach dem Bandnamen verlief herrlich unkompliziert. «Michi war der Einzige, der seine Hausaufgaben erledigt hatte», erinnert sich Frei. «Wir hatten genau zwei Vorschläge», sagt Graber. «Der eine war mega schlecht und der andere ‹Fäaschtbänkler›.» Weil die Band an ihren ersten Auftritten oft auf Festbänken statt auf Bühnen spielte.

Auch zu Hause in Altstätten SG musiziert Andreas Frei gern. Schläft seine kleine Tochter, ist allerdings Ruhe angesagt.
Foto: Joseph Khakshouri

Gross über Strategien nachgedacht habe die Band allgemein nie: «Wir haben einfach immer gemacht und veröffentlicht», so Roman Wüthrich. Fast wäre ausgerechnet «Can You English Please» gar nicht aufs Album gekommen. Heute gehört der Song zu ihren grössten Hits.
Klar ist: Grossspurigkeit ist nicht ihr Ding. Dass die Fäaschtbänkler trotz ihres Erfolgs bis heute keinen Swiss Music Award gewonnen haben, überrascht. Darauf angesprochen, findet Pizio, das wäre schon mal etwas Schönes. Hutter hingegen zuckt nur mit den Schultern. «Solche Preise bedeuten mir nicht besonders viel.»

Für den Social-Media-Auftritt der Band ist Roman Pizio zuständig. Die Fäaschtbänkler erreichen damit über eine halbe Million Follower.
Foto: Joseph Khakshouri

Die unterschätzten Superstars

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieser Band. Sie wollten nie berühmt werden. Sie wollen einfach Musik machen. Und während andere ihre Karrieren minutiös planen, lassen die Fäaschtbänkler vieles einfach entstehen. Freundschaft statt Konkurrenz. Teamarbeit statt Einzelkämpfer. Bodenständigkeit statt Rockstar-Ego.

Viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt ohnehin nicht. Das nächste Konzert wartet bereits. Und irgendwo zwischen Altstätten, Wien und Hamburg werden wieder Tausende Menschen ihre Lieder mitsingen, während die Schweiz noch immer ein bisschen unterschätzt, was aus dem Rheintal längst die Bühnen Europas erobert.

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