Lieblingsdialekt der Schweizer
Warum mögen wir Bärndütsch so sehr?

Seit Jahren dominiert Bärndütsch die Mundartszene. Aber wieso? Ein Zürcher Regisseur geht auf berührend-amüsante Spurensuche.
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Dokfilmer, Geisteswissenschaftler, Musiker: Stascha Bader.

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Berner Dialekt dominiert die Schweizer Mundartmusik, Film untersucht dessen Geheimnis
  • Überraschung: Berner Musiker gelten als hochkarätige Dichter mit Weltliteratur-Qualität
  • Gölä füllte 2002 zweimal Zürcher Hallenstadion, 2025 erneut erfolgreich
Miriam Zollinger
Tele

Mani Matter, Züri West, Gölä, Patent Ochsner, Steff la Cheffe, Greis, Polo Hofer, Plüsch, Endo Anaconda, Span, Natacha – die Liste könnte beliebig verlängert werden. Doch so unterschiedlich die Hits dieser Künstler/-innen sind, sie haben etwas gemeinsam: den Dialekt.

Dieses Bärndütsch gibt in der Mundartmusik schon lange, sehr lange, den Ton an. Aber wieso eigentlich, will der Zürcher Filmemacher Stascha Bader wissen und geht für «Das Geheimnis von Bern» auf die Suche nach Antworten, trifft Musiker, befragt Fachleute, klopft bei der Wissenschaft an, hinterfragt gängige Erklärungen, reist dafür auch in die Vergangenheit.

TELE: Wieso gibt es diesen tollen Musikfilm eigentlich erst jetzt?
Stascha Bader:
Danke! 2002 hat Golä als erster Schweizer Mundartrocker das Hallenstadion in Zürich zweimal gefüllt …

… 2008, 2018 und 2025 erneut.
Ja, und der ist ausgerechnet ein Berner. Wir Zürcher haben es einfach nicht geschafft. Nun ja, fast: Bligg trat später auch dort auf. Frag mal Leute auf der Strasse nach jemand aus dem Kanton Luzern oder Thurgau: Hecht, und sonst? Aber aus dem Bernischen, da spuckst du eins, zwei drei, ganz viele einfach so raus, zack!

Und was ist mit anderen Dialekten?
Punktuell schon, Manuel Stahlberger etwa, wunderbar, super, Chapeau. Bern hingegen ist ein breiter Fluss. Darum auch die Schlusseinstellung mit der Aare.

Die Szene ist mit «Aare» von der Band Stiller Has unterlegt. Wieso?
Endo Anaconda wäre auch im Film gewesen, doch dann ist er leider früher aus dem Leben ausgestiegen (er starb 2022; die Red.). Darum wollte ich mit ihm aufhören.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Eine schöne Reverenz. Aber zurück zum Anfang, dem Anstoss für Ihren Film. «079» von Lo & Leduc war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, richtig?
Ja, da habe ich gesagt, «jetzt isch fertig!». Alle sangen «079», die Spatzen vom Dach, die Kinder auf der Strasse. Und ich dachte, nun will ich’s wissen, denn es ist immer aus Bern. Also musste ich mich als Zürcher auf den Weg machen und habe die Lupe auf die aus Bern gelegt.

Was überraschte Sie bei der Suche?
Die grosse Überraschung war: Es hat sich bestätigt. Bob Dylan erhielt als erster Popsänger einen Literaturpreis, den Nobelpreis. Für Lyrik. Klar, denn die Lyra ist die altertümliche Gitarre, mit ihr hat man in der Antike Gedichte begleitet. Auch die Pop-Lyrikerinnen und -Lyriker im Kanton Bern hätten für ihre Verse längst ganz viele Literaturpreise verdient, denn sie sind hochkarätige Dichterinnen und Dichter. Wenn etwas auf Berndeutsch kommt, weisst du, es kommt eine gute Geschichte.

Die Ursache für die Dominanz des Berner Dialekts liegt weit zurück.
Sie haben das Literarische einfach im Blut und erzählen eine Geschichte nach der anderen – ein Geschichtenfluss. Und die Berner Stimme ist der ganzen Schweiz quasi eingeimpft worden, unter anderem mit Jeremias Gotthelf.

Es sind allesamt Klassiker, man liest und liebt sie heute noch.
Ich auch. «Elsi, die seltsame Magd» etwa, eine Hammerstory, da kommen mir immer die Tränen. Das ist Weltliteratur, da kannst du neidlos sagen: «Leute, genial!».

Davon zehren «die z Bärn» bis heute.
Ja, die kennen die ganze Tradition in- und auswendig, bauen auf diesen Wurzeln auf. Genauso die Jungen auf den Böötli am Schluss. Wenn sie warteten, klimperten sie los und sangen Mani Matter, dann Züri West, ein Lied nach dem anderen.

Die Jungen heute finden gut, was wir gut fanden. Das ist erstaunlich, denn meistens will man sich ja von den Älteren abgrenzen.
Polo Hofer hat das getan. Als er anfing, war Mani Matter für ihn ein Krawättler. Polo hat gekifft, hatte lange Haare, Mani trug kurze Haare und Anzug. Die haben sich nicht vertragen. Aber später hat Polo Mani entdeckt und auch seine Lieder gesungen. Dasselbe mit Steff la Cheffe, die als Rapperin gegen Tradition war. Dank dem «Guggisberglied» hat sie den Kontakt zu ihren Schweizer Wurzeln gefunden.

Was hört Ihre 13-jährige Tochter?
Stray Kids, eine südkoreanische K-Pop-Boygroup. Und sie hat Michael Jackson entdeckt, sucht auf Flohmärkten CDs und LPs von ihm, hat den Film über ihn dreimal gesehen. Was sie nicht ausstehen kann, ist Zürich-Hip-Hop. Sie ist eine Feinfühlige, mag intelligente Texte – und die rappen so gruusigs Züüg.

Das sagen Sie als Zürcher! Ist Berndeutsch reicher an Wörtern?
Nein, alle Dialekte sind ebenbürtig. Jede Sprache dieser Welt ist als System flexibel und adaptiv genug, um zu beschreiben, was draussen in der Realität passiert – egal, ob Ochsenkarren oder Elektroauto.

Und doch ist Bärndütsch anders.
Ich weiss auch nicht, was es ist. Du rufst irgendwo an, Mobility, eine Versicherung, hast jemand aus Bern am Telefon und dir wird warm ums Herz. Es ist sofort freundlich, herzlich. Sie können sich auch in der Musik extrem gut ausdrücken, können Liebeskummer, Fernweh, Heimweh, alle emotionalen Gebiete. Basler können das nicht.

Aber sie können anderes, oder?
Basler sind scharfsinnig. Schnitzelbank: In zwei, drei Sätzli bist du fix und fertig gemacht, oder? Das können Berner nicht.

Und wir Zürcher?
Man nennt das ja Zürischnöre. Und ja, wir sind sehr schnell, reden auch viel schneller, es geht alles viel rascher, ist urbaner, hektischer. Umgekehrt merkst du sofort, wenn in einer Sitzung eine Bernerin oder ein Berner hockt. Da wird ein Gang runtergefahren und alles irgendwie menschlicher. Verrückt, aber wahr (lacht).

Das Vorurteil bestätigt sich also.
Gemein, aber ja, sie sind schon gemütlich.

Wie ihr Bärndütsch. Mögen Sie es?
Ich finde jeden Dialekt schön, bin ein grosser Mundartfan. Aber ich bewundere diese Berner Jungs und Girls, ja.

Ihre Lieblingsszenen im Film?
Der «Guggisberglied»-Flashmob mit Christine Lauterburg, Steff la Cheffe und Traktorkestar im HB Bern. Gölä mit der Aussicht über den Brienzersee: traumhaft. Gölä ist einfach authentisch. Dann sagt er, er gehe ab und zu mit der Gitarre «is Chämmerli ueche», und wenn dabei etwas Gutes rauskomme, sage er «aube» Danke. Oder die jungen Böötler, so eine Lebensfreude, der eine rappt, der andere rockt, der dritte ist im Chanson zu Hause – wir wurden reich beschenkt von allen Künstlerinnen und Künstlern im Film.

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