Sie starb vor 15 Jahren
Wie Nella Martinetti (†65) an der Einsamkeit zerbrach

Es war ein strahlend schöner Sommertag, als die Schweiz im Juli 2011 eine ihrer schillerndsten Figuren verlor. Doch im Leben der grossartigen Sängerin war wenig Sonnenschein, sondern viel Schmerz und unerfüllte Träume.
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Grosse Stimme, grosse Inszenierung: Sängerin Nella Martinetti, die am 29. Juli 2011 im Alter von 65 Jahren starb.
Foto: Keystone

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Leo Lüthy, GlücksPost
Glückspost

Diesen Monat jährt sich Nella Martinettis Todestag zum 15. Mal. Wer an die Tessiner Frohnatur denkt, hört noch immer ihr lautes Lachen und vielleicht auch das fröhliche Klimpern ihres Tamburins. Ich war einst ihr «Schatzeli mio» – aber natürlich nicht das einzige. Sie begrüsste jeden und jede mit diesen Worten. Hinter der bunten Fassade der ewigen Optimistin verbarg sich jedoch eine zutiefst dramatische, oft schmerzhafte Lebensgeschichte.

Ihre Wurzeln lagen im idyllischen Brissago TI am Lago Maggiore. Dort, wo das Leben scheinbar sonnig und leicht ist, wuchs Nella auf. Schon als Teenager sass sie auf den Fenstersimsen des elterlichen Hauses, spielte Gitarre und sang mit ihrem Bruder Mauro. Obwohl sie erst eine Ausbildung zur Kindergärtnerin absolvierte, zog es sie unaufhaltsam auf die Bühne.

Grosse Einsamkeit

Martinetti war pure Musik. Sie schenkte uns lebensfrohe Hymnen wie «Bella Musica», schrieb für Peter, Sue & Marc den Evergreen «Io senza te» und verhalf 1988 einer damals noch unbekannten Céline Dion (58) mit «Ne partez pas sans moi» zum Eurovision-Triumph. Nella National war eine musikalische Riesin – und privat doch so unendlich verletzlich und einsam.

Wenn das Scheinwerferlicht erlosch, blieb in ihrem Haus in Jona SG eine erdrückende Stille. Nella Martinetti sehnte sich zeitlebens nach einer eigenen Familie. Doch sie opferte diesen Traum der Karriere und den falschen Männern. Ihre erste grosse Liebe – ein verheirateter Mann, den sie in ihrer Biographie «Paolo» nannte – stürzte sie in eine emotionale Hölle. Als sie von ihm schwanger wurde, drängte er sie zur Abtreibung. Heimlich reiste sie nach Mailand (I).

Tränen in der Garderobe

Ein schweres Trauma, das eine lebenslange Wunde in ihrer Seele hinterliess: «An diesem Abend war die Sehnsucht nach einem eigenen Kind unbeschreiblich gross, so gross, dass jede Faser meines Körpers schmerzte.» Später machten ihre turbulenten Liebesgeschichten Schlagzeilen. Sie zeigte sich an der Seite von Männern, die ihre Söhne hätten sein können – wie dem 30 Jahre jüngeren Schlagersänger Claudio de Bartolo (50). Vieles davon war bewusste Inszenierung, hinter der ein verzweifelter Schrei nach Liebe und Bestätigung steckte. Genützt hat es wenig; oft wurde sie ausgenutzt und bitter enttäuscht: «Das Private hat mich kaputtgemacht. Ich habe in der Garderobe oft bis kurz vor meinen Auftritten geweint. Dann musste ich rausgehen und für die Leute den Clown spielen.»

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Inmitten dieses privaten Chaos und der schweren körperlichen Leiden – sie litt jahrelang unter unheilbarer Fibromyalgie, Tablettensucht und schliesslich an Bauchspeicheldrüsenkrebs – gab es jedoch eine treue Retterin. Eine Frau, die zu ihrem echten emotionalen Anker wurde: Marianne Schneebeli (69). Hier der laute, exzentrische Paradiesvogel Nella, dort die stille, zurückhaltende Marianne. Erst 2009, als Nellas Krebserkrankung bereits bekannt war, liessen die beiden ihre Partnerschaft offiziell eintragen. Es war ein Schritt, der Martinetti sehr glücklich machte.

Wittwe erinnert sich

Marianne Schneebeli sagt heute zur GlücksPost: «Die Zeit mit Nella war herausfordernd, gleichzeitig aber auch sehr erfüllend. Ich konnte viel von ihr lernen, vor allem den Mut zu haben, sich selbst zu sein und zu bleiben. Ganz egal, was die Leute sagen. Das hat mich tief beeindruckt. Und ich bin sehr dankbar über die gemeinsame Zeit.»

In ihren letzten Monaten wurde es ruhig um die Sängerin. Die Schmerzen zermürbten sie. Dennoch weigerte sie sich bis zum Schluss, Mitleid zu erregen oder sich dem Schicksal einfach zu fügen. Sie blieb eine stolze Rebellin: «Es gibt keinen Mittelweg für mich. Gäbe es ihn, wäre ich eine ganz gewöhnliche Frau. Dann wäre ich nicht in der Öffentlichkeit, würde nicht provozieren und wäre nicht so geliebt und gehasst, wie ich es bin.»

Als die Ärzte ihr keine Hoffnung mehr machten, bewies sie ein letztes Mal ihren unbändigen Willen. Sie setzte die quälende Chemotherapie eigenmächtig ab, um die verbleibende Zeit intensiv und schmerzfrei zu erleben. Die 65-Jährige starb friedlich im Spital Männedorf ZH an der Seite ihrer Frau. Ihre Asche kehrte schliesslich dorthin zurück, wo ihre Stimme das erste Mal erklungen war: ins geliebte Brissago im Kanton Tessin.

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