Darum gehts
- Sivilian tritt am Samstag bei der Bern Pride in Bern auf
- Der Sänger erlebte Diskriminierung, will LGBTQ-Akzeptanz stärken und Mut machen
- Seine Show beginnt um 19 Uhr auf dem Bundesplatz
Wenn er am Samstag auf die Bühne auf dem Bundesplatz tritt, ist es für Sivilian (33) ein ganz grosser Moment: Der Thuner Sänger ist einer der Headliner der diesjährigen Bern Pride und setzt sich mit seinem Auftritt für die Akzeptanz der LGBTQ-Gemeinde ein. Denn auch er selbst hatte lange nicht den Mut, so öffentlich zu seiner Homosexualität zu stehen. Und erlebte erst kürzlich homophobe Attacken.
«Im Alter von 17 Jahren habe ich irgendwann realisiert, dass ich schwul bin und dass das auch nicht weggehen wird. Das war zunächst ein beängstigendes Gefühl für mich», sagt der aus der rund 1100 Einwohner zählenden Gemeinde Goldiwil BE stammende Musiker. «Für mich war klar: Ich muss eigentlich weg ins Ausland. Und träumte von einem Sprachaufenthalt in Kalifornien. Ich war mir sicher: Dort kann jeder so sein, wie er will.»
Lehrer betete für Schulkollegen, der mit zwei Müttern aufwuchs
Seine Gedanken kommen nicht von ungefähr. In seiner Heimat im Berner Oberland war die Toleranz für Homosexuelle nicht gross. «Mein Lehrer betete für meinen Schulkollegen, weil er mit zwei Müttern aufgewachsen ist. Damit er nicht in die Hölle kommt. Heute ist der Schulkollege mein Gitarrist», erzählt Adrian Graf, wie Sivilian bürgerlich heisst. «Und ‹schwul› war in der Schule ein gängiges Fluchwort. An meinem ersten Auftritt am Schulball rief mir jemand ‹Schwuchtel› zu. Ich war immer ein einfaches Ziel, weil ich etwas femininer bin.»
Aber: «Meine Familie war immer total unterstützend», so Sivilian. Mit 18 habe er sich zuerst bei seiner grossen Schwester Silvia (36) geoutet, zwei Wochen später bei seinen Eltern. «Meine Schwester hatte schon zuvor ein Gespräch über Homosexualität mit meinen Eltern. Und machte mir Mut, zu mir zu stehen», sagt er.
Pyro im Garten
Heute steht Sivilian, der am 7. August 2026 das Lied «Nudes» über das Datingleben mit Apps herausgeben wird, zu sich und sagt: «Es gehört zu mir, ich will das nicht verstecken.» Mit dem Erstarken der konservativen Regierungen, unter anderem mit US-Präsident Donald Trump (80), ist die LGBTQ-Gemeinde aktuell mit einem starken Gegenwind konfrontiert. Das bekam auch Sivilian zu spüren. «Im letzten Jahr haben Unbekannte unsere Wohnung mit Eiern beschmissen und eine Regenbogenflagge zerschnitten. Zudem haben sie Pyro im Garten platziert. Das schockierte mich.»
Wegen solcher Vorfälle brauche es auch heute noch Prides. Mit seinem Auftritt an der Bern Pride will Sivilian anderen Menschen Mut machen. «Das wird für mich unglaublich emotional, vor so viele Menschen zu stehen, die Ähnliches durchgemacht haben oder durchmachen», sagt Sivilian. «Da werde ich bestimmt auch die eine oder andere Träne verdrücken.»
Der Auftritt von Sivilian an der Bern Pride findet am Samstag um 19 Uhr auf dem Bundesplatz Bern statt.